Krebsrisiko für Schüler

Gesundheitstipp 5/2006 vom

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Zwei Pavillons für Schüler und für Kindergärtler stehen direkt bei einer Hochspannungsleitung. Eine Messung zeigt: Auf dem Pausenplatz herrscht massiver Elektrosmog.

Unser Sohn Elias hat oft Kopfschmerzen», sagt Charles Tacheron. Manchmal muss der F?nftkl?ssler deswegen sogar Medikamente schlucken. In letzter Zeit seien die Kopfweh-Attacken zwar seltener geworden, sagt Elias. «Aber eine Zeit lang hatte ich jede Woche Kopfweh, immer am Freitag.» Elias wohnt mit seinen Eltern im Weiler Iberg, der zur Stadt Winterthur geh?rt. Seit f?nf Jahren geht er dort im Pavillon zur Schule. Dieser liegt schr?g unter einer Hochspannungsleitung: Nur 9 Meter betr?gt der Abstand von der Leitung zur Ecke des Pavillons. Der Pausenplatz liegt sogar fast senkrecht unter der Leitung.

Elias’ Eltern vermuten, dass die Hochspannungsleitung am Kopfweh ihres Sohnes schuld ist. «Denn am Wochenende und in den Ferien hat er eigentlich nie Kopfweh», sagt Charles Tacheron. Und Schulstress schliessen die Eltern als Ursache aus.


Leuk?mierisiko auch im Kindergarten

Der Gesundheitstipp wollte wissen, wie stark die Kinder im Winterthurer Schulhaus-Pavillon Iberg von Elektrosmog betroffen sind. Deshalb liess er vom Zuger Ingenieurb?ro Emvu die Strahlung messen.

W?hrend zweieinhalb Tagen zeichnete Baubiologin Caren Wolters die magnetischen Felder auf, und zwar an drei Orten. Alle drei waren mit Elektrosmog belastet. Auf dem Pausenplatz vor den Pavillons waren die Resultate alarmierend hoch: 0,48 Mikrotesla betrug der Mittelwert, der Spitzenwert gar 0,68 Mikrotesla (siehe Gra?k). Auf dem Pausenplatz sind die Kinder deshalb einer erh?hten Krebsgefahr ausgesetzt. Denn laut Bundesamt f?r Umwelt besteht ab einer Langzeitbelastung von 0,4 Mikrotesla der Verdacht auf ein doppelt so hohes Leuk?mierisiko bei Kindern.

Doch auch in den beiden Pavillons waren die Werte nicht unbedenklich. Im Klassenzimmer des einen Pavillons lag der Mittelwert bei 0,13 Mikrotesla. Im Kindergarten im anderen Pavillon, der noch n?her an der Leitung steht, wurden sogar 0,2 Mikrotesla gemessen. Mehrere Studien stellen bereits ab diesem Wert ein h?heres Leuk?mierisiko fest.

Im Juli 2005 berichtete der Gesundheitstipp ?ber das Dorf Jaun im Kanton Freiburg. Dort starben in den letzten 50 Jahren zehn Menschen an Leuk?mie, darunter sechs Kinder. Die Einwohner haben den Verdacht, die Hochspannungsleitung k?nnte f?r die Todesf?lle verantwortlich sein.


Elektrische Felder gemessen: «Ein extrem hoher Wert»

Stromleitungen erzeugen nicht nur magnetische Felder, sondern auch elektrische. Auch sie k?nnen gesundheitliche Folgen haben. Im Innern des Pavillons betrug das elektrische Feld zwar weniger als 10 Volt pro Meter (V/m). Grund: Hausw?nde sch?tzen vor elektrischen Feldern. Doch auf dem Pausenplatz wurden elektrische Felder zwischen 650 und 850 V/m gemessen. Baubiologin Wolters: «Dies ist ein extrem hoher Wert.» Zum Vergleich: Bereits bei 20 V/m lassen sich im K?rper Ver?nderungen feststellen. So sinkt die Konzentration des Schlafhormons Melatonin, die Signal?bertragung zwischen Zellen wird gest?rt - und es bilden sich freie Radikale, die zu Krebs f?hren k?nnen.

Ebenfalls bedenklich: In unmittelbarer N?he der Hochspannungsleitung sind der Fussball- und der Spielplatz. Deshalb macht sich auch Brigitte Kalberer Sorgen um ihre Kinder und sagt: «Ich sch?rfe meinen zwei Buben ein, sie sollen nicht auf dem Fussballplatz spielen.» Die Kinder seien w?hrend der Schulzeiten im Pavillon ?ber 20 Stunden pro Woche dem Elektrosmog ausgesetzt, das sei schlimm genug.


Schulbeh?rde vertraute NOK - jetzt will sie handeln

Verantwortlich f?r die Schule in Winterthur ist Stadtr?tin Pearl Pedergnana. Sie schreibt dem Gesundheitstipp, die Pavillons seien «so platziert worden, dass der Abstand von der Hochspannungsleitung zu den Klassenzimmern mindestens 13 Meter betr?gt».

Im Weiteren vertraut Pedergnana der Stromfirma NOK, welche die Leitung betreibt: «Laut deren Auskunft wurde diese Leitung saniert und sollte den gesetzlichen Grenzwert einhalten.» Dieser betr?gt bei Anlagen, die vor dem Jahr 2000 gebaut wurden, 100 Mikrotesla.

Bisher habe man keinen Grund gehabt, an der Aussage der NOK zu zweifeln, so Pedergnana. Aufgrund der Messresultate des Gesundheitstipp will die Stadt aber handeln: «Wir werden selber Nachmessungen in Auftrag geben und wenn n?tig weitere Massnahmen pr?fen.»



Elektrosmog-Belastung in der Schulanlage Iberg in Winterthur: Auf dem Pausenplatz betr?gt sie im Schnitt 0,48 Mikrotesla, im Schulzimmer (unten) 0,13 Mikrotesla

Messungen: Vom 11. April, 9.30 Uhr bis 13. April, 14 Uhr. Felder von Apparaten im Pavillon und Handy-Antennen wurden nicht mitgemessen. Werte ab 0,4 Mikrotesla (µT): Verdacht auf erh?htes Leuk?mierisiko bei Kindern.



Asthma
Atemnot, Enge-Gef?hl auf der Brust und Reizhusten: Asthma ist bei Kindern die h?ufigste chronische Krankheit. Aber auch
Erwachsene sind immer ?fter davon betroffen. Tipps und Informationen dazu gibt es auf folgenden Internet-Seiten.

Beratung
www.asthmainfo.ch
Kann man Asthma heilen? Braucht es bei einer Behandlung Kortison? Solche und andere Fragen beantwortet das Asthmainfo-Team. Es besteht aus ?rzten des Z?rcher Unispitals, des Kinderspitals und der Lungenpraxis Rietberg. Die Internetseite bietet Infos, kl?rt ?ber Medikamente auf und verweist auf Links.

Wissen
www.dr-walser.ch/asthma.htm
Wussten Sie, dass einer von f?nf Asthmatikern auf Aspirin allergisch ist? Diese und weitere ?berraschende Infos finden sich auf der Site von Thomas Walser, Hausarzt und ?rztlicher Berater des Gesundheitstipp. Walser liefert umfassende Infos zu Diagnose und Therapie und beschreibt Atem?bungen.

Kinder
www.kinderlunge.ch
Hier gibt es eine Liste mit Adressen von Lungenspezialisten f?r Kinder. Die Schweizerische Gesellschaft f?r P?diatrische Pneumologie (SGPP) betreibt diese Seite. Deren ?rzte befassen sich mit Atemwegserkrankungen und Lungenkrankheiten bei Kindern. N?tzlich: Tipps f?r den Alltag mit asthmakranken Kindern.

Pollen
www.bulletin.ch/pollen_dt.html
Bl?ten und Gr?ser k?nnen Ausl?ser einer Asthma-Attacke sein. Der Pollenflugkalender warnt vor m?glichen Gefahren. Das Bulletin ist t?glich aktuell. Via Mail oder SMS kann man sich einen w?chentlichen Bericht schicken lassen. Meteo Schweiz und eine grosse Pharmafirma sind Sponsoren dieser Seite.
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