Giftiges Uran im Mineralwasser

Gesundheitstipp 6/2006 vom

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Uran ist hochgiftig und kann Lunge, Leber und Nieren schädigen. Bei vielen Mineralwässern ist die Konzentration bedenklich hoch. Ein Hersteller zeigt sich «schockiert», die meisten sehen keinen Handlungsbedarf.

Wasser trinken fördert das Wohlbe?nden und die Gesundheit», heisst es vollmundig auf der Internetseite des «Zürcher Mineral». Das trendige Wasser, das vor allem in Szenelokalen erhältlich ist, hat laut Eigenwerbung «ausgezeichnete Mineralienwerte».

Was die Werbung nicht sagt: Zürcher Mineral enthält ausserordentlich viel Uran: Fast 16 Mikrogramm pro Liter. Dies ergab eine Messung im Rahmen einer Gesundheitstipp-Stichprobe.

Einer der besten Uran-Kenner ist der Deutsche Ewald Schnug. Als Professor für Pflanzenernährung und Bodenkunde in Braunschweig untersucht er laufend Mineralwasser aus der ganzen Welt auf Uran. Der Gesundheitstipp legte Schnug die Resultate der Stichprobe vor. Zum Zürcher Mineral meint der Fachmann: «15,9 Mikrogramm sind ein extrem hoher Wert. Das würde ich nicht trinken.»

Uran ist ein giftiges Schwermetall, vergleichbar mit Blei oder Cadmium. Der Ursprung des Urans ist zwar natürlich. Besonders Granit enthält viel davon. Fliesst das Mineralwasser durch das Gestein, löst es Uran heraus. Im Körper sammelt sich das Uran an und kann zu Schäden führen. Zudem ist es radioaktiv.


«Grenzwerte berücksichtigen Interessen der Industrie»

Bisher habe sich die Uran-Forschung fast nur auf die Radioaktivität konzentriert, so Schnug: «Doch Uran ist hochgiftig. Dies wurde bisher zu wenig beachtet. Es kann Nieren, Lunge, Leber und Knochenmark schädigen.»

Auch die meisten anderen Mineralwässer enthalten Uran, zum Teil in bedenklichen Mengen: Perrier, San Pellegrino und die Migros-Marken Aproz, Aquella und M-Budget enthielten rund 7 Mikrogramm Uran pro Liter (siehe Tabelle). Zum Vergleich: Mit der festen Nahrung nimmt der Mensch pro Tag zwischen 2 und 4 Mikrogramm Uran auf. Trinkt also jemand zwei Liter Aproz pro Tag, so nimmt er zusätzlich das vier- bis siebenfache dieser Menge auf. «Über längere Zeit ist dies bedenklich», so Ewald Schnug. «Zumal es ja genügend Mineralwässer mit wenig oder nicht nachweisbarem Uran gibt.»

Wasser mit weniger als 2 Mikrogramm Uran könne man «gerade noch akzeptieren», sagt Schnug. So nehme man noch einmal so viel Uran zu sich wie mit der Nahrung.

2 Mikrogramm pro Liter - das war bis vor zwei Jahren auch der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dann erhöhte sie ihn auf 15 Mikrogramm pro Liter - ein Schritt, der bis heute umstritten ist. Laut dem Schweizer Verband der Mineralquellen führten «unübersehbare Einwendungen seitens der Wissenschaft» zur Anpassung. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass sich der höhere Richtwert keineswegs auf neue wissenschaftliche Daten stützt, sondern nur auf eine andere Berechnung.

Das Resultat: Mit einem Schlag erfüllen über 95 Prozent aller Mineralwässer weltweit den Richtwert. Ewald Schnug: «Grenzwerte berücksichtigen nicht nur die Interessen der Konsumenten, sondern auch jene der Industrie.»


«Ein einziges Uran-Atom kann Krebs erzeugen»

Die Schweiz kennt keinen Grenzwert für Uran im Mineralwasser. In Deutschland gilt dagegen eine of?zielle Empfehlung von höchstens 2 Mikrogramm pro Liter - zumindest für alle Wässer mit der Bezeichnung «für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet». In der Schweiz ist diese Bezeichnung nicht üblich.

Doch eigentlich, so die Meinung von Experte Schnug, sei bei einem radioaktiven Stoff wie Uran ein Grenzwert ohnehin sinnlos: Er erwecke den falschen Eindruck, dass Mengen, die darunter liegen, unbedenklich seien. «Dabei kann im Extremfall», so Schnug, «schon ein einziges Uran-Atom, das zerfällt, zu Krebs führen.»

So gesehen seien nur Wässer, in denen kein Uran nachweisbar sei, tatsächlich unbedenklich. In der Gesundheitstipp-Stichprobe waren dies Eptinger und Hildon. Das Problem: Der Konsument weiss nicht, welches Mineralwasser wie viel Uran enthält. Deshalb fordert Schnug eine Deklarationspflicht für Uran.

Doch beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht man «gegenwärtig keinen Handlungsbedarf», wie Vincent Dudler von der Abteilung Lebensmittelwissenschaft sagt. Man wisse noch zu wenig über die Giftigkeit von Uran in diesen Konzentrationen. Und wenn schon, müsse man andere giftige Elemente auch deklarieren, etwa Selen oder Arsen.

Cello Rohr, Inhaber der Zürcher Mineral GmbH, reagiert «schockiert» auf das Ergebnis der Stichprobe. Er sei bisher davon ausgegangen, dass das Zürcher Mineral einwandfrei sei. Auf Uran getestet wurde es aber seines Wissens noch nie.

Es sei nie seine Absicht gewesen, ein belastetes Mineralwasser abzufüllen, beteuert Rohr. Er wolle deshalb prüfen, ob sich das Uran aus dem Wasser heraus?ltern lasse.

Die anderen Hersteller sehen dagegen keinen Handlungsbedarf. Die Migros etwa schreibt, die Werte ihrer Wässer lägen unter der WHO-Empfehlung: Es sei daher «aus Sicht der WHO wissenschaftlich nicht haltbar, Werte unter 15 Mikrogramm als gesundheitlich bedenklich zu bezeichnen».
Auch Coop bezeichnet seine Mineralwässer als «unbedenklich». Sprecher Jörg Birnstiel schreibt zudem, ihm sei keine zugelassene Methode bekannt, um Uran aus Mineralwasser zu entfernen: «Unseres Wissens ist in Europa kein entsprechendes Verfahren erlaubt.»

Da hat der Coop-Sprecher offenbar eine Wissenslücke. Das Schweizer Gesetz erlaubt es durchaus, «unerwünschte Bestandteile» aus dem Wasser zu ?ltern. Laut Vincent Dudler vom BAG werden in anderen europäischen Ländern solche Verfahren bereits eingesetzt: «Badoit enthielt früher etwa 100 Mikrogramm Uran pro Liter. Heute wird ein grosser Teil davon entfernt.»

Perfekt ist die Methode allerdings noch nicht: Laut der Gesundheitstipp-Stichprobe enthält Badoit immer noch 4,3 Mikrogramm Uran.
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Kommentare

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von Nendaz am
11.02.2013, 19:22

Staatlich authorisierte Verseuchung....

identisch zu den laschen Kontrollmechanismen bei den CH-AKW's. In Sachen belastetes Mineralwasser zeigt es sich wieder einmal, wie unseriöse Seilschaften zwischen VR aus der Politik und den Mineralwasserproduzenten geschäften. Bei allfälligen Schaden gehen die Unternehmen schadlos aus der Sache. Welcher, nachweisbar geschädigte Mineralwassertrinker, kann es sich schon leisten, gegen multinationale Konzerne vorzugehen? Eine bewiesene Mitschuld der Unternehmer wird in den wenigsten Fällen möglich sein. Somit schalten und walten sie mit dem Segen der bezahlten Politikern weiterhin mit unserer Gesundheit. Wie wäre es mal mit einem Boykott-Aufruf ?

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