Intrum Justitia spielt ein unfaires Spiel

K-Tipp 5/2002 vom

Inkassofirma schüchtert Schuldner mit falschen Behauptungen ein

In ihren Zahlungsaufforderungen droht die Intrum Schuldnern ohne jeden Grund mit einer Strafanzeige. Das geht jetzt sogar dem Verband der Inkasso-Firmen deutlich zu weit.

Ernst Meierhofer emeierhofer@ktipp.ch

Nur mit Fairness funktionierts»: Mit diesen Worten wirbt die Inkassofirma Intrum Justitia im Internet für ihre Dienste. Mit dem Spruch «Fair play - fair pay» fordert sie säumige Zahler auf, ihre Schulden zu begleichen.

Wenn sie aber Zahlungsaufforderungen verschickt, spielt die Intrum selber unfair. Sie droht in ihren Standardbriefen mit dem Satz: «Ein Verlustschein kann Strafanzeige wegen Betreibungsvergehen nach sich ziehen» - wobei das Wort «Strafanzeige» in fetter Druckschrift hervorgehoben ist.

«Das stimmt so nicht», sagte der Zürcher Rechtsprofessor Karl Spühler im letzten Mai im Kassensturz zu diesem Satz. «Diese Bestimmung hat mich betroffen gemacht.»

In der Tat: Wer einen Verlustschein erhält, macht sich deswegen keineswegs strafbar. Ein Gesetzesverstoss liegt erst vor, wenn ein Schuldner im Rahmen eines Betreibungs- oder Konkursverfahrens beispielsweise Vermögenswerte beiseite schafft.

Das bestätigt auch Hans Rudolf Thoma vom Verband Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute (VSI), dem auch die Branchenführerin Intrum Justitia angehört.

Mehr noch: Auf Anfrage des K-Tipp hat der VSI offiziell festgehalten, dass die unhaltbare Formulierung gegen die Standesregeln des Verbandes verstösst. Diese verbieten Massnahmen, «welche der Einschüchterung des Schuldners dienen».

Und: «Der Vorstand des VSI wurde bei seinem Mitglied diesbezüglich vorstellig und hat diese Formulierung abgemahnt.»

Die Intrum wird die Einwände des eigenen Verbandes vermutlich nicht ernst nehmen. Das ergibt sich aus der Stellungnahme, die Verwaltungsratspräsident Thomas Waeber dem K-Tipp zukommen liess. Von einer Änderung oder gar einer Streichung des kritisierten Satzes ist dort nichts zu lesen. Vielmehr sei der beanstandete Satz «inhaltlich richtig und rechtlich korrekt» und stelle keine Einschüchterung dar. Für die Öffentlichkeit ist damit klar: Mit «Fair play - fair pay» meint die Intrum nur die anderen, sich selber jedoch nicht.



Zahlen Sie nur, was berechtigt ist

Manche Geschäfte geben nicht bezahlte Rechnungen an ein Inkassobüro weiter. Solche Firmen treiben dann die Forderung beim Schuldner ein - oft mit hemdsärmeligen Methoden. Beachten Sie folgende Punkte:

- Drohungen: Inkassobüros drohen oft mit «Rechtsschritten», falls Sie nicht bezahlen. Lassen Sie sich nicht einschüchtern, wenn die Forderung nicht berechtigt ist.

- Zweifelsfälle: Berechtigte Forderungen müssen Sie im Umfang des ursprünglich offenen Betrages begleichen. Verlangen Sie im Zweifelsfall eine Kopie der Bestellung. Das Inkassobüro muss Ihre Bestellung beweisen können. In dieser Zeit läuft aber der Zins weiter, falls die Forderung berechtigt ist.

- Verzugszinsen: Bezahlen müssen Sie auch Verzugszinsen. In der Regel 5 Prozent ab dem Zeitpunkt der ersten Mahnung.

- Mahnspesen: Bezahlen Sie Mahnspesen nur, wenn sie zu Beginn des Vertragsverhältnisses abgemacht wurden.

- Umtriebsentschädigungen: Umtriebspauschalen des Inkassobüros müssen Sie nicht zahlen - auch wenn sie Bezeichnungen tragen wie Verzugsschaden, Adress- und Bonitätsprüfungskosten und Ähnliches.

- Schuldanerkennung: Stellen Sie sich quer, wenn Ihnen das Inkassobüro eine Schuldanerkennung zum Unterschreiben schickt. Mit Ihrer Unterschrift anerkennen Sie die ganze darin aufgeführte Schuld (in der Regel Rechnungsbetrag, Zinsen, Mahn- und Bearbeitungsgebühren). In diesem Fall kann die Inkassofirma alle diese an sich unzulässigen Posten gerichtlich oder mittels Betrei- bungsverfahren schnell durchsetzen. Zahlen Sie nur, was Sie schulden.

- Ratenzahlungen: Können Sie nicht den ganzen Betrag auf einmal zahlen, nehmen Sie Kontakt mit dem Inkassobüro auf und bieten Sie Ratenzahlungen an. Dann müssen Sie aber mit einem Zuschlag rechnen. Und in solchen Abmachungen droht auch die Gefahr, dass man Ihnen noch weitere unzulässige Gebühren unterjubelt. Wenn Sie unterzeichnen, müssen Sie zahlen - auch wenn nicht die ganze Forderung berechtigt wäre.
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Kommentare

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von Hanx1989 am
05.09.2012, 14:17

Intrum Justitia

Lieber bezahle ich das Betreibungsamt, als Intrum Jutitia. Ich habe soeben Intrum Jutitia kontaktiert und Ihnen mitgeteilt, meinen Fall sofort an das Betreibungsamt weiter zu geben. Dies sollte man eigentlich schon nach dem 1. Brief machen (wenn es denn soweit kommen muss). Natürlich ist ein Eintrag im Register nicht unbedingt ratsam. Aber das Betreibungsamt macht wenigstens nicht die gleich krummen Machenschafften wie die Mitarbeiter der Intrum Justitia. Ich habe das Gefühl, ich hätte meine freundlich- und menschlichkeit gegenüber den unqualifizierten Mitarbeitern bald verloren. Drohungen one after the other. So nicht!

von Dieter12 am
11.06.2012, 13:52

Intrum Justitia aus Embrach

Intrum Justitia hat eine Betreibung geschickt wegen unbezahlter Cablecom-Rechnung. Dies, obwohl keine Cablecom-Dienstleistung bezogen wurde. Wir sind nun genötigt, einen Rechtsvorschlag beim Postbeamten, bei der Post oder auf dem Betreibungsamt anzugeben. Die Ansicht, dass man diese Firma bald von selbst vom Markt sei, halte ich für irreführend.

von pesche77 am
05.04.2012, 15:22

Easymonitoring AG

Danke für den Artikel und die Tipps. Auch Easymonitoring AG versucht es mit der selben Masche. Dank dem Musterbrief und einem zusätzlichen Anruf verzichteten sie auf den überrissenen Zuschlag. Den Betrag inkl normalem Verzugszinsen habe ich meinem Schuldner direkt überwiesen.

von Aufgestelter am
04.03.2012, 12:46

Achtung: Intrum justitia ist belegbar keine faire Firma! Aufpassen!!!

Da sich aufgrund einer aufgeforderten Zahlung mit stark überhöhten Bearbeitungskosten die Zahlung und eine weitere Mahnung gekreuzt hatten, wurde versehentlich der Betrag von mir ein zweites Mal einbezahlt. Diese berüchtigte und zweifelhafte Firma hat wortlos das unberechtigte Geld wortlos eingesackt und sich so auf die Messerschneide des Gesetzes gewagt. Ich weiss nicht, wie man heute noch solche fraglichen Beträge einfach in der Buchhaltung nach der Zahlung doppelt einbucht. Das muss demzufolge System haben, um unberechtigte Beträge doppelt einbuchen zu können, ohne dass die Rechnungsprüfungskommission solche willkürliche Gebahren nicht feststellt. Ich habe diese fragliche Firma aufgefordert eine Rückzahlung des unberechtigten Betrages zu veranlassen, wobei diese dann für die Ueberweisung wieder einen Betrag von Fr. 27.80 von meinem unberechtigten Betrag brutal in Abzug brachten. Das was diese Firma macht, ist wie in vielen Berichten hier drin, mehr als fraglich .

von Dieter12 am
01.03.2012, 10:59

Übler VSI

Hallo Um 20 Uhr meldet sich Intrum Justizia und droht mit einer Betreibung. Da sich meine Partnerin in die Enge treiben liess, habe ich den Hörer in die Hand genommen, um den unlauteren Machenschaften ein Ende zu setzen. Ob wir eine Dienstleistung zu (Cablecom) beziehen und zu bezahlen haben oder nicht (wir tun es nicht) tut nichts zu Sache. Über Korrespondenz, die im Voraus nicht eingetroffen ist, gehe in nicht ein. Auf die Frage, woher sich die Callcenter-Angestellte die Frechheit nehme, nach Feierabend Menschen mit schwerem Geschütz zu belästigen und nicht locker zu lassen, antwortete sie, wir arbeiten halt jetzt. Nun folgt ein Brief u. a. mit folgendem Inhalt: >Möglicherweise sind Ihnen die Konsequenzen des Nichtbezahlens nicht bewusst, aber steigende Kosten sowie Einträge in Bonitätsdatenbanken können sich nachteilig auf künftige Geschäfte wie auch auf Job- oder Wohnungssuche auswirken. Freundliche Grüsse, Intrum Justitia.< Diese Firma agiert kriminell. Falls diese Firma einem Verband angeschlossen ist, fällt das üble Image eben auch auf den Verband VSI zurück. Februar 2012

von xserrannia am
13.03.2009, 16:15

Grafic-Archiv-Bader Mode Katalog (D) und Intrum Justitia unter einer Decke ?

Habe auf einmal ein E-Mail-Mahnung von Grafik Archiv erhalten.Habe diese nie besucht!Mein Sohn 6 Jahre kann noch nicht schreiben!Auf einmal kommen E-Mails mit Mahnungen, obwohl sich niemand und schon gar nicht mit Adresse ,eingeschreiben hat.Habe dann nach Ktipp wiederrufen!Keine Antwort erhalten, ausser es sei eine falsche Adresse und per Telefon nahm nie jemand ab.Habe dann nichts mehr gehört,keine Post, keine Einschreiben!Dann kam eine nicht eingeschriebene 2 te Mahnung per Post von (Rechts)Anwältin Günther.Habe nicht reagiert! Langezeit Ruhe. Nun wollte ich im Mode Katalog BADER, einige Kleidungsstücke, wie immer auf Rechnung in 30 Tagen, bestellen.Bekomme die Antwort, dass ich nur auf Nachnahme bestellen darf ,da meine Zahlungsfähigkeit in Frage gestellt würde. Solle mich an Intrum Justitia wenden.Habe einen Auszug vom Betreibungsamt mit Brief, eingeschrieben, an Intrum Justitia und Bader Deutschland,gesendet, die bestätigen, dass ich zahlungsfähig bin. Da Intrum als seriöse Firma galt!(Mein Fehler)Habe erst heute Ihre Rubrik Intrum Justitia spielt ein falsches Spiel, gelesen.Diese Firmen haben mich im Internet als Internet Gesetzesbrecher dargestellt, obwohl die gegen die AGBs Vorschriften verstossen und ich das eigentliche Opfer bin.Was kann ich dagegen unternehmen?Was ist wenn ich andere Bestellungen tätigen Möchte? Muss ich mich jetzt immer verteidigen? Besten Dank für Ihre Antwort und zur Information für alle anderen Abgezockten.

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