Mini-Gemüse frisch vom Balkon

Haus & Garten 02/2012 vom

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Viele Gemüse- und Blumensorten gedeihen nicht nur im Garten, sondern auch auf Balkon und Terrasse prächtig – sofern man ein paar Tipps und Tricks kennt. Haus & Garten zeigt, bei welchen Sorten es Miniatur-Varianten gibt.

Neidisch auf Nachbars Garten? Dazu gibt es keinen Grund. Auch in Balkonkistli und Töpfen wächst allerhand Frisches für Salatschüssel und Kochtopf. Wie im Garten braucht Gemüse auch in Töpfen und Kistli vor allem Luft, Licht, Wasser – und der Gärtner das nötige Know-how.


Standort

Idealerweise ist der Balkon gegen Süden, Südosten oder Südwesten ausgerichtet. Denn der richtige Standort trägt viel zu ­einer reichen Ernte bei. Gemüse wie Tomaten, Peperoni und ­Auberginen zum Beispiel benötigen für ein optimales Wachstum viel Wärme. Nicht vergessen: An ­heissen Sommertagen muss ­unbedingt reichlich gewässert werden.


Gefässe

Den Pflanzen ist es egal, ob sie in einem Gefäss aus Kunststoff, Eternit oder Ton wachsen. Wer winterharte Pflanzen kauft, sollte aber darauf achten, dass es das Gefäss ebenfalls ist. Was man zudem bedenken sollte – das Gewicht. Kunststoff­gefässe sind leicht zu transportieren, sehen teils Tontöpfen täuschend ähnlich. Alternative: Man stellt Ton- und Eternit­töpfe auf sogenannte Pflan­zen­roller oder Rolluntersetzer. Damit lassen sich auch schwere Pflanzkübel problemlos umplatzieren. Mittlerweile gibt es zudem Pflanzsäcke (Bild oben), die sehr einfach zu transportieren sind.

Im Übrigen sieht ein Balkongarten hübscher aus, wenn die Gefässe optisch zur Umgebung passen. Und in Sachen Grösse sollte man daran denken: Je grösser das Gefäss, desto mehr Erde geht rein und desto besser gedeihen die Pflanzen. Ebenfalls wichtig: Die Töpfe sollten Wasser­abzugslöcher haben, damit es nicht zu Stau­nässe kommt.


Erde

Für mehrjährige Pflanzen wählt man möglichst mineralische Erde: Sie sackt nicht zusammen und kann mehrere Jahre im Gefäss belassen werden. Im Handel nennt man sie Dachgarten- oder Kübelpflanzenerde. Für Kräuter und einjährige Pflanzen kann man Erde mit einem kleineren mineralischen Anteil verwenden. Aus ökologischen Gründen ist zudem torffreie Erde vorzuziehen.


Anpflanzen

Mehrjährige Pflanzen, etwa Oregano, können ausser bei Frost und grosser Hitze jederzeit gesetzt werden. Bei einjährigen, nicht winterharten Pflanzen, sollte man mindestens bis zur zweiten Aprilhälfte warten: In kalten Nächten besteht das Risiko, dass die zarten Gewächse erfrieren. Ob Saatgut oder Setzlinge – das kommt auf die Art, oft auch auf die Sorte an.

Zum Säen eignen sich unter anderem Busch- und Stangenbohnen ­sowie Schnittsalate. Auch Kräuter wie Dill und Kerbel gedeihen problemlos. Ansonsten kauft man besser Jungpflanzen bzw. Setzlinge. Grund: Sie sind meist robuster als selbstgezogene Pflänzchen – und ­machen auch weniger Arbeit, weil man sie sofort einpflanzen kann.


Sorten

Für Gemüse in Töpfen gilt: Speziell gut wachsen Auberginen, Bohnen, Gurken, Peperoni, Radieschen, Rüebli, Schnittsalat und Tomaten.

Es werden zudem laufend neue kleinwüchsige und für Töpfe geeignete Gemüsesorten entwickelt, die den ganzen Sommer über geerntet werden können (siehe Kasten Seite 47).


Pflege

Giessen, Düngen und Auspflücken verblühter Pflanzenteile – das muss sein. Wie oft und wie viel gegossen werden muss, hängt von Standort, Wetter und vom individuellen Wasserbedarf der Pflanze ab. Wenn die Erde heller ist als üblich und die oberste Schicht ausgetrocknet, muss gegossen werden – und zwar dosiert und vorsichtig, damit das Wasser langsam in die Erde sickert. Der beste Zeitpunkt fürs Giessen ist der Morgen, denn dann verdunstet das Giesswasser nicht so schnell.

Düngen ist wichtig für das Gedeihen vieler Gewächse. Ge­müse sollte man einmal wöchentlich beim Giessen mit Flüssigdünger versorgen. Fachleute empfehlen, eher ein bisschen weniger Dünger zu verwenden als auf der Packung angegeben. Mediterrane Kräuter brauchen extrem wenig Dünger, viele kommen auch ganz ohne aus. 

Tipps: Wie man richtig giesst: siehe Haus & Garten 2/2010; ­alles über automatische Bewässerungssysteme: siehe Haus & Garten 2/2009


Schädlinge

Spinnmilben bereiten sich gerne an windgeschützten, warmen Lagen aus. Das geschieht besonders häufig auf Pflanzen, die nicht ganz optimale Verhältnisse antreffen – Gurken sind oft Sorgenkinder. Bestes Mittel gegen Spinnmilben sind Raub­milben.

Manchmal sind an trockenen Lagen auch Läuse ein Problem. Besonders gerne befallen sie ­Salate und Bohnen, aber auch viele weitere Pflanzen. Läuse wird man los, indem man erst die Pflanze abwäscht und sie dann mit verdünntem Seifenwasser besprüht. Ein wirksames Mittel sind zudem Nützlinge wie Marienkäfer- und Florfliegen­larven, die man auf den befallenen Pflanzen aussetzt.


Peperoni & Co. im Kleinformat

Viele Gemüse sind speziell für Terrassen- und Balkonbepflanzungen gezüchtet worden. Die Miniatur-Sorten lassen sich im Topf und im Blumenkistli ziehen. Sie sollen besonders robust und resistent gegen Krank­heiten sein. Vom sogenannten Nasch- oder Balkon-Gemüse gibt es verschiedene Sorten. Sie lassen sich wie ihre grossen Schwestern verarbeiten. Hier eine Auswahl der problemlos erhältlichen Mini-Gemüse und Kräuter:

kleine Tomaten, verschiedene Peperoni, gelbe scharfe Chili, Mini-Auberginen und -Gurken. Diese und weitere Sorten sind in Gartencentern  und in Internet-Shops erhältlich.

Ebenfalls unproblematisch sind Kräuter wie Dill, Majoran, Peterli, Thymian, Rosmarin und Schnittlauch, die es überall als Jungpflanzen zu kaufen gibt. Einzig Basilikum ist sehr kälteempfindlich und sollte deshalb keinesfalls zu früh ins Freie ­gestellt werden.


Tipps

  • Kauftipp
    Eine Auswahl an Gemüsesorten und Kräutern für den Balkon findet man in jedem Garten­center sowie bei Landi.
  • Buchtipp
    Andrea Heistinger: «Handbuch Bio-Balkongarten, Gemüse, Obst und Kräuter auf kleiner Fläche ernten», Edition Loewenzahn 2012, Fr. 40.90
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