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Artikel | saldo 10/2008

Sparen mit Libor-Hypothek

Libor-Hypotheken schneiden langfristig gut ab. Doch die Nachfrage ist gering. Grund: Viele Wohneigentümer kennen diese Finanzierungsform gar nicht.

Die Gesamtkosten für eine Hypothek von 500 000 Franken über eine Zeit von 15 Jahren können je nach gewählter Finanzierung sehr unterschiedlich ausfallen. Das zeigen Modellrechnungen des VZ Vermögenszentrums (siehe Grafik im pdf-Artikel). Wer von April 1993 bis März 2008 auf 5-Jahres-Festhypotheken gesetzt hat, zahlte 342 200 Franken. 307 519 Franken mussten Hausbesitzer hinlegen, die sich auf eine variable Hypothek verliessen.

Mit 253 973 Franken am günstigsten ist aber gefahren, wer sein Wohneigentum über eine Libor-Hypothek (6 Monate) finanziert hat. Gegenüber der Festhypothek ist das eine Ersparnis von 88 227 Franken – oder Fr. 5881.80 pro Jahr.

Für VZ-Hypothekenspezialist Lorenz Heim steht fest, dass Libor-Hypotheken langfristig gesehen die günstigste Finanzierungsform für Wohneigentum sind. Mit einer Libor-Hypothek kann man rasch von sinkenden Zinsen profitieren. Aber die Schuldner müssen auch bereit sein, 5 Prozent und mehr zu zahlen, denn der Libor schwankt auch gegen oben stark. Heim empfiehlt Libor-Hypotheken allen, die mit konstanten oder sinkenden Zinsen rechnen und nicht gleich in Existenznot geraten, wenn der Libor rasch ansteigt.

Hört man sich bei UBS, CS, Raiffeisen und ZKB um, ist die Nachfrage nach Libor-Hypotheken gering. Bei der ZKB etwa liegt der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent. In den letzten Monaten ist die Nachfrage laut den Banken besonders tief gewesen, weil variable Hypotheken zurzeit attraktiver sind.


Kunden müssen Zinsschwankungen verkraften können

Lorenz Heim führt den geringen Anteil von Libor-Hypotheken vor allem darauf zurück, dass manche Banken dieses Produkt in der Vergangenheit eher zurückhaltend behandelt haben, da es für sie wegen der hohen Verwaltungskosten kein allzu lohnendes Geschäft ist. Die angefragten Banken widersprechen. «Die Libor-Hypothek ist für uns genauso interessant wie andere Hypothekarprodukte und wird entsprechend aktiv angeboten», lässt die UBS verlauten. Die ZKB vermutet historische Gründe für den tiefen Libor-Anteil. Das Produkt gebe es erst seit Beginn der 90er-Jahre und sei vielen Kunden unbekannt.

Die Banken teilen die VZ-Meinung, dass die Libor-Hypothek auf lange Sicht das günstigste Modell ist. Sie schränken aber ein: Die Produkte seien primär für Kunden geeignet, die kurzfristige Zinsschwankungen akzeptieren und verkraften können. Für sicherheitsorientierte Kunden ohne finanzielle Reserven seien Festhypotheken die bessere Lösung.

Heim schätzt das Risiko einer Libor-Hypothek indes als «nicht sehr hoch» ein. Die meisten Banken bieten die Möglichkeit, per Zinstermin (3 oder 6 Monate) in ein anderes Hypothekenmodell zu wechseln. Dadurch lässt sich das Zinsanstiegsrisiko minimieren.


Stichwort Libor-Hypothek

Bei einer Libor-Hypothek wird der Zinssatz alle 1, 3 oder 6 Monate dem Referenzzinssatz Libor (London Interbank offered Rate) angepasst. Der effektiv zu zahlende Zins setzt sich aus dem Libor und einem Zuschlag der Bank von rund 1 Prozent zusammen.

27. Mai 2008 | Thomas Lattmann


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