Lehm sorgt für ein gesundes Raumklima

Haus & Garten 03/2008 vom | aktualisiert am

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Bauen und Renovieren mit Lehm ist im Trend: Der natürliche Baustoff liegt praktisch vor der Tür, er hilft Energie sparen und lässt sich vielfältig verwenden.


Der Baustoff aus dem Erdreich vereinigt verschiedene Vorteile: Lehm ist meist lokal verfügbar, direkt aus dem Aushub verwendbar, muss nicht industriell bearbeitet werden und benötigt keine chemischen Bindemittel. Zudem sorgt er auf natürliche Weise für ein gesundes Raumklima.

Der Grund: Lehm nimmt Feuchtigkeit gut auf und gibt sie bei trockener Luft wieder ab – was das Raumklima und damit die Wohnqualität entscheidend verbessert. Einzig im Spritzwasser-Bereich um Lavabo und Dusche verzichtet man auf den wasserlöslichen Lehm.


Wärmedämmung und Schallschutz

Die Architektin Doris Müller plant und baut nach baubiologischen Grundsätzen und hat mehrere Lehmbauprojekte realisiert: «Lehm setzt man heute meistens als Putz ein.» Daneben verwendet man luftgetrocknete Lehmsteine im Holz-Elementbau als Speichermasse von Wärme in Wänden und Böden. Gleichzeitig werden damit ausgezeichnete Schallschutzwerte erreicht.

Ganz im aktuellen Architekturtrend sind Stampflehm-Wände: Für diese massiven Bauteile wird lagenweise erdfeuchter Lehm in eine Schalung geschüttet und festgestampft.

Lehm wird auch als Wärmespender geschätzt. Doris Müller: «Ein Lehm-Ofen gibt seine Strahlungswärme gleichmässig ab.» Und Lehmbau-Profi Sami Weisser, selber Bewohner eines Lehmhauses, sagt: «Die Wärme-Speicherkapazität von Lehm ist sehr hoch.» Der Baustoff eignet sich ebenfalls gut, um darin eine Wandheizung unterzubringen. Allerdings: Bauen oder Renovieren mit Lehm ist aufwendiger und entsprechend teurer als mit herkömmlichen Materialien.

Das Haus von Martin Graf und Esther Hildebrand ist mit Lehm verputzt. «Jeder Raum ist extrem behaglich und luftig, der Lehm schluckt den Schall – ohne dass es ‹höhlelet›», so Esther Hildebrand. «Und weil Lehm die Feuchtigkeit so gut aufnimmt, trocknet ein feuchtes Geschirrtuch schnell, quasi von allein.»


Lehm bald auch in Spitalzimmern?

Esther Hildebrand hat den qualitativen Unterschied zu konventionellen Baustoffen schnell bemerkt: «Meine frühere Wohnung hatte Plastiktapeten. Betrat ich ein Zimmer, musste ich immer zuerst die Fenster aufreissen und lüften.» Heute sagt sie überzeugt: «Man sollte Lehm viel häufiger als Baustoff anwenden.»

Dies überlegen sich auch die Verantwortlichen für den Neubau des Zürcher Stadtspitals Triemli. Zurzeit laufen Abklärungen, ob für die Decken der mehr als 350 Patientenzimmer Lehm verwendet werden soll. «Seine speziellen, klimaaktiven Eigenschaften lassen bei der geplanten Passiv-Bauweise eine Energie-Ersparnis bei der Raumkühlung erwarten», erläutert Lehmbau-Fachberater Ralph Künzler.

Zu guter Letzt: Vieles spricht für Lehm – er soll aber auch gefallen. «Man baut auch mit Lehm, weil man das Material mag, seine Struktur, die Beschaffenheit der Oberfläche, seine Farbe», betont Sami Weisser.

Eine gute Nachricht für geübte Heimwerker: «Wer einen Kalkputz aufziehen kann, zieht auch einen Lehmputz auf», so der Profi. Wer indes keine Bau- und Renovationserfahrung hat, wendet sich für Beratung und Anleitung am besten an erfahrene Fachleute.


Lehmputz Verarbeiten

  • Lehmputz eignet sich für alle Untergründe, die man auch konventionell verputzen kann.
  • Mischungsverhältnis für selbst gemachten Putz: 1 Teil Lehm (Bindemittel), 3 Teile Sand, 0,5 Teile kurz gehackte Strohfasern (Strohhäcksel) und Wasser. Im Baustoffhandel erhält man Lehmputz als Fertigmischung, die man mit Wasser anrührt. Ebenfalls erhältlich sind Lehmsteine und Bauplatten aus Lehm.
  • Stark saugende Untergründe gut vornässen: Lehmputz «zieht» schneller, das heisst: Er gibt das Wasser, das zum Mischen verwendet wurde, schneller an den Untergrund ab als herkömmlicher Putz.
  • Lehmputz wird entweder angeworfen, aufgezogen oder maschinell gespritzt. Er ist dank seiner Geschmeidigkeit angenehm zu verarbeiten.
  • Auftragsstärken: Unterputz trägt man zwischen 5 und 20 mm dick auf, Feinputz zwischen 2 und 5 mm. Feinputz möglichst spät im Bauprozess auftragen, farbigen Lehm-Wandputz erst nach Fertigstellung der Decken.
  • Nach dem Auftragen des Putzes für gute Dauerlüftung sorgen. Im Winter Raum oder Bau beheizen, um die frischen Lehmoberflächen zügig zu trocknen. Bei guten Bedingungen kann man die folgende Schicht am nächsten Tag auftragen.


Weitere Infos

  • www.iglehm.ch
    Verzeichnis von Lehmbau-Profis, Architekten und ökologischem Baustoffhandel

 

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