Trotz Skandal: Ex-Post-Chefin sahnt ab

K-Tipp 07/2019 vom | aktualisiert am

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Ein Mitglied des ­Bundesrats ­verdient rund 480 000 Franken pro Jahr. Ex-Post-Chefin Susanne Ruoff winkt 2018 mehr als das Doppelte – sofern ihr Bonus trotz des ­Postauto-Skandals vollumfänglich ­ausbezahlt wird.

Grossverdienerin: Ex-Post-Chefin Susanne Ruoff könnte über eine Million kassieren (Bild: KEYSTONE)

Grossverdienerin: Ex-Post-Chefin Susanne Ruoff könnte über eine Million kassieren (Bild: KEYSTONE)

Vor einem Jahr noch wählte der Bundesrat deutliche Worte: Er er­warte «eine Senkung der maximalen Vergütung der obersten Leitungsorgane», hielt er damals an die Adresse ­mehrerer Bundesbetriebe fest. Bei den Kaderlöhnen sei «eine grössere Zurückhaltung und Vorbildfunktion angezeigt».

5,4 Millionen Franken für fünf Kaderleute

Die Chefs verschiedener Betriebe, die ganz oder mehrheitlich dem Bund ­gehören, verdienen seit ­langem sehr üppig. Auch im vergangenen Jahr war das nicht anders, wie ein Blick auf die Löhne der Geschäftsführer von Swisscom, SBB, Post, Postfinance und Ruag zeigt. Die fünf Vorsitzenden kommen zu­sammen fürs Jahr 2018 auf eine Lohnsumme von gut 5,39 Millionen Franken. Das sind rund 63 000 Franken mehr als 2017 – und fast 700 000 Franken mehr als 2013 (siehe Tabelle im PDF).

Immerhin: Vier der fünf Chefs verdienten 2018 ­etwas weniger als im Vorjahr. Einzig bei Susanne Ruoff stieg der Lohn an, und zwar um rund 137 000 Franken auf gut 1,1 Millionen Franken. Zur Erinnerung: Die Konzernleiterin der Post wurde Mitte Juni ver­gangenen ­Jahres im Zuge des Post­auto-Subventionsbetrugs freigestellt.

Ruoff erhielt ihren Grundlohn bis zum Austritt aus der Post per Ende 2018. Er betrug 620 000 Franken – 10 000 Franken mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Ein Bundesrat verdient «nur» rund 480 000 Franken. Post-­Sprecherin Jacqueline Bühlmann sagt: «Den Entscheid zur Erhöhung des Grundlohns fällte der Verwaltungsrat der Post Ende 2017.» Ausserdem gabs für Ruoff gut 34 000 Franken an ­Spesenpauschalen und ­weiteren Nebenleistungen. Die restlichen rund 450 000 Franken entfallen auf den Bonus. Dieses Geld ist aber noch nicht ge­flossen. Bühlmann: «Die Post hält die Boni jener ­Personen, die im Zusammenhang mit der Postauto-­Affäre das Unternehmen verlassen haben, weiterhin zurück.» Über die Freigabe werde erst nach Abschluss der Untersuchungen entschieden.

Swisscom-Chef kassierte am meisten

Den höchsten Cheflohn gab es auch 2018 wieder bei der Swisscom. Der Telecomriese gehört zu 51 Prozent der Eidgenossenschaft. Er zahlte seinem Geschäftsführer Urs Schaeppi im ­vergangenen Jahr ein Gehalt von fast 1,7 Millionen Franken.

SBB-Chef Andreas Meyer musste sich mit rund 987 000 Franken begnügen. Das sind 20 000 Franken weniger als 2017. Zwar nahm Meyers Grundlohn um 64 000 Franken zu. Doch der Bonus sank um 24 000 Franken. Zudem wurden laut Sprecher Reto Schärli die jährlichen Einlagen der SBB ins Pensionskassen-Überobligatorium der Konzernleitungsmitglieder «in eine branchenübliche Kaderzusatzversicherung überführt». Bei Andreas Meyer waren das 60 000 Franken, die jetzt nicht mehr in der Lohnsumme auftauchen.

Von der vom Bundesrat geforderten «grösseren Zurückhaltung» kann nach wie vor keine Rede sein.

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