Laufpass für die Laufmasche

K-Tipp 17/2001 vom

Strumpfhosen im K-Tipp-Test Die ausgewogene und günstige Daily Essentiel Feeling macht das Rennen

150 Millionen Franken: Für diesen Betrag kaufen die Schweizerinnen jedes Jahr Strumpfhosen. Der K-Tipp sagt, welche Modelle ihr Geld wirklich wert sind.

Thomas Vogel tvogel@ktipp.ch

Noch vor zehn Jahren gingen jährlich 54 Millionen Strumpfhosen über Schweizer Ladentische. Damals galt die Strumpfhose als trendig; wer modisch ganz vorne dabei sein wollte, trug gemusterte Exemplare.

Der Boom aus den 80er-Jahren ist vorbei. Die Trägerinnen von damals sind inzwischen älter geworden, und jüngere Frauen können sich nicht mehr für die Strumpfhose erwärmen - wenngleich Marketing-Strategen immer wieder versuchen, das Beinkleid auf jung zu trimmen. Mit bisher bescheidenem Erfolg.

«Junge Frauen tragen Strumpfhosen nur noch zu festlichen Anlässen», bedauert Heiner Kessely, Geschäftsleitungsmitglied der Rheintaler Strumpffabrik Flexy.

Dieser Negativ-Trend schlägt sich in den Verkaufszahlen nieder: Gerade mal 38 Millionen Strumpfhosen kaufen Schweizerinnen heute noch pro Jahr. Und der Trend ist weiterhin rückläufig.

Die Folgen blieben nicht aus: Von den ehemals zehn Schweizer Strumpffabriken bestehen nur noch vier. Kessely glaubt, dass der Abbau sogar weitergehen wird. «Die Schweiz hat maximal Platz für zwei Produzenten von Strumpfhosen.»

Daran vermochte auch das Revival des Minirocks nichts zu ändern. Denn er war es, der den Strumpfhosen in den 60er-Jahren zum Siegeszug verhalf. «Es war einfach unästhetisch, unter superkurzen Röcken das obere Strumpfende und Strapse zu sehen», erinnert sich Kessely.

Um den Trend weg von der Strumpfhose hin zu Söckchen rückgängig zu machen, liessen die Produzenten nichts unversucht. «Eine wesentliche Verbesserung der Qualität in den letzten Jahren hat sowohl den Tragekomfort als auch die Solidität stark verbessert», konkretisiert Kessely die Massnahmen.


Keiner der Prüflinge fiel bei den Testern durch

Ob moderne Strümpfe tatsächlich lange halten und komfortabel sind - das wollte der K-Tipp genau wissen. Zuerst mussten 14 verschiedene schwarze Strumpfhosen in der Garnstärke 20 Denier diese Qualitäten unter Beweis stellen. Dann wurden sie auf chemische Stoffe hin untersucht.

Alle Strümpfe bis auf das Fogalprodukt stammen aus den Regalen von Grossverteilern. Denn: Rund 70 Prozent aller verkauften Strümpfe gehen alleine auf das Konto von Migros und Coop.

Das Ergebnis ist für die Strumpfhersteller durchaus erfreulich: Keiner der Prüflinge fiel im Gesamturteil mit der Note «ungenügend» durch. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Produkte in Teilkriterien ungenügende Leistungen zeigten.

Der härteste und für die Konsumentin wohl auch wichtigste Prüfpunkt war die Widerstandsfähigkeit. Dabei prüfte das Institut für Produktforschung und Information (ipi) im deutschen Esslingen einerseits, wie schnell sich im Alltagseinsatz Laufmaschen bilden. Getestet wurde aber auch, ob sich die Strumpfhose waschen lässt, ohne dass sie Schaden nimmt. Ipi bewertete je zehn Waschgänge mit und ohne Waschsäckchen.

Nicht sehr schmeichelhaft ist das Ergebnis des Laufmaschentests für das teuerste Produkt im Test: Die 53-fränkige Fogalhose lieferte zusammen mit der 2-fränkigen Seance Viva Desert das schlechteste Resultat.

Auch wenn die California 265 von Fogal die Waschvorgänge einigermassen unbeschadet überstand, gibt es im Kriterium Widerstandsfähigkeit die Teilnote «ungenügend».

Insgesamt sind fünf Produkte ungenügend im Teilkriterium Widerstandsfähigkeit:

- Migros Classics Crêpe

- Evabella Vital

- Fogal California 265

- Seance Viva Desert

- Avela Basic Pratic

Jumbo-Pressesprecher Peter Stefani verteidigt die Seance Viva Desert: «Mit unserer Leistung liegen wir im Bereich der anderen Strumpfhosen.» Zusätzlich, so meint Stefani, dürfe man den tiefen Preis nicht ausser Acht lassen. Allerdings: Die M-Budget Collant ist nicht mal halb so teuer - aber punkto Widerstandsfähigkeit deutlich besser.

Fogal kritisiert die Testanlage: «Das doch etwas sehr grobe Ziehen über eine raue Holzplattenkante reisst das feine Umspinnungsgarn auseinander und entspricht eigentlich nicht der realen Beanspruchung dieses Luxusproduktes.»


Tragekomfort der Aloe Vera begeisterte die Testerinnen

Ebenfalls eine hohe Hürde stellte der nächste Prüfpunkt dar: der Tragekomfort. In diesem Blindtest mussten sechs Frauen (regelmässige Strumpfhosenträgerinnen mit Konfektionsgrössen zwischen 36 und 46) die Prüflinge mindestens einen Tag lang tragen und bewerten. Sie wussten nicht, um welches Produkt es sich jeweils handelte.

Bewertungskriterien waren:

- Lässt sich die Strumpfhose einfach anziehen?

- Sitzt sie am Bund, in der Länge, im Schritt sowie am Fuss gut?

- Kneift sie an den Knien, im Schritt oder an der Fussfessel?

- Ist das Material angenehm auf der Haut?

- Lässt sich die Strumpfhose einfach ausziehen?

Voll punkten konnte hier die Avela Wellness Aloe Vera. Teilurteil: «Sehr gut». «Sehr weich, macht jede Bewegung mit», lautete der Kommentar zu dem mit Extrakten der Pflanze Aloe Vera behandelten Beinkleid. Vor allem das Tragegefühl auf der Haut lobten die Testerinnen. «Die erste Creme zum Anziehen», brüstet sich Avela selber.

Den Testsieg vergab Iril Energy im Tragekomfort. Die Testfrauen beurteilten sie als sehr eng und glatt. Dieses Engegefühl schlug sich auch in der Bewertung fürs An- und Ausziehen nieder. Das grösste Minus kassierte Iril Energy jedoch bei der Passform. Einhelliges Urteil: «Sie ist im Schritt zu kurz.»


Zwei der schwarzen Prüflinge sind nicht farbecht

Die meistverkaufte Strumpfhose ist schwarz. Und schwarz ärgert sich die Trägerin, wenn ihre Strumpfhose nach ein paar Waschgängen grau ist. Rot hingegen sieht der Liebhaber, wenn seine weisse Designerpolstergruppe nach dem Besuch seiner Partnerin schwarz ist, weil die Strumpfhose abgefärbt hat.

Ob sich die Probanden punkto Farbechtheit bewähren, hat das Zürcher Textillabor Testex untersucht. In diesem Prüfpunkt fielen vor allem Daily Essentiel Feeling und Evabella Galant negativ auf. Die Epa sagt zu ihrem Produkt Evabella Galant, eigene Tests hätten bessere Resultate ergeben.

Schwarz ist immer eine Mischung vieler verschiedener Farben. Vielfach verwenden die Produzenten so genannte Dispersionsfarben, um Produkte aus Polyamid oder Polyester einzufärben. Diese Farbstoffgruppe ist jedoch in Verruf geraten. Denn: Einige Vertreter dieser Gruppe können Hautausschläge hervorrufen.

Testex hat deshalb geprüft, ob die Strumpfhosen heikle Farbstoffe enthalten; konkret suchten die Tester nach 20 verschiedenen Chemikalien.

Das Ergebnis ist insgesamt erfreulich. Einzig im Dim Sublim Voile Mat wurden Testex-Prüfer fündig. Und selbst da warens nur Kleinstmengen: «Die gefundene Konzentration liegt im tiefen Promillebereich», kommentiert Testex das Resultat. Vermutlich haben die Hersteller den betreffenden Farbstoff Dispers Red 1 nur zur Nuancierung des Farbtons eingesetzt.

Dim bestreitet, in irgendeiner Weise Dispers Red 1 zu verwenden.

Der letzte Prüfpunkt war die Verarbeitung: Ipi prüfte, ob die Konsumentin die Strümpfe bereits mit Ziehfäden oder Laufmaschen kauft. Ebenfalls in dieses Kriterium fällt, ob beide Strumpfbeine dieselbe Länge haben und ob alle Strumpfhosen einer Grösse tatsächlich immer die gleiche Grösse aufweisen.

n



So bleiben Sie länger gut im Strumpf

Mit der richtigen Pflege und vorsichtigem Umgang können Sie Strumpfhosen problemlos bis zu 20-mal tragen. Um das zu erreichen, gibt Fachmann Heiner Kessely von der Strumpffabrik Flexy ein paar Tipps:

- Strümpfe mit einem hohen Elastan- oder Lycra-Anteil sind zwar etwas teurer, dafür auch haltbarer.

- Streifen Sie zum Anziehen der Strümpfe wenn möglich Handschuhe über. Vor allem lange Fingernägel oder grosse Ringe sind der schnelle Tod jeder Strumpfhose.

- Waschen Sie Strumpfhosen bei höchstens 40 Grad mit einem schonenden Waschmittel im Schongang. Verwenden Sie dazu einen Wäschesack.

- Bügeln Sie Strumpfhosen nie.

- Lassen Sie sie an der Luft trocknen. Legen Sie sie dazu nie auf einen heissen Heizkörper.

- Am besten bewahren Sie die Strumpfhose im Polybeutel auf, in dem Sie die Hose gekauft haben.
0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Übler Verkaufstrick oder ein guter Rat?

DVD-/Radio-/TV-Tipps: Banker: Zielgenau in die nächste Krise

DVD-/Radio-/TV-Tipps: Der lange Weg zu Bio