Buch-Tipps: Komplexe Wirtschaft einfach erklärt

saldo 16/2008 vom 7. Oktober 2008 | aktualisiert am 8. Oktober 2008

von thl, ima, mmn,

Philipp Löpfe, Ex-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», hilft dem Leser, wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen.

Zurzeit vergeht kaum ein Tag, an dem die Medien nicht über die Finanzkrise berichten. Was aber bedeuten Begriffe wie Subprime-Krise, Derivate und Hedge-Funds? Die meisten haben eine Vorstellung, worum es sich handelt, aber die wenigsten verstehen alles richtig.

Hier setzt der profilierte Schweizer Wirtschaftsjournalist Philipp Löpfe in seinem neuen Buch «Ich verstehe nur DAX!» an. Mittels historischer Rückblicke, Anekdoten und anschaulicher Alltagsbeispiele gelingt es ihm, dem Laien komplexe Wirtschaftszusammenhänge auf kurzweilige Art verständlich zu machen.

Wer das Buch gelesen hat, versteht den Mechanismus, der zur gegenwärtigen Finanzkrise geführt hat. Dank moderner Finanzinstrumente wie der Verbriefung von Schulden konnten in den USA Käufer ohne Eigenkapital Häuser erwerben. Investoren übernahmen diese verbrieften Schulden im Glauben, durch Risikostreuung ein tragbares Risiko einzugehen – und gleichzeitig eine höhere Rendite zu erzielen. Das ging so lange gut, bis die Häuserpreise stagnierten und die Schuldner ihre Hypozinsen nicht mehr via neu aufgenommene Hypotheken bezahlen konnten. Plötzlich verloren die verbrieften Schulden massiv an Wert und wurden unverkäuflich.

Nebst den Finanzmärkten und ihren Akteuren befasst sich Löpfe mit der globalisierten Wirtschaft und ihren Auswirkungen auf Handel, Unternehmen, Staat und Gesellschaft. Anhand eines Thinkpad-Laptops zeigt er auf, wie etwa IBM und andere Konzerne ihre Produkte rund um den Globus fertigen lassen. Im Buch enthalten ist ein Glossar mit wichtigen Begriffen. «Ich verstehe nur DAX!» ist aber kein Nachschlagewerk, sondern will helfen, die moderne Wirtschaft mit kritischer Distanz zu beurteilen.   

Philipp Löpfe: «Ich verstehe nur DAX! Die globalisierte Wirtschaft einfach
erklärt», Orell Füssli, ca. Fr. 40.–



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Biopiraten plündern den Reichtum der Entwicklungsländer
Biopiraten nennen die Autoren Konzerne, die in der Dritten Welt Genmaterial von Pflanzen oder Tieren rauben. Ihre Ausbeute schützen sie mit Patenten und verarbeiten sie zu Medikamenten oder Kosmetika. Die Besitzer des Rohstoffs, meist indigene Völker, bekommen nichts oder nur schäbige Entschädigungen. Oft beteiligen sich die Regierungen am Raub.

So entzog Südafrika einem Volk von Buschmännern die Nutzungsrechte an der appetithemmenden Pflanze Hoodi und verkaufte diese an den Arzneimittel-Entwickler Phytopharm. Mit aktuellen Beispielen zeigen die Autoren, dass zu lasche internationale Regeln die Raubzüge der Biopiraten kaum behindern.    

Michael Frein und Hartmut Meyer: «Die Biopiraten. Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie mit dem Bauplan der Natur», Econ, ca. Fr. 30.–


Ironischer Blickauf die Wissenschaft
Wissenschaft muss nicht staubtrocken sein. Dies zeigen gesammelte Artikel des «Spiegel»-Redaktors Henry Glass. 20 Jahre lang schrieb er über skurrile Forschungen der Wissenschaft. Die Texte wirken sieben Jahre nach seinem Tod aktuell, ihre Lektüre macht Spass.

So berichtet er über Flops der Autogeschichte wie die Cycle Cars, eine Kombination aus Auto und Motorrad, die «so gefährlich war wie ein Benzinkanister auf der Suche nach einem Zündholz». Oder über Psychotests, um die Zukunft einer Ehe vorherzusagen. Glass gewinnt daraus die Erkenntnis: «Männer neigen im ehelichen Miteinander dazu, beschränkte Einsicht mit grossem Widerspruchsgeist zu verbinden.»

Henry Glass: «Weltquell des gelebten Wahnsinns. Skurrilitäten
aus der Welt der Wissenschaft», Kein & Aber, ca. Fr. 31.–



Das Internet in der Hand von Laien
Im Internet herrscht Demokratie. Jeder kann im weltweiten Netz mitreden, was US-Autor Andrew Keen für eine unheilvolle Entwicklung hält. Ob in Diskussionsforen, Blogs oder bei Wikipedia: Statt verlässlicher Infos von Experten findet man im Netz viel Halbwissen oder Lügen. Keen lässt in seiner spannenden Abrechnung keine grosse Entwicklung der letzten Jahre aus.

Politische Lobbyisten steuern unter falscher Identität Debatten, dümmliche Youtube-Videos verdrängen hochwertige Filme und Musik und Nutzer von «Second Live»-Angeboten leben in virtuellen Welten. Dieses Buch erweist sich als Warnung vor allzu viel Gutgläubigkeit im Netz.

Andrew Keen: «Die Stunde der Stümper. Wie wir im Internet unsere Kultur zerstören», Hanser, ca. Fr. 36.–

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