Tarife im Steigflug

K-Tipp 09/2012 vom

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Zürich–New York retour für 930 statt für 530 Franken: Wer Flüge auf Reiseportalen im Internet bucht, erlebt manchmal unerfreuliche Überraschungen.

Zu schön, um wahr zu sein: «Flüge in Europa ab 30 Franken», «Billig­flüge ab der Schweiz schon für 11 Franken». Mit solchen und ähnlichen Lockvogelangeboten auf der Homepage geht heute manches Internet-Reise­büro auf Kundenfang.

Der Versuch, zu den ausgeschriebenen Preisen zu buchen, endet nicht selten mit Verdruss. Denn die «Supertarife» sind keineswegs immer erhältlich. Das zeigt eine Stichprobe des K-Tipp bei den Reiseportalen Ebookers.ch, Travel.ch, Edreams.ch und Billig-Reise.ch.

Im Falle von Langstreckenflügen lagen der eingangs angepriesene Tarif und der effektiv buchbare Preis teils mehrere Hundert Franken auseinander (siehe Tabelle). Basel–Johannesburg retour etwa gabs bei Travel.ch für die angegebenen Daten mit der Airline KLM erst ab 1220 Franken statt wie ausgeschrieben ab 691 Fran­ken. Der Flug kostete in Tat und Wahrheit also über 75 Prozent mehr als auf der Homepage «versprochen».


Kurzstrecke: Am Ende fast doppelt so teuer

Aber auch Kurzstreckenflüge konnten sich im Laufe des Buchungsprozesses merklich verteuern – zum Beispiel von 56 auf knapp 107 Franken, wie das für Zürich–London retour bei Edreams.ch der Fall war.

Dabei dürften sich die Preise von der ersten Nennung bis zur Buchung nicht verändern. Das schreibt die Preisbekanntgabe-Verordnung des Bundes vor. Entsprechend unangenehm waren den ­Portalbetreibern Fragen zu diesem Thema. Geant­wortet haben sie trotzdem – mit Ausnahme von Edreams.ch. Travel.ch-Geschäftsführer Roland Zeller räumt ein, der K-Tipp habe «in der Tat einen wunden Punkt getroffen». Auch Ebookers.ch und Billig-Reise.ch wollen die Situation nicht beschönigen.

Energisch wehren sie sich aber gegen den Vorwurf, mit Lockvogel­angeboten zu operieren. Die Abweichungen zwischen ausgeschriebenen und buchbaren Flugpreisen hätten vielmehr systemtechnische Gründe. Die Portalbetreiber machen geltend, die Preise auf der Homepage stammten aus einem Zwischenspeicher, der nicht im Tempo der sich teils stündlich ändernden Flugtarife aktualisiert werden könne. Denn würde bei jedem Homepage-Besucher eine Aktualisierung ausgelöst, käme es zu unzähligen Echtzeit-Abfragen von x-tausend Tarifen. Und das könnten die Buchungs­maschinen der Airlines systemtechnisch nicht verkraften.

Immerhin: Ebookers-Marketingchef Matthias Thürer kündigt an, noch in diesem Jahr die Aktualität der abgebildeten Preise verbessern zu wollen. Travel.ch wiederum bemüht sich um Transparenz: Fährt man auf der Homepage mit dem Mauszeiger über einen Flugpreis, kann man in einem Kästchen u. a. nachlesen, wann genau Travel.ch ihn bei der betreffenden Airline gefunden hat.

Die einfachste Lösung im Bestreben, den Lock­vogelverdacht auszuräumen und der Preisbe­kannt­gabe-Verordnung zu genügen, hat inzwischen Billig-Reise.ch gefunden. Geschäftsführer Rico Daniel: «Wir haben die Preise von der Einstiegsseite komplett entfernt und werden in Zukunft darauf verzichten, solche zu publizieren.»

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