Schwermetall im Wasser

K-Tipp 20/2007 vom

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Hahnenwasser ist nicht nur häufig verkeimt, es enthält auch zu viel Blei und Nickel. Das zeigt eine Studie, mit der die Kantonslabors bis jetzt nicht an die Öffentlichkeit gingen.

Dem Leitungswasser wird Jahr für Jahr Topqualität bescheinigt. Das heisst aber nicht, dass es so aus dem Hahnen fliesst. Denn die Prüfer lassen das Wasser jeweils mehrere Minuten laufen, bevor sie eine Probe abfüllen. Solche Kontrollen belegen, ob das Wasser im Leitungsnetz bis zum Hausanschluss einwandfrei ist. Wer ein Glas vom Hahnen trinkt, lässt es aber nicht so lange vorlaufen.


Grenzwerte mehrfach überschritten

Für einmal ebenfalls ohne Vorlauf haben elf kantonale Labors die Wasserqualität getestet. Das Resultat der Studie liegt dem K-Tipp vor – und ist beunruhigend: Jede zehnte Probe überschritt den Bleigrenzwert von 10 Mikrogramm, 18 Prozent der Proben enthielten zu viel Nickel. In einem Fall wurde der Grenzwert gar ums 30fache überschritten.

Untersucht wurde das Wasser von 212 Hahnen in 152 vorwiegend neuen privaten und öffentlichen Gebäuden. Aus neuen Armaturen wird mehr Metall ausgewaschen – und sie haben noch keine schützende Kalkschicht. «Die Messkampagne hat gezeigt, dass in der Schweiz ein Problem mit der Verunreinigung des Hahnenwassers mit Schwermetallen vorliegt», steht im Bericht.


Nickel entsteht in erster Linie im Hahnen

Die Chemiker kommen auch zum Schluss, dass das Nickel vorwiegend aus den Hahnen stammt, Blei zudem aus weiter weg platzierten Armaturen (Zähler, Verteilbatterie). Denn lässt man das Wasser einige Zeit laufen, nimmt der Nickelgehalt rasch, der Bleigehalt langsam ab.

Für den ehemaligen Fribourger Kantonschemiker Hans-Sepp Walker, ist klar: «Einige Wasserhahn-Modelle müssen vom Markt verschwinden.» Der Fachmann ist übrigens auch Autor der zwei Jahre alten, aber bis anhin nicht allgemein zugänglichen Studie.

Die Ergebnisse haben nun den Verein des Gas- und Wasserfachs (SVGW) aufgeschreckt. Der Verein ist für die Zertifizierung von Wasserhahnen zuständig. Nach Aussagen von Robert Haas vom SVGW werden momentan viele Armaturen von Herstellern aus dem In- und Ausland auf ihre Blei- und Nickelabgabe hin überprüft. Ende Februar sollten die Resultate vorliegen. Bleileitungen sind in der Schweiz seit 1914 verboten, für Armaturen aber ist das Metall, das Gegenstände besser formbar macht, erlaubt.

Blei in grossen Mengen kann Nervensystem und Blutbildung stören. Das Metall ist gefährlich – es bleibt im Körper. Nickel kann speziell für Allergiker schädlich sein.

Nicht nur Schwermetalle, auch Keime verunreinigen das Trinkwasser: Stichproben des K-Tipp (siehe Ausgabe 17/07) – entnommen in öffentlichen WCs, ebenfalls ohne das Wasser vorlaufen zu lassen – zeigten: Mehr als die Hälfte der Proben enthielten zu viele Bakterien.


So können Sie die Wasserqualität daheim verbessern

Schwermetall:

  • Lassen Sie das Wasser vor dem Trinken zuerst immer etwas laufen. Das Wasser können Sie für andere Zwecke (z. B. als Wasch-, Giess- undPutzwasser) nutzen.
  • Wasserhahnen sollten auch nach Ferien oder beim Bezug von Ferienhäusern durchgespült werden. In stehendem Wasser wäscht sich mehr Schwermetall aus.

Sonstige Verunreinigungen:

  • Wassersiebe regelmässig reinigen und entkalken. Tipps gegen Kalk lesen Sie im Magazin Haus & Garten, Ausgabe 1/07.
  • Trinken Sie stets kaltes Wasser. Verwenden Sie auch kaltes Wasser, um Tee und Kaffee zu kochen. Boilerwasser wird erhitzt gelagert und ist immer etwas abgestanden. Erhitzen entzieht dem Wasser zudem Sauerstoff, was ihm einen unangenehmen Geschmack geben kann.
  • Stellen Sie die Warmwassertemperatur auf 60 Grad ein, so gibts weniger Legionellen-Bakterien.


Sie können Ihr Trinkwasser bei privaten Laboratorien untersuchen lassen, z.B. bei www.bachema.ch (für rund 100 Franken) und bei den Wasserwerken unter www.aquaexpert.ch.


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