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Artikel | saldo 6/2007

Fleischimporte: Gutes Geschäft für Staat und Grossverteiler

Importiertes Fleisch ist in der Schweiz sehr teuer. Allein 150 Millionen Franken fliessen in die Staatskasse. Der grösste Teil geht aber an die Detailhändler.

Fleisch ist Herrn und Frau Schweizer lieb und teuer. So lieb, dass das, was im eigenen Land produziert wird, lange nicht reicht, um den Hunger zu stillen. 54 500 Tonnen weisses Fleisch wie Poulet und 22 500 Tonnen rotes Fleisch, zum Beispiel Rind, werden dieses Jahr importiert.

Zum Schutz der Schweizer Viehzüchter ist die Einfuhr von Importen kontingentiert. Seit diesem Jahr wird das ganze Kontingent versteigert. Voraussichtlich wird das dem Bund rund 150 Millionen Franken in die Kasse spülen.


Rindsfilet: Fr. 18.60 pro Kilogramm gehen an den Bund

Konkret heisst das: An einem Kilogramm importiertem Rindsfilet, das bei den Grossverteilern Coop und Migros aktuell für durchschnittlich Fr. 73.50 verkauft wird, verdient der Bund nach Berechnungen von saldo etwa Fr. 18.60 - dank Kontingentskosten, Zoll und Mehrwertsteuer.

Trotzdem freuen sich auch Migros und Coop weiterhin über ein äusserst einträgliches Geschäft. saldo weiss: Für aktuell 27 Franken kaufen ihre Tochtergesellschaften Micarna und Bell das Kilogramm Rindsfilet bei der Basler Firma GVFI International AG, die Fleisch aus der ganzen Welt an die Schweizer Grenze bringt. Damit bleiben Fr. 27.90 Differenz zum Endpreis - eine schöne Bruttomarge. Coop und Migros bestätigen diese Berechnungen.


Kleinere Anbieter werden nicht mehr mitziehen

Über die Folgen der Versteigerung der Kontingente für importiertes Fleisch herrscht Uneinigkeit. Simonetta Sommaruga, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, hält es für nachweislich falsch, dass Fleisch wegen des Versteigerungssystems teurer geworden ist. Das zeige auch die Tatsache, dass sich die Bruttomarge für die Grossverteiler seit 2005 verringert habe.

Auch Coop-Sprecherin Susanne Erdös spricht von einem Rückgang der Brutttomarge, zieht jedoch einen anderen Schluss: Vor dem Systemwechsel habe der Detailhandel über eine Mischrechnung mit günstiger Importware teure heimische Produktion verbilligen können. Das sei heute schwieriger. Darum habe sich der Fleischpreis für den Konsumenten generell erhöht.

Trotzdem nützt das Versteigerungssystem vor allem den Grossverteilern: Die kleine und mittelgrosse Konkurrenz droht nämlich nach und nach das Feld zu räumen. Sie scheut den Aufwand und die Risiken im Zusammenhang mit der Versteigerung der Kontingente.

Ständerätin Simonetta Sommaruga will die Versteigerung nicht abschaffen. Sie bemängelt die hohen Fleischpreise. Und fordert: «Wir müssen dafür sorgen, dass die Margen genau untersucht werden.»



Rindfleisch: So setzt sich der Preis zusammen

Beispiel: Kosten für 1 Kilogramm importiertes Rindsfilet (durchschnittlicher Verkaufspreis bei Migros und Coop: Fr. 73.50)

Fr. 27.- Einkaufspreis an der Grenze

Fr. 18.60 Staatliche Abgaben1

Fr. 27.90 Brutto-Marge von Migros und Coop

04. April 2007 | Pascal Tischhauser


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Kommentare (0)

 
Lebensmittel
Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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