Eng, enger, Economy

K-Tipp 02/2013 vom

von

In den Flugzeugen wird es eng und enger: Der durchschnittliche Sitzabstand in der Economy-Klasse ist über die Jahre um rund 12 Zentimeter geschrumpft.

Frederick Kurt Teichmann mass dem Komfort der Passagiere an Bord noch einiges Gewicht bei. Er nannte Anfang der 1950er-Jahre in seinem Handbuch für Flugzeug­design eine konkrete Zahl: Im Schnitt 36 Inches, also gut 91 Zentimeter, sollte der Sitzabstand in der Kabine betragen, befand der damalige Professor für Flugtechnik an der New York University.

Und tatsächlich: In den Anfängen der Flugzeug-Touristenklasse vor sechzig Jahren betrug der Sitzabstand im Durchschnitt rund 91 Zentimeter, wie Steven Braggs, Spezialist für Design im 20. Jahrhundert, darlegt. Doch schon in den 1960er-Jahren waren es fünf Zentimeter weniger. Heute misst der Sitzabstand in der ­Economy-Klasse gemäss Branchenangaben und Erhebungen noch rund 79 Zentimeter. Und dies, obwohl die Passagiere nicht kleiner wurden. Im Gegenteil: Laut einer Studie der Uni Potsdam (D) waren zum Beispiel deutsche Männer 2007 durchschnittlich 4 bis 8 Zentimeter grösser als 1986.


Auf Kurzstrecken meist 76 cm Platz

79 Zentimeter Sitzabstand sind ein Durchschnittswert. In Langstreckenfliegern gibt es häufig etwas mehr Platz, während sich Economy-Passagiere in Kurzstreckenjets meist mit rund 76 Zentimetern begnügen müssen. Das bestätigt eine Stichprobe des K-Tipp. In zehn Flugzeug­typen von sieben Airlines wurde der Standardsitz­abstand in der Economy-Klasse gemessen: Reichlich Platz gabs auf Europaflügen nur einmal, nämlich in der Fokker 100 von Helvetic Airways. Dort war der Sitzabstand mit 84 Zentimetern gleich gross wie in der einzigen Langstreckenmaschine der Stichprobe, der Boeing 777-200 von Emirates (siehe Tabelle).


Begrenzt Verlass auf ­Zahlen von Seatguru

Die K-Tipp-Messresultate weichen kaum von den Angaben ab, welche die Airlines selbst machen. Teils deutlich grösser sind dagegen die Unterschiede zwischen den Airlines-Zahlen und den Angaben auf Seatguru.com. Dieses Internetportal listet für 92 Airlines auf, wie es in deren Flugzeugen um die Sitzabstände und weitere Ausstattungsmerkmale bestellt ist. So beziffert Seatguru den Economy-Sitzabstand im Airbus A321, im Airbus A320 und im Avro RJ100 von Swiss auf 79 Zentimeter – Swiss selber gibt ihn mit 76 Zentimetern an. Auch für die beiden Flieger von British Airways und Airberlin in der Stichprobe vermeldet Seatguru mit «31–34 inches» (rund 79–86 cm) bzw. «32 inches» (rund 81 cm) klar grössere Sitzabstände als die Fluggesellschaften selber.

Eine grosszügigere Bestuhlung wäre nicht nur aus Komfortgründen wünschenswert. Sie könnte auch das Problem der «unruly passengers» etwas entschärfen. So werden in der Branche Fluggäste genannt, die etwa wegen Stress, Angst und eben auch Platzmangel an Bord die Nerven verlieren und ausser sich geraten. Gemäss Airline-Verband Iata haben sich Zwischenfälle mit solchen Passagieren stark vermehrt. Die «NZZ am Sonntag» hielt kürzlich fest: «Allein auf Flügen in Schweizer Airlines gab es 2011 über 500 Fälle mit ‹unruly passengers›.»

Doch die Fluggesellschaften dürfen so viele Sitze in ihre Maschinen stopfen, wie sie wollen. Einzige Bedingung: Das Flugzeug muss im Notfall innert maximal 90 Se­kunden geräumt werden können. Die Tests, mit denen das nachzuweisen ist, sind ­allerdings wenig aussagekräftig. Das hat der K-Tipp kürzlich auf­gezeigt (siehe Ausgabe 17/2012).


Gefahr von Blutgerinnseln

Geringe Sitzabstände in Flugzeugen sind ein Gesundheitsrisiko. Denn langes Stillsitzen mit angewinkelten Beinen verlangsamt den Blutstrom in den Venen. Dadurch können Blutgerinnsel entstehen, die Blutgefässe teilweise oder ganz verstopfen und im Extremfall gar eine Lungenembolie auslösen können.

Die beste Prävention besteht darin, viel zu trinken (aber keinen Alkohol!) und sich möglichst viel zu bewegen. «Auf Flügen sollte man regelmässig Beine, Knöchel und Zehen bewegen», rät zum Beispiel das kanadische Transportministerium im Einklang mit diversen anderen Luftfahrtbehörden.

0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Artikel verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Fluggepäck: Abflug ohne Koffer

Kürzere Sitzabstände auf langen Strecken

Gepäck: Preiswirrwarr auf Europaflügen

Aktuelles Heft

Aktuelles Heft

Aktuelle Ratgeber

Pensionskassen

Bei den Pensionskassen versickern pro Jahr 4 bis 5 Milliarden Franken als Verwaltungskosten.

Schlüsselfundmarke

Aktuelle Tests

Roaming-Kosten

Seit dem 1. Januar 2009 haben Schweizer wegen überrissenen Handy-Gebühren im Ausland

zuviel bezahlt.

Reklamieren Sie hier

Reklamieren Sie hier

Unsere Handy-Apps

Testsieger App K-Tipp

Testsieger für Apple und Android

E-Nummern App

E-Nummern für Apple und Android

Budget Alarm App

Kostenloser Budget-Alarm für Apple und Android

Hochpreis

Aktuelle Merkblätter

Aktuelle Musterbriefe

Kostenloser Ratgeber für Menschen mit Behinderung