Viele günstige sind empfehlenswert

saldo 17/2006 vom 25. Oktober 2006 | aktualisiert am 10. November 2009

von Claudine Gaibrois

Die meisten Haargels enthalten wenig bedenkliche Inhaltsstoffe, wie ein saldo-Test zeigt. Ausgerechnet für eines der teuersten gilt dies aber nicht.

Wer bei der Frisur Wert auf «ein perfektes Styling», den «irren Halt», «Mega-Glanz» oder den «coolen Nass-Look-Effekt» legt, kommt nicht ohne das schlabbrige Zeug aus: Jeder dritte Haushalt hat im vergangenen Jahr mindestens einmal eine Tube Haargel gekauft.



Welches Produkt am besten h?lt, haben wohl die meisten nach ein bisschen Herumpr?beln f?r sich herausgefunden. Was in den Gels an Substanzen drin ist, die f?r die Gesundheit problematisch sind, sieht man ihnen jedoch nicht an. saldo hat darum zw?lf Produkte auf bedenkliche Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Ein anerkanntes Labor pr?fte, ob die Haargels krebserregendes Formaldehyd oder Phthalate enthalten. Diese auch Weichmacher genannten Stoffe greifen in den Hormonhaushalt ein. Das Kantonslabor Basel-Stadt untersuchte zudem, ob in den Haar-Styling-Produkten allergene Duftstoffe stecken.



saldo w?hlte f?r den Test vor allem Haargels aus, die viel verkauft werden. Dazu geh?ren Produkte der Marken FX Studio, Nivea, Taft, Pantene Pro-V, Fructis Style und Rausch - alle aus dem mittleren Preissegment. Daneben wurden g?nstige Eigenmarken von Coop, Migros, Aldi und Carrefour ber?cksichtigt. Das gehobene Segment ist durch The Body Shop und die Haarpflegelinie Bed Head von Tigi vertreten, die nur in Coiffeursalons verkauft wird. Das Preisspektrum reicht von Fr. 1.40 bis Fr. 12.90 pro Deziliter.



Erfreulich: Die meisten Gels kann man sich ohne gr?ssere Bedenken ins Haar schmieren. 8 von 12 enthalten nur wenige bedenkliche Stoffe und bekommen daher die Note «gut bis sehr gut» oder «gut». Ein «sehr gut» wurde nicht verteilt, da kein Produkt ohne problematische Stoffe auskommt.







Nivea und Magic Styling: Nur ein allergener Duftstoff



Der Spitzenreiter Nivea Gel Creative Styling enth?lt kein Formaldehyd, keine Phthalate und nur einen einzigen allergenen Duftstoff. Dieser geh?rt erst noch zu den Duftstoffen der Kategorie D. Diese verursachen selten Allergien und gelten daher als relativ unbedenklich.



?hnlich gut schneidet Magic Styling von der Migros-Hausmarke Mibelle ab. Der einzige Unterschied zum Nivea-Produkt: Der eine allergene Duftstoff, den das Labor fand, f?hrt zwar auch nur selten zu Allergien. Er wird aber von Experten in die Kategorie C der allergenen Duftstoffe eingereiht, ist also etwas problematischer f?r Allergiker als einer der Kategorie D. Enthielt ein Gel einen allergenen Duftstoff dieser beiden Klassen, gab es pro Klasse einen halben Punkt Abzug.



Die in der Rangliste folgenden Haargels enthalten bereits deutlich mehr allergene Duftstoffe: In den meisten F?llen sind es f?nf oder sechs, allerdings auch wieder nur solche der C- und D-Klasse.







Weichmacher: Nur geringe Mengen gefunden



Ausserdem enthalten fast alle Proben ab dem dritten Rang Spuren von einem oder zwei Weichmachern. Strafpunkte wurden daf?r allerdings nicht verteilt. Gem?ss Fachleuten sind Phthalate in Haargels zwar grunds?tzlich unerw?nscht. Die Konzentrationen, die in den saldo-Proben gefunden wurden, seien jedoch so niedrig, dass davon keine Gefahr f?r die Gesundheit ausgehe. Wahrscheinlich seien die Weichmacher nicht gezielt beigemischt worden. Vielmehr k?nne man von Verunreinigungen ausgehen. Trotz der Weichmacher erhielten daher auch Wet-Gel Ultra Strong der Aldi-Marke Olana und Hair Gel’ Extra Forte der Carrefour-Eigenmarke No 1 die Note «gut bis sehr gut». Gut waren Taft Fixing Styling Gel Ultra Strong, Fructis Style Structuring Gel Extra Strong, Rausch Herbal Design Gel Creative Ultra Strong und Green Tea Fixing Gel von The Body Shop.





Unerw?nschter Duft nach Maigl?ckchen



Gen?gend schnitten Styling Gel Ultra-Strong der Coop-Eigenmarke Beldam und FX Studio Gel Fondant Fixation Forte ? Extra-Fortevon L’Or?al ab. Eine Note Abzug gab es f?r allergene Duftstoffe der Kategorie B. Diese bergen ein hohes Risiko f?r Allergiker. In beiden Produkten fand das Labor den Stoff Lyral, der Parf?mkompositionen wie Flieder und Hyazinthe abrundet. FX Studio enthielt zus?tzlich den k?nstlichen Maigl?ckchenduft Hydroxycitronellal. Daneben gab es bei beiden Proben insgesamt einen Strafpunkt f?r allergene Duftstoffe der Kategorien C und D.



An einer Duftstoffallergie leiden nach Angaben des deutschen Informationsverbunds dermatologischer Kliniken (IVDK) 1 bis 2 Prozent der Bev?lkerung. Die h?ufigsten Symptome sind R?tungen, Juckreiz, Bl?schenbildung, n?ssende oder rissige Hautstellen. Besonders hoch ist das Allergierisiko bei Substanzen der Kategorie A und B.



Wer bereits eine Kontaktallergie hat oder empfindlich auf bestimmte Stoffe wie Nickel, Gummi oder Konservierungsstoffe reagiert, sollte diese beiden Kategorien von Duftstoffen vermeiden. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand unter diesen Umst?nden weitere Allergien entwickelt, ist hoch.



Seit Anfang dieses Jahres m?ssen s?mtliche allergene Duftstoffe auf der Verpackung deklariert werden - im Fall von Produkten wie Haargels, die auf der Haut bleiben, ab einer Konzentration von 10 Milligramm pro Kilogramm. Die Hersteller haben allerdings noch bis Anfang 2007 Zeit, ihre Verpackungen anzupassen (siehe auch saldo 1/06).





Pantene Pro-V und Bed Head enthalten Formaldehyd



Ungen?gend waren die Haargels Pantene Pro-V Style & Fix Gel Ultra starker Halt und Bed Head Head Shrink. Beide enthielten eine relativ hohe Menge der allergieausl?senden und krebserregenden Substanz Formaldehyd. Immerhin wurde der gesetzliche Toleranzwert nicht ?berschritten. Der Vergleich mit der Mehrheit der anderen Proben zeigt aber, dass heutzutage ein Haargel problemlos ohne das gesundheitlich hoch bedenkliche Konservierungsmittel hergestellt werden kann. Beide Gels bekamen drei Noten Abzug, weil sie ?ber 300 Milligramm Formaldehyd pro Kilogramm enthielten - 310 Milligramm waren es im Fall von Pantene, 320 Milligramm im Fall von Head Shrink.





«Wir sind von der Sicherheit unserer Produkte ?berzeugt»



Beim Schlusslicht Head Shrink kommt noch dazu, dass das Haargel am meisten problematische allergene Duftstoffe von allen Proben enth?lt: Das zur A-Klasse geh?rende Isoeugenol kommt als nat?rlicher Bestandteil in Pflanzen und ihren ?therischen ?len vor. Es gilt als Duftstoff mit einem sehr hohen Allergierisiko. Daneben ist Head Shrink wie schon das L’Or?al-Produkt FX Studio mit Hydroxycitronellal parf?miert. F?r die allergenen Duftstoffe dieser beiden Klassen wurde zus?tzlich zu den Abz?gen f?rs Formaldehyd und f?r Duftstoffe der Kategorien C und D eine Note abgezogen.



saldo hat die beiden Hersteller mit den Ergebnissen konfrontiert. Von Procter & Gamble, der Muttergesellschaft von Pantene, kam die Antwort: «Wir versichern, dass wir nur Produkte auf den Markt bringen, von deren Sicherheit wir ?berzeugt sind», sagt Marie-Sabine Jaccard. Angesprochen auf den relativ hohen Formaldehyd-Gehalt verweist sie einzig auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Bed-Head-Herstellerin Tigi war bis zum Redaktionsschluss zu keiner Stellungnahme bereit.





Einmal mehr: Qualit?t ist keine Frage des Preises



F?r ein Haargel viel Geld auszugeben lohnt sich also nicht. Das mit Abstand schlechteste Head Shrink wird exklusiv in Coiffeursalons zum stolzen Preis von knapp 5 Franken pro 50 Milliliter oder 24 Franken f?r die 250-Milliliter-Flasche verkauft. Der von Werbung und Aufmachung betonte In-Faktor steht somit in grossem Gegensatz zum schlechten Resultat. Das mit Fr. 6.45 pro 50 Milliliter teuerste Haargel im Test, Green Tea Fixing Gel von The Body Shop, erh?lt zwar die Note «gut». Aber alle anderen aus der Gruppe «gut» beziehungsweise «gut bis sehr gut» schneiden noch besser ab. Die bestplatzierten vier Proben kosten zudem deutlich weniger als das The-Body-Shop-Produkt - die bei Aldi erh?ltliche billigste gar nur gut einen Zehntel.







Problematische Stoffe und ihre Wirkung



- Formaldehyd: Das stechend riechende farblose Gas f?hrt bereits in geringen Mengen zu Reizungen der Augen und Atemwege und kann im Kontakt mit der Haut Allergien ausl?sen. Seit kurzem ist ausserdem erwiesen, dass die Substanz f?r den Menschen eindeutig krebserregend ist. Vorher war diese Wirkung aufgrund von Tierversuchen nur vermutet worden. Nun haben Langzeitstudien am Menschen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und der Formaldehyd-Belastung gezeigt (saldo 11/06). In Kosmetika wird Formaldehyd wegen seiner konservierenden und keimabt?tenden Wirkung eingesetzt.



- Allergene Duftstoffe: In Anlehnung an die Europ?ische Union gelten in der Schweiz 26 Duftstoffe als allergieausl?send. Diese lassen sich in vier verschiedene Klassen unterteilen: Duftstoffe der Kategorie A k?nnen sehr h?ufig und bereits in geringen Mengen eine Allergie ausl?sen. Solche der Kategorie B und C sind bereits weniger allergen. Duftstoffe der Kategorie D verursachen selten allergische Reaktionen. Seit Anfang Jahr m?ssen die 26 allergenen Duftstoffe auf der Verpackung deklariert werden. Den Herstellern wird allerdings eine ?bergangsfrist bis Anfang 2007 gew?hrt.



- Phthalate: Die auch Weichmacher genannten Stoffe greifen in den Hormonhaushalt ein und k?nnen dadurch die Fortpflanzungsorgane sch?digen. Besonders gef?hrdet sind S?uglinge und Kleinkinder, deren Geschlechtsmerkmale noch nicht entwickelt sind.

In Kosmetika werden Phthalate h?ufig als Tr?gersubstanz f?r Duftstoffe eingesetzt.

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