Neue Benzinmotoren sind Dreckschleudern

K-Tipp 02/2014 vom

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Autos mit Benzin-Direkteinspritzung stossen mehr Russ aus als moderne Dieselmodelle. Dies zeigen zwei neue Untersuchungen. Der Autobranche ist das egal: Sie sperrt sich gegen Partikelfilter.

Ein Benzin-Automotor der jüngsten Genera­tion beruht auf dem Direkteinspritzen des Treibstoffs. Dadurch verbraucht das Auto weniger Benzin und stösst weniger CO2 aus. Die Leistung bleibt trotzdem gleich. Soweit die gute Meldung.

Die schlechte: Die Technik des Direkteinspritzens hat einen grossen Nachteil – die Motoren pro­duzieren mehr Russ. Dabei handelt es sich um Kleinstpartikel, die tief in die Lunge gelangen. Dort können sie Reizhusten, Asthma und im schlimmsten Fall Krebs auslösen. 

1000-mal mehr Russpartikel

Aus diesem Grund sind Diesel-Autos mit Direkteinspritzermotoren heute wegen verschärfter Umweltnormen ausnahmslos mit Partikelfiltern ausgestattet. Für Benziner mit Direkteinspritzung gelten die Vorschriften jedoch nicht. Folge: Die Autos verkehren ohne spezielle Filter. Dabei stossen sie grosse Mengen der gefährlichen Partikel aus. Das zeigen zwei aktuelle ­Messungen: 

  • Laut dem deutschen Prüfinstitut TüV Nord produzieren Benzin-Direkteinspritzer etwa 1000-mal mehr Russpartikel als normale Benzinmotoren. 
  • Die Fachhochschule Bern hat im Auftrag der deutschen Umwelthilfe erstmals zwei Benziner mit Direkteinspritzung im realen Betrieb getestet. Auch hier lautet das Fazit: Un­gefilterte Direkteinspritzer-Motoren sind um ein Vielfaches schmutziger als ­gefilterte Dieselmotoren. Und zwar um den Faktor 10 bis 50, sagt  Axel Friedrich, internationaler Verkehrsexperte und früherer Leiter der Abteilung Verkehr beim deutschen ­Umweltbundesamt.

Aufgrund der zwei Untersuchungsresultate fordern die Experten auch für Benzinmotoren mit Di­rekt­einspritzung einen Partikelfilter. Laut Friedrich reduziert dies den Ausstoss von Russpartikeln um 90 bis 99 Prozent. Das ist in etwa gleich viel wie ein ­Filter beim Dieselauto.

Andreas Burgener von der Vereinigung der Automobil-Importeure sieht keinen Grund zur Eile. Das Partikelproblem sei mit der Euro-6-Norm erledigt. Es sollen keine Technikvorschriften gemacht werden: «Es ist Sache der Hersteller, mit welchen Technologien sie die Grenzwerte erfüllen.» 

Verkehrsexperte Friedrich versteht diese Verzögerungstaktik nicht. «Filter kosten in Serie produziert weniger als 50 Euro pro Stück – also nur gerade rund 65 Franken pro Auto.»

Amtl. bewilligte Luftverpestung

Seit Januar 2013 gilt in der Schweiz und in der EU für Dieselautos ein Grenzwert für die Par­ti­kel­anzahl. Benziner mit Direkteinspritzung müssen ihn erst ab 2017 einhalten. In diesen drei Jahren dürfen sie damit zehnmal mehr Partikel ausstossen als Diesel­fahrzeuge.

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