So geben die Ärzte neuerdings den Tarif durch

K-Tipp 16/2004 vom

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Sind Anzahl und Dauer der Konsultationen korrekt verrechnet? Hat der Arzt wirklich den Notfalltarif zugut? Wer die Arztrechnung kontrolliert, bezahlt nur für die tatsächlich erbrachten Leistungen.

Seit Anfang Jahr ist der Arzttarif Tarmed in Kraft. Er umfasst rund 4600 Positionen und gilt für Behandlungen bei Ärzten und ambulant in Spitälern. Die Arztrechnungen, die der Patient der Krankenkasse zur Rückvergütung einschickt, sind vereinheitlicht. Wie man eine solche Rechnung liest, ist im Kasten «Musterrechnung» erklärt.

Für jede Tarifposition gibt es eine fixe Anzahl Taxpunkte. Der Wert eines Taxpunktes ist abhängig vom Kanton, in dem sich die Arztpraxis befindet. Momentan werden die Werte monatlich überprüft und angepasst.


Abrechnung im 5-Minuten-Takt

In den Praxen setzt das Abrechnungsprogramm bei jeder berechneten Position automatisch die korrekten Taxpunktzahlen ein. Hingegen kann der Arzt - je nach Computerprogramm - den Taxpunktwert selber verändern.

Eine Rechnung mit falschen Taxpunktwerten wird aber in der Kontrolle durch die Krankenkassen hängen bleiben. Laut Branchenverband Santésuisse sparen die Kassen dank der Rechnungskontrolle jährlich rund 1 Milliarde Franken ein. Ein beachtlicher Teil geht auf das Konto falsch gestellter Rechnungen. Anders sieht es aus, wenn der Arzt nichterbrachte Leistungen berechnet. Die Krankenkassen haben kaum eine Möglichkeit, solche Fehler zu bemerken. Doch die Patienten können dazu beitragen, dass weder die Kasse noch sie selber zu viel bezahlen. Und darauf sollten sie achten:

Während der Konsultation:
- Fragen stellen: So vermeidet man auch überflüssige Untersuchungen.
- Zeitfaktor: Notieren Sie sich die Zeit (auch bei einem Anruf). Die Ärzte rechnen im 5-Minuten-Takt ab. 5 Minuten mehr oder weniger machen schnell einmal 15 Franken aus. Der Arzt darf nur den direkten Kontakt mit Ihnen als Zeitaufwand abrechnen. Erstellt aber die Assistentin ein Röntgenbild, wird das über eine separate Position abgegolten.

Wenn die Rechnung vorliegt:
- Konsultationen: Verrechnete Anzahl kontrollieren.
- Zeitangaben: Anhand Ihrer Notizen überprüfen. Beispiel: Haben Sie den Arzt 4 Minuten gesehen, darf er für die Konsultation nur die ersten 5 Minuten (Tarifcode 00.0010) verrechnen.
- Notfall: Eine Konsultation so zu verrechnen ist nur zulässig, wenn sich der Arzt laut Tarmed «unverzüglich» um Sie gekümmert hat. Er darf Sie nicht ins Wartezimmer schicken und muss sogar die Behandlung eines anderen Patienten abbrechen.
- Leistungen in Abwesenheit des Patienten: Nicht zulässig ist es, wenn Ihnen der Arzt auf diese Weise den Aufwand für die Rechnungsstellung verrechnet. Dieser ist über die anderen Positionen bereits abgegolten.

Weder die Herausgabe Ihrer Krankengeschichte noch Notizen, die sich der Arzt nach einer telefonischen Konsultation macht, darf er zusätzlich verrechnen. Hingegen kann er ein Telefonat für Sie oder das Studium Ihrer Akten separat in Rechnung stellen.
- Medikamente: Falls Sie beim Arzt direkt Heilmitte- bezogen haben: Überprüfen Sie, ob die Angaben zur abgegebenen Packungsgrösse und Dosierung stimmen.


Bei Problemen erst mit dem Arzt reden

So gehen Sie vor, wenn Sie vermuten, dass der Arzt bei der Rechnungsstellung über die Stränge geschlagen hat.
- Gespräch: Sprechen Sie mit dem Arzt über die Positionen, die Sie anzweifeln. Es muss nicht a priori so sein, dass ein Beschiss vorliegt.

Übrigens: Der Arzt darf Ihnen ein solches Gespräch nicht als Konsultation berechnen, wenn Sie ihn nur deswegen anrufen.
- Krankenkasse: Scheitert das Arztgespräch, schicken Sie Ihrer Kasse die Rechnung und listen Sie die beanstandeten Punkte auf. Schriftliche Vollmacht beilegen, damit die Kasse die Abklärungen machen kann. Die Kasse ist verpflichtet, Ihre Interessen zu vertreten, wenn es sich um Leistungen aus der Grundversicherung handelt.
- Patientenstellen: Auch sie helfen Ihnen weiter. Die Adressen der Kontaktstellen im Web: www.spo.ch und www.patientenstelle.ch.



Musterrechnung: Le sebeispiel - damit das Fachchinesisch verständlich wird

TP, AL, TPW, TL, Tarifziffer, Bezugsziffer: Arztrechnungen nach Tarmed wimmeln von Abkürzungen und Fachchinesisch. Der K-Tipp erklärt die wichtigen Punkte.

1. Diagnose: Aus Datenschutzgründen müssen die Ärzte den so genannten Tessiner-Code verwenden. G1 wie in der Musterrechnung bedeutet «Komplikationsloser Infekt». Den Tessiner-Code kann man auf der Website der Ärztevereinigung FMH abrufen - und zwar unter www.fmh.ch. Dann weiterklicken auf: Unsere Dienstleistungen, Tarife, Tarmed, Tarmed KVG, Rahmenvertrag KVG, Anhang 4b.

2. Datum: Hier stehen die Daten der Behandlungen.

3. Tarif: Für unterschiedliche Leistungen gelten verschiedene Tarife. Steht an dieser Stelle 001, stammt die Position aus dem Tarmed. 316 bedeutet, dass es sich um die Leistung eines Labors handelt, mit dem Tarif 400 werden Medikamente nach Spezialitätenliste bezeichnet. Es gibt zwar eine Unmenge weiterer Tarife - diese drei decken aber weit über 90 Prozent der Rechnungspositionen einer Arztrechnung nach KVG ab.

4. Code/Tarifziffer: In dieser Kolonne gibt der Arzt den Code für die erbrachte Leistung ein. Auf der Rechnung sieht der Patient die Ziffer samt einer kurzen Beschreibung, z. B. Konsultation, erste 5 Min.
Den vollständigen Tarmed findet man im Internet z. B. unter www.tarmedsuisse.ch (klicken auf: Browser).

Die Analyse-Liste der Laborleistungen findet man unter www.bag.admin.ch/kv/ gesetze/d/d_al_0401.pdf.

Und die Medikamentenpreise kann man unter www. bag.admin.ch/kv/gesetze/sl/d/index.htm überprüfen.

5. Bezug: Im Tarmed-Regelwerk gibt es zahlreiche Positionen, die aufeinander Bezug nehmen. Beispiel: Ohne die Tarifziffer 00.0010 für die ersten 5 Minuten einer Konsultation zu verrechnen, kann der Arzt auch die Positionen 00.0020 für weitere 5 Minuten und 00.0030 für die letzten 5 Minuten nicht in Rechnung stellen.

6. Anzahl: Hier gibt der Arzt an, wie oft er die entsprechende Tarifziffer verrechnet. Im Musterbeispiel hat er «weitere 5 Minuten» einmal verrechnet.

7. TP AL/Preis: Anzahl Taxpunkte für die ärztliche Leistung (AL: entschädigt das ärztliche Handwerk). In dieser Spalte können auch Preise aufgeführt sein, z. B. bei Medikamenten.

8. TPW AL: Taxpunktwert der ärztlichen Leistung in Franken. Je nach Kanton liegt er momentan zwischen 78 und 98 Rappen (Stand September 2004). In der Musterrechnung kostet der Taxpunkt 89 Rappen. Für die Behandlung von Unfällen gilt derzeit ein Taxpunktwert von 1 Franken. Die Taxpunktwerte findet man im Internet unter www.santesuisse.ch. Klicken auf: Service, Verträge & Preise, Taxpunktwerte.

9. Pt TL oder TP TL: Anzahl Taxpunkte für die technische Leistung. So wird die Infrastruktur des Arztes wie Praxismiete entschädigt.

10. TPW TL: Taxpunktwert der technischen Leistung in Franken. Dieser ist momentan in allen Kantonen identisch mit den Taxpunktwerten für die ärztliche Leistung.

11. P: Bedeutet Pflichtleistungscode. Eine 0 an dieser Stelle heisst, dass die hier aufgeführte Leistung von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen werden muss. Steht in dieser Zeile aber eine 1, muss die obligatorische Krankenversicherung nicht bezahlen.

12. Betrag: Preis in Franken. Berechnet sich aus der Anzahl Taxpunkte AL mal Taxpunktwert AL plus Anzahl Taxpunkte TL mal Taxpunktwert TL. Im Beispiel: 9.57 mal Fr. 0.89 + 8.19 mal Fr. 0.89 = Fr. 15.81.

13. Teilbeträge: Hier sind die Beträge der einzelnen Bereiche in Franken aufgelistet.

14. Gesamtbetrag: Das ist der geschuldete Betrag in Schweizer Franken. Zusätzlich ist hier der Betrag der Pflichtleistungen (PFL) angegeben, jenes Teils also, den die Krankenkasse bezahlen muss.
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Kommentare

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von orchard am
28.06.2012, 12:28

Taxpunktwerte UVG

sind ersichtlich auf www.zmt.ch > Ambulante Tarife

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