Die gleiche Küche zum halben Preis

Haus & Garten 02/2012 vom

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Die hier abgebildete Eck­küche kostet Fr. 28 947.–. Haus & Garten zeigt, wie man diesen Preis ohne Komforteinbusse auf unter die Hälfte senken kann.

Haus & Garten hat in der Ausstellung von Küchenhersteller Sanitas-Troesch in Thun BE eine grosszügige Eck­küche ausgewählt – mit ­allen Geräten, einer Granitarbeitsplatte und Oberschränken mit Glastüren. Die Küche misst über sechs Laufmeter. Der Preis: Fr. 28 947.–. Alle Rabatte sind bereits abgezogen, die Mehrwertsteuer ist eingerechnet.

Wo besteht nun Sparpotenzial? Kurz gesagt: an vielen Orten. Angefangen bei den Geräten: In der Ausstellungsküche stammen – ausser der Siemens-­Abzugshaube – alle Geräte vom Hersteller V-Zug. Dass zwischen manchen Geräten von V-Zug und von Bauknecht kein Unterschied besteht – bei den Preisen aber sehr wohl –, darüber berichtete der «K-Tipp»: So ist der V-Zug-Tumbler Adorina TK identisch mit einer Bauknecht-Maschine. Der einzige Unterschied: Das V-Zug-Modell ist fast viermal so teuer wie das­jenige von Bauknecht (siehe «K-Tipp» 19/11).

Ob die Wahl auf teurere oder günstigere Geräte fällt, ist vor allem eine Komfortfrage. Teurere Geräte sind teilweise mit mehr Programmen ausgestattet, sind zum Teil sparsamer, Backöfen verfügen über einen Auszug und eine Selbstreinigungsfunktion. Aber bei der ­Lebensdauer sollte es keine Unterschiede geben.


Allein bei Geräten fast 4000 Franken Sparpotenzial

Also entscheidet sich Haus & Garten für güns­tigere Geräte:

  • Kühlschrank: Der KDI 2805 von Bauknecht ist zwar ins­gesamt geringfügig kleiner als das V-Zug-Gerät. Dafür ist der Gefrierteil grösser. Und er ist wie das V-Zug-Gerät in die En­ergieeffizienz-Klasse A+ eingeteilt. Aber er kostet nur Fr. 1236.–. Einsparung: Fr. 871.–.
  • Geschirrspüler: Ebenfalls von Bauknecht stammt der GSX 5503. Wie der V-Zug-Geschirrspüler ist auch dieses Modell bezüglich Energieeffizienz, Reinigungswirkung sowie Trockenwirkung A-klassig. Einsparung: Fr. 486.–.
  • Kochfeld: Beim NKE645G von Bosch ist alles Nötige vorhanden: Highspeed-Kochzonen und Restwärmeanzeige. Einsparung: Fr. 254.–.
  • Abzugshaube: Die DWW 091451 von Bosch ist wie das Siemens-Pendant 90 cm breit. Das ist für die Dünste, die vom 60-cm-Kochfeld aufsteigen, ideal. Die Saugleistung ist etwas geringer als beim Siemens-Gerät, die Lärmentwicklung ist gleich. Einsparung: Fr. 720.–
  • Herd: Hier ist die grösste Einsparung möglich. In der Ausstellungsküche ist der Backofen getrennt vom Kochfeld auf Brusthöhe eingebaut. Haus & Garten hat sich für den Einbau des Backofens unter dem Kochfeld entschieden. Nachteil: Die Bedienung ist weniger komfortabel. Vorteil: Das Sparpotenzial ist enorm. Denn der Einbauherd, den Haus & Garten ausgewählt hat, besteht aus Backofen und Bedienungselementen fürs Kochfeld. Das heisst: Die Bedienungselemente fürs Kochfeld müssen nicht noch zusätzlich bestellt werden. Der HEA10B220C von Bosch ist wie das V-Zug-Gerät A-klassig. Die Einsparung: Fr. 1650.–.



Bei den Geräten sind damit schon fast Fr. 4000.– eingespart. Doch es geht weiter – mit der Arbeitsumgebung:

  • Arbeitsfläche: Sie muss ja nicht unbedingt aus Granit sein. Chromstahl wirkt auch edel und hat einen entscheidenden Vorteil: Schmutz ist sehr gut sichtbar. Dadurch lässt sich Chromstahl gründlicher reinigen als Granit. Dass Profiküchen stets mit Chromstahl-Arbeitsflächen ausgestattet sind, ist kein Zufall. Haus & Garten beschränkt sich zudem auf nur ein Spülbecken und entscheidet sich für ein Standrohr statt eines Siebtropfventils. Einsparung: Fr. 2853.–.
  • Armatur: Hier fällt die Wahl auf eine günstige Armatur von Similor-Kugler. Und zwar mit Schwenkauslauf, aber ohne Handbrause. Mit dem oben erwähnten Standrohr lässt sich nämlich der Wasserstrahl in jede Ecke des Beckens leiten. Einsparung: Fr. 244.–.
  • Beleuchtung: Der Verzicht auf Halogenleuchten bringt nur Vorteile: Die Fluoreszenzröhre beleuchtet die Arbeitsfläche gleichmässiger, verbraucht nur ein Drittel der Energie und ist  günstiger. Einsparung: Fr. 138.–.
  • Diverses: Haus & Garten hat auf jeglichen Schnickschnack verzichtet. So etwa auf Kochbuchhalter, Gewürzbord, Rüstbrett aus Glas und Resteschale. Solche Extras scheinen auf den ersten Blick praktisch. Aber oft werden sie dann doch nicht genutzt. Einsparung: Fr. 1600.–.

Auf diese Weise sind nochmals über Fr. 5000.– eingespart. Insgesamt also schon mehr als Fr. 9000.–.



7000 Franken Sparpotenzial bei den Möbeln


Doch der grösste Brocken kommt erst: die Möbel.

  • Fronten: In der Ausstellung stammen sie vom Schweizer Hersteller Veriset. Die Fronten sind nicht lackiert, sondern mit einer Kunstharzplatte belegt. Das ist schon mal gut. Denn Kunstharz ist robust. Lack hingegen ist teuer und reagiert sehr heikel auf Schläge. Allerdings gilt es sogar bei Kunstharz zu unterscheiden. Die Ausstellungsküche ist mit Hochglanz-Kunstharz belegt. Haus & Garten hat sich für matten Kunstharz von Veriset entschieden. Abgesehen von der Optik sind die Möbel identisch. Einen Qualitätsunterschied gibt es nicht.



Damit ist das Sparpotenzial bei den Möbeln aber nicht ausgeschöpft:

  • Ecklösung: In der Ausstellungsküche sind in der Ecke des Unterbaus Schwenktablare montiert. Die Tablare lassen sich her­ausziehen. Das ist praktisch, aber die Raumausnützung ist nicht optimal, und Schwenktablare sind teuer. Haus & Garten hat sich für normale Tablare entschieden.
  • Hochschrank: Der Verzicht auf einen Backofen auf Augenhöhe ermöglicht den Einbau eines zusätzlichen Hochschranks. Dafür gehen unter dem Kochfeld zwei Schubladen verloren. Doch diese sind teurer als ein Schrank.
  • Glas: Haus & Garten hat bei den Oberschränken auf Glastüren und Glastablare verzichtet.
  • Zubehör: Auch den Handtuchauszug und den Kuchenblechhalter hat Haus & Garten weggelassen. Kuchenbleche lassen sich im Backofen aufbewahren, und Handtücher trocknen ohnehin besser, wenn sie nicht in einem Schrank hängen.



Unter dem Strich mehr als die Hälfte gespart

All diese Massnahmen führen abermals zu Einsparungen von beinahe Fr. 7000.–    . Total kostet die Küche in dieser Ausführung nur noch Fr. 13 259.–. Das ist nicht einmal die Hälfte der ursprünglichen Fr. 28 947.–. Wer findet, das sei noch immer zu viel, kann den Preis weiter drücken. Sanitas-Troesch führt nicht nur Küchen des Schweizer Herstellers Veriset, sondern auch des deutschen Herstellers Nobilia. Mit dessen Möbeln kostet die gleiche Küche nochmals Fr. 2000.– weniger.

Weiter sparen lässt sich auch mit der Arbeitsplatte. Eine Kunststoffplatte kommt nochmals fast Fr. 1300.– günstiger als Chromstahl. Insgesamt kostet die Küche mit Nobilia-Möbeln und Kunststoff-Arbeitsplatte nur noch Fr. 9936.-– inklusive Lieferung und Montage. Das ist rund ein Drittel des Ursprungspreises.   


Ikea-küchen: sich von den preisschildern nicht täuschen lassen


Wer die Küchenausstellungen der Ikea besucht, kommt ins Staunen. Eine Miniküche für Fr. 930.–? Eine durchaus ansehnliche Küche für Fr. 3460.–? Und eine Riesenküche für bloss Fr. 13 840.–?

Sind diese Preise realistisch? Nein, denn sie enthalten längst nicht alles. Im angegebenen Preis sind nur die Möbel, die Arbeitsplatten, die Spülbecken und die Mischbatterien enthalten. Der Kühlschrank? Fehlt. Das Kochfeld? Fehlt. Der Backofen? Fehlt. Und der Geschirrspüler? Fehlt auch. Deshalb steht klein unter dem Preis für die Küche auch noch der Preis für die Küchengeräte und der angebliche Komplettpreis.

Aber auch in diesem sind Lieferung und Montage nicht enthalten. Deren Preise sind noch kleiner aufgedruckt. Und die Zuschläge haben es in sich:

  • Wer die Küche, die mit Fr. 13 840.– angeschrieben ist, kaufen möchte, zahlt für die Geräte zusätzlich fast Fr. 10 000.–. Und für Lieferung und Montage nochmals fast Fr. 10 000.–. Macht unter dem Strich Fr. 32 233.–.
  • Bei der Küche für Fr. 3460.– belaufen sich die Mehrkosten auf Fr. 6844.–. Am Schluss kostet die Küche also Fr. 10 304.–.
  • Und die Miniküche kostet schliesslich nicht Fr. 930.–, sondern Fr. 5126.–. Das ist fast das Sechsfache des angeschriebenen Preises.


Die genau gleiche Preispolitik verfolgt Ikea übrigens auch in den Katalogen. Gross steht der Preis für die Möbel, darunter klein derjenige für die Geräte. Die Preise für Lieferung und Montage fehlen in den Katalogen.

PR-Managerin Virginia Bertschinger rechtfertigt die Ikea-Preispolitik: «Der Preis enthält das Grundgerüst der Küche. Der Kunde kann diese mit Küchengeräten und Dienstleistungen wie Lieferung und Montage ergänzen.» So sei er bei der Wahl der Küchengeräte flexibel und könne auch Geräte eines anderen Anbieters oder Geräte aus der bisherigen Küche einbauen.

Diese Möglichkeiten gibt es natürlich nicht nur bei der Ikea, sondern bei jedem Küchen­bauer. Aber der Komplettpreis des Küchenbauers zeigt dem Kunden ein realistischeres Bild.

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