Schweizer zahlen viel zu viel

K-Tipp 02/2014 vom

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Ein K-Tipp-Preisüberblick zeigt: Die Schweizer zahlen für einen Telefonanschluss im ­Vergleich zum benachbarten Ausland jährlich bis zu 125 Franken mehr.

Rund 4,5 Millionen Telefonanschlüsse gibt es in der Schweiz. Das geht aus der offiziellen Fernmeldestatistik des Bundes von 2012 hervor. Ein Grossteil der Telefonkabel gehört der Swisscom. Seit Jahrzehnten kostet der Anschluss zwischen Fr. 25.25 und 25.35 pro Monat. Das entspricht dem gesetzlich erlaubten Höchstpreis. Konkurrenten wie zum Beispiel Sunrise verlangen für den Festnetzanschluss praktisch gleich viel – nämlich 25 Franken. Der Vergleich mit dem Ausland zeigt: Schweizer zahlen einmal mehr zu viel. So kostet der Anschluss in Österreich bei Tele 2 pro Monat um­gerechnet Fr. 14.80. Ein Grund für die hohen Gebühren: Der Grossteil der Kosten besteht aus der sogenannten Entbündelungsgebühr, den die anderen Telekomfirmen der Swisscom abliefern müssen. Sie wird von der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) fest­gelegt. Für das Jahr 2013 beträgt sie Fr. 15.20 pro Monat. 

Das Problem: Die ComCom geht in der Preisberechnung davon aus, dass das gesamte Swisscom-Netz neu gebaut werden müsste. Tatsächlich aber ist es von den Kunden schon seit Jahrzehnten abbezahlt. Und: Die Berechnung geht von veralteten teuren Kupferkabeln aus. Heute werden jedoch bei neuen Anschlüssen fast nur deutlich günstigere Glasfasern verwendet. 

Kommt hinzu: Die Entbündelungsgebühren sinken seit Jahren – doch der Preis für den privaten Telefonanschluss bleibt immer gleich hoch. So sank die Entbündelungsgebühr von Fr. 18.18 im Jahr 2008 auf Fr. 15.20 letztes Jahr. Das ist fast ein Fünftel weniger. Der Festnetzanschluss kostet aber  bei allen Telecomfirmen nach wie vor rund 25 Franken.

Die Begründung der Firmen: Nur so könne der hohe Standard des Netzes gewährleistet werden. «Swisscom ­investiert seit dem Jahr 2000 jährlich sehr grosse dreistellige Millionenbeträge in den Netzausbau», sagt Sprecher Sepp Huber. 

Entbündelung

In der Schweiz wie im Ausland besitzen die ehemals staatlichen Telefonkonzerne, wie Swisscom, Deutsche Telekom oder A1 ­Telekom Austria, einen Grossteil der Telefonleitungen. In all diesen Ländern verlangen die Ex-Monopolisten die höchstmöglichen Preise. Sie haben kein Interesse, dass andere Firmen ihre Netze benützen. Darum beschloss der Bundesrat vor sieben Jahren, das Netz zu entbündeln.

Das heisst: Auch wenn der Hausanschluss – die sogenannte letzte Meile – ehemals von der Swisscom installiert worden ist, muss sie ihn für die Konkurrenz freigeben –  «zu kosten­orientierten Preisen». So steht es im Fernmelde­gesetz. Die Idee: Durch mehr Konkurrenz sollten die Preise sinken. Doch das war nicht der Fall.

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