Sprachaufenthalt: Direkt bei der Schule buchen kommt oft am günstigsten

saldo 04/2010 vom

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Das Angebot an Sprachreisen wird immer grösser und undurchsichtiger. saldo zeigt, wie man eine gute Sprachschule erkennt und beim Buchen Geld sparen kann.

Rund 40‘000 Schweizer absolvieren jedes Jahr einen Sprachaufenthalt im Ausland, schätzt der Schweizerische Verband der Sprachreise-Veranstalter (Salta). Gemäss der neusten Salta-Mitgliederbefragung buchten mehr als 60 Prozent der Sprachreisenden im letzten Jahr einen Aufenthalt, um Englisch zu lernen. Auf den weiteren Plätzen folgen Spanisch, Französisch und Italienisch.

Die Auswahl an Sprachschulen ist riesig. In der Online-Datenbank Language-learning.net waren 2003 6500 Institute in 90 Ländern verzeichnet. Heute sind es über 10‘000 in 115 Ländern. Umso schwieriger ist es, die richtige Agentur und die richtige Schule zu finden.

Preisvergleiche brauchen Zeit, lohnen sich aber. Eine saldo-Stichprobe zeigt: Ersparnisse von mehreren hundert Franken sind möglich. Wichtig: In die Vergleiche immer die Direktbuchung bei der gewünschten Sprachschule einbeziehen. Einige Vermittler wie Linguista verlangen Auftragspauschalen zwischen 60 und 80 Franken. Das Geld kann man sich sparen, wenn man Kurs und Unterkunft direkt bei der Schule bucht.


Englischkurs: Preise zwischen 2873 und 3247 Franken

saldo untersuchte den Markt anhand von vier Sprachreisen, ohne Flug und Transfer. Insgesamt wurden 56 Offerten von 14 spezialisierten Agenturen angefordert. Trotz der vielen Anfragen resultierten längst nicht so viele verschiedene Angebote, denn einige Veranstalter arbeiten nur mit wenigen, ausgesuchten Schulen zusammen.

  • Englisch in London: saldo liess sich vier Wochen Intensiv-Englischkurs (30 Lektionen wöchentlich) im September bei der Schule EC in London, inklusive Aufenthalt im Einzelzimmer mit Halbpension bei einer Gastfamilie und Einschreibegebühren von verschiedenen Anbietern offerieren. Resultat: Den günstigsten Preis erhält man direkt bei der Schule mit 2873 Franken. Die Agentur ESL Sprachaufenthalte berechnete denselben Preis. Linguista, die Sprachreisezentrale und das Informationscenter für Sprachausbildung verlangten mehr, nämlich 2933 respektive je 3247 Franken. Der deutsche Anbieter Direkt Sprachreisen lag mit 3090 Franken dazwischen.
  • Französisch in Paris: saldo liess sich vier Wochen Französisch-Intensivkurs (29 Lektionen) im September in Paris bei der Schule Accord mit Aufenthalt bei einer Gastfamilie im Einzelzimmer, Halbpension und Einschreibegebühren offerieren. Resultat: Am günstigsten ist ESL Sprachaufenthalte mit 3670 Franken. Die deutsche Agentur Carpe Diem verlangte mit 4056 Franken am meisten. Die Schule selbst berechnete 3789 Franken. Denselben Preis offerierte das Informationscenter für Sprachausbildung.
  • Englisch in Sidney: Vier Wochen Intensiv-Sprachaufenthalt (28 Lektionen) bei der Schule Embassy CES in Sidney offerierte die Schule selbst für 3005 Franken, ebenso das Informationscenter für Sprachausbildung. Direkt Sprachreisen berechnete 3123 Franken. Linguista, ESL und Sprachreisezentrale waren mit rund 3230 Franken alle etwa gleich teuer. Inklusive waren auch hier die Unterkunft im Einzelzimmer mit Halbpension bei einer Gastfamilie.
  • Spanisch in Barcelona: Den vierwöchigen Intensivkurs (30 Lektionen) bei der Enforex in Barcelona inklusive Unterkunft mit Halbpension bei einer Gastfamilie hatten die wenigsten Agenturen im Angebot. Direkt Sprachreisen und ESL offerierten mit 2760 Franken denselben Preis wie die Schule selbst. Die Agentur Dr. Steinfels war mit 2940 Franken teurer.


Einige Agenturen verwenden in den Offerten provisorische Wechselkurse, die mit der Realität oft wenig zu tun haben. Linguista und die Sprachreisezentrale etwa rechneten das britische Pfund mit dem Faktor 1,75 in Franken um. Am Stichtag 19. Februar lag der Kurs aber bei 1,70. Den korrekten Preis erfährt der Kunde erst bei Rechnungsstellung. saldo hat deshalb alle Preise mit demselben Tageskurs umgerechnet, damit die Offerten vergleichbar sind:  1 Britisches Pfund = Fr. 1.70; 1 Euro = Fr. 1.48; 1 Australischer Dollar = Fr. –.97.

Die wichtigsten Kriterien bei Sprachreisen

  • Fordern Sie die Offerten von Sprachreiseanbietern immer in der Landeswährung an. So können die Preise einfacher verglichen werden. Achten Sie darauf, dass nicht nur ein Gesamtpreis genannt wird. Detaillierte Offerten weisen Positionen für Kurs, Unterkunft, Gebühren und Lehrmittel und eventuell Flughafentransfer aus.
  • Viele spezialisierte Agenturen verfügen zwar über einen Internetauftritt, geben aber nur wenig Informationen über die Schulen an, mit denen sie zusammenarbeiten. Berücksichtigen Sie nur Veranstalter, welche die Namen der Schulen im Internet oder im Katalog offenlegen. Globostudy, IST Sprachreisen oder Dr. Steinfels etwa glänzen im Internet mit Intransparenz.
  • Vertrauen Sie nicht einem Verbandslabel. In der Schweiz gibt es zwei Verbände: Salta und Lilas. Beide verfügen über 13 beziehungsweise 7 Mitglieder. Das Bundesamt für Migration zählt auf seiner Liste der Sprachreise-Veranstalter aber über 50 Schweizer Agenturen. Diese Liste und andere Informationen zum Thema Sprachaufenthalt findet man hier. Die Sprachreisezentrale zum Beispiel ist in keinem Verband vertreten, konnte aber für die meisten von saldo angefragten Schulen detailliert offerieren.
  • Eine einfache Datenbank mit Informationen über die Schulen: Für jede Schule erhält man Kontaktdaten inklusive Telefonnummern und wenn verfügbar einen Link zur Homepage. Einen Ratgeber rund ums Thema Sprachreisen plus eine Übersicht über die verschiedenen Sprachzertifikate und deren Nutzen bietet die Plattform www.sprachreise-ratgeber.de. Informative Artikel zum Thema Sprachreisen und eine Datenbank mit deutschen Agenturen findet man unter hier.
  • Erkundigen Sie sich telefonisch oder im Internet bei der Schule direkt oder bei der Agentur Ihrer Wahl nach der Anzahl angebotener Sprachniveaus einer Schule und dem Einstufungsprozess. Nur wer einen Kurs besucht, der seinem Sprachkönnen angepasst ist, profitiert viel.
  • Suchen Sie eine Schule, die kleine Lerngruppen führt, zirka 10 bis 12 Personen. Grundsätzlich gilt: Je weniger Lernende pro Kurs, desto höher die Chance auf individuelle Betreuung.
  • Fragen Sie nach dem Nationenmix in den Klassen. Es bringt wenig, wenn Sie nur mit Schweizern in einer Klasse sitzen und sich in der Pause auf Schweizerdeutsch verständigen.

 

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