Nur Delizio kann mit Nespresso mithalten

saldo 17/2013 vom | aktualisiert am

von

Drei von zehn Kapsel-Kaffeemaschinen erhielten im saldo-Test die Bestnote. Einige Modelle haben Schwächen: Mal ist das Entkalken kompliziert, mal der Stromverbrauch hoch.

Kapselkaffee ist praktisch und bei Kaffeetrinkern sehr beliebt. Pionier war Nespresso. Aufgrund der grossen Nachfrage sprangen verschiedene Hersteller auf den Zug auf und verkaufen eigene Kapselsysteme. Beim Marktführer Nespresso gibt es mittlerweile sechs verschiedene Maschinen von drei Marken. 

saldo wollte wissen, wie einfach sich die Geräte bedienen lassen, wie lange es dauert, bis ein Kaffee gebrüht ist und wie viel Energie die Maschinen verbrauchen. Zusätzlich haben die Experten des Prüfinstitutes die Schadstoffe Blei und Nickel in den gebrühten Espressi gemessen. Zu diesem Zweck wurde Kaffee mit den jeweiligen Original-Standard-Espressokapseln und dem gleichen Wasser zubereitet (siehe Kasten «So wurde getestet»). 

Resultat: Die besten drei Kapselmaschinen erreichten mit der Gesamtnote 5,5 ein «sehr gut». Darunter sind zwei Modelle von Nespresso und eines von Delizio. Die Note «gut» erhielten die Geräte von Starbucks, Amici, Chicco d’Oro, Krups, Tassimo und Tchibo. 

Die Preise der Maschinen und Kapseln sind recht unterschiedlich. Die gerade noch gute Cafissimo Compact von Tchibo kostet nur 89 Franken. Für das Designermodell Trizzy von Amici mit einer nur leicht höheren Gesamtnote müssen die Kunden fast drei Mal so viel Geld ausgeben. Die Testsieger von Nespresso und Delizio liegen preislich mit 129 bis 169 Franken im Mittelfeld.

Das günstigste getestete Gerät war die Varia von Martello. Das Gerät kostet bei Aldi günstige Fr. 59.90, erreichte jedoch nur ein «genügend». Die Martello-Espressokapseln kosten nur gerade 30 Rappen. Eine Amici-Kapsel ist mit 59 Rappen fast doppelt so teuer. Die Preise der andern Hersteller  haben sich  zwischen 40 und 50 Rappen eingependelt. 

Nespresso von König braucht am wenigsten Strom

Die drei besten Maschinen im Test sind alle schnell, sparsam und leicht zu bedienen. Sie unterscheiden sich aber im Detail: Die Nespresso-Maschine König Capri Automatik braucht am wenigsten Strom: lediglich 12 Wattstunden (Wh) für die Zubereitung von zwei Espressi. Die Maschine schaltet schon nach 9 Minuten in den Stromsparmodus, bei dem der Energieverbrauch fast null ist. Zum Vergleich: Das Modell Varia von Martello verbraucht 30 Wh für zwei Espressi und schaltet gar nicht in den Stromsparmodus. In Intervallen wird weitergeheizt. Das entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Praktisch am Gerät Turmix Nespresso Pixie: Es lässt sich am einfachsten entkalken und reinigen.
Am schnellsten arbeitet die Delizio Una Automatic aus der Migros. Zwei Espressi schafft sie nach dem Aufheizen hintereinander in nur 59 Sekunden. Zum Vergleich: Das Tassimo-Gerät brauchte mit 135 Sekunden für zwei Espressi mehr als doppelt so lange. Die goldene Regel von Profi-Barista und Schweizermeister Shem Leupin lautet: Ein perfekter Espresso sollte in 25 Sekunden durchlaufen. 

Entkalken: Dauerte bei Tchibo und Chicco d’Oro lange 47 Minuten 

Sämtliche anderen Kaffeemaschinen zeigten in einzelnen Prüfpunkten deutliche Schwächen. Die Geräte von Amici, Tchibo, Chicco d’Oro und Martello waren deutlich umständlicher und langwieriger zu entkalken als die anderen Maschinen. Im Labor benötigten die Experten bei einer Turmix Pixie nur 10 Minuten für ­einen vollständigen Entkalkungsdurchlauf. Bei den Maschinen von Tchibo und Chicco d’Oro, dauerte es je 47 Minuten.

Die gute Nachricht: Ernsthafte Probleme mit Schadstoffen konnte saldo nicht feststellen. Das Labor testete den Blei- und Nickelgehalt im fertigen Espresso. Diese Schwermetalle könnten aus den Innereien der Maschinen, aus dem verwendeten Wasser oder aus dem Kaffeepulver in den Kapseln stammen. In das Pulver gelangen schädliche Stoffe unter anderem aus den Mahlwerken der Kaffeehersteller oder aus verseuchten Böden. 

Trotz der vielen möglichen Quellen fand das Labor aber in sechs Espressi überhaupt kein Blei und in den restlichen nur minimste Spuren weit unter den geltenden Grenzwerten. 

Nickel: Leicht erhöhte Werte bei zwei Geräten

Dasselbe bei der Nickelbelastung: In acht Espressi fand man geringe Gehalte von 15 bis 30 Mikrogramm pro Liter. Um die 70 Mikrogramm Nickel pro Liter hat das Labor nur in den Espressi von Delizio und Chicco d’Oro gemessen. Für die meisten Kaffeetrinker stellen solche Werte keinerlei Probleme dar. Für diejenigen Personen, die auf Nickel allergisch reagieren, könnte der erhöhte Nickelgehalt in Kaffee trotzdem heikel sein. Da­rum schnitten Delizio und Chicco d’Oro bezüglich der Schadstoffe nur mit «genügend» ab. Nickel steckt übrigens auch in anderen Nahrungsmitteln wie zum Beispiel Nüssen. Umso mehr sollte der Gehalt im Kaffee tief sein.  

Die meisten Hersteller nahmen zu den Test­ergeb­nissen nicht Stellung. Die Migros kann den erhöhten Nickelgehalt nicht nachvollziehen. Eigene Laboruntersuchungen hätten tiefere Werte ergeben. Wie Prüfunterlagen der Migros zeigen, stammen diese Ergebnisse allerdings aus dem letzten  Jahr. 

Schadstoffbelastung: Viel geringer als beim letzten saldo-Test

Vor fünf Jahren sah die Lage noch deutlich schlechter aus. Damals hatte saldo in einem Labortest die Schadstoffe im klaren Brühwasser gemessen und hohe Blei- und Nickelwerte gefunden (saldo 19/08): Die Amici C7 rosso gab 100 Mikrogramm Blei pro Liter Brühwasser ab. Und bei der Delizio Compact Automatic Mirror waren es 400 Mikrogramm Nickel pro Liter.

Tipp: Schadstoffe aus der Kaffeemaschine lassen sich einfach minimieren, indem man jeden Tag das Wasser frisch auffüllt, vor dem ersten Espresso eine Tasse ohne Kapsel durchlaufen lässt und das Wasser wegschüttet. Nach dem Entkalken sollte man die Maschine ebenfalls gründlich durchspülen und die ersten Tassen Wasser wegschütten.

Nespresso mit weiteren Modellen spitze

Die deutsche Stiftung Warentest hat kürzlich ebenfalls Kapsel-Kaffeemaschinen getestet (Ausgabe 10/2013). Das Testfeld umfasste acht verschiedene Modelle. Nebst der Handhabung und dem Stromverbrauch spielte im Gegensatz 
zum saldo-Test auch die Kaffeequalität eine Rolle. Acht geschulte Kaffee­tester bewerteten blind Crema, Geruch, Ge­schmack und Nachgeschmack. 

Insgesamt am besten schnitten die Nespresso Pixie von De’Longhi und die Nespresso Citiz von Krups ab. Beide Modelle erhielten das Gesamt­urteil «gut». Diese Ma­schinen wurden mit den Nespresso-Livanto-Kapseln geprüft. Ebenfalls «gut», wenn auch mit einer etwas tieferen Gesamtnote, waren das Tassimo-Modell Bosch T43 Joy und die Nescafé-Maschine Krups Melody 3. Verwendet wurden bei diesen Maschinen folgende Kapseln: Jacobs Krönung Espresso respektive Nescafé Dolce Gusto Espresso. 

In der Schweiz erhält­lich sind drei der vier Modelle: Die De’Longhi Pixie 125 kann man bei Galaxus.ch für 157 Franken bestellen. Die Bosch T43 sowie die Krups Melody 3 gibt es zum Beispiel bei Coop für 149 Franken beziehungsweise 199 Franken. 

So wurde getestet


Im Auftrag von saldo hat das Stuttgarter Prüfinstitut Ipi zehn Kapselmaschinen getestet. Die Handhabung wurde von fünf Personen geprüft.
◼ Praktische Tests: Wie einfach lassen sich die Maschinen in Betrieb nehmen, reinigen und entkalken? Funktioniert das Einfüllen und Auswerfen der Kapseln reibungslos? Lassen sich die Kaffeemengen einfach programmieren? Tropfen die Maschinen nach?
◼ Messungen: Wie lange dauert es, bis ein Gerät aufgeheizt ist? Wie schnell werden eine und zwei Portionen Espresso gebrüht? Wie lange dauert ein Entkalkungsvorgang? Wie hoch ist der Energiebedarf für die erste Tasse inklusive Aufheizen sowie für die zweite Tasse Espresso? Wie schnell schalten die Geräte in den Stromsparmodus? Wie viel Strom fressen sie dann? Wie viel Blei und Nickel steckt in den Espressi? Für die Schadstoffmessung kamen jeweils die Originalkapseln der Hersteller zum Einsatz. 

Weitere Infos

0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Kapsel-Kaffeemaschinen: Für 59 Franken gibts eine sehr gute Maschine

Leser Fragen – K-Tipp antwortet

Leser Fragen – K-Tipp antwortet