Mit Botox gegen Reizblase

saldo 14/2004 vom

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Es glättet Augenfältchen und soll nun auch Menschen mit Reizblase helfen: das Nervengift Botox.

Die nächste Toilette immer im Blick: Wer mit Reizblase lebt, kommt nie zur Ruhe. «Ich habe schon oft beobachtet, wie blamabel es für Menschen wird, wenn sie ihr Wasser nicht halten konnten», erzählt Martha Huber (Name geändert), die ihr eigenes Blasenproblem 25 Jahre lang verheimlicht hat.


Meist helfen Blasentraining und Medikamente

Etwa 100 000 Menschen in der Schweiz leiden an Reizblase. Typisch dabei ist: unfreiwilliges, krampfartiges Wasserlösen und häufige Toilettengänge mit geringen Urinmengen. Der Zürcher Urologe Daniel Schmid erklärt das Problem: «Nervenzellen in der Blasenschleimhaut melden dem Hirn viel zu früh eine volle Blase; die Blasenmuskulatur zieht sich dann reflexartig zusammen.» Die genaue Ursache ist meist unbekannt. Was man weiss: Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und chronische Blasenentzündungen erhöhen das Risiko für eine Blasenschwäche.

«Gezieltes Blasentraining und krampflösende Medikamente helfen den meisten Betroffenen», so Schmid, «aber es gibt eine kleine Gruppe, bei denen diese Massnahmen nichts nützen.» Auch Martha Hubers Beschwerden wurden schlimmer. Sie zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, «obwohl ich eigentlich ein geselliger Mensch bin», betont sie.

Geholfen hat ihr schliesslich das Nervengift Botulinumtoxin (Botox), das seit zwei Jahren in einer klinischen Studie am Zürcher Unispital getestet wird. Dass Botox ein Trendmedikament sei, das nach Falten und Schweiss jetzt auch noch Blasenbeschwerden aus der Welt schaffen soll, lässt Daniel Schmid nicht gelten: In der Neurologie werde das Nervengift schon seit zehn Jahren eingesetzt, und «längst ist etwa bekannt, dass es die Blasenkrämpfe von Querschnittgelähmten lindert». Seine Studie soll nun zeigen, ob Botox auch bei Reizblasen wirkt, denen keine neurologische Störung zugrunde liegt.


Erfolgsquote liegt bei 80 bis 90 Prozent

Das Ergebnis nach fast 100 Behandlungen scheint vielversprechend: 80 Prozent haben laut Schmid sehr gut auf Botox angesprochen; bei 10 Prozent trat eine Verbesserung ein; bei weiteren 10 Prozent blieb das Nervengift wirkungslos.

Martha Huber hat die Behandlung geholfen: «Seit fünf Monaten habe ich keine Beschwerden mehr!» Langzeiterfahrungen müssen nun zeigen, wie anhaltend die neue, noch nicht kassenpflichtige Behandlung wirkt.
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