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Artikel | Gesundheits-Tipp 4/2004

Warnung vor Alu-Pillen

Wer über längere Zeit aluminiumhaltige Säurehemmer schluckt, speichert Alu im Körper. Das kann der Gesundheit schaden. Deshalb fordern Fachleute jetzt einen Warnhinweis für diese Medikamente.

Tag für Tag schlucken wir mit unserem Essen eine ganze Menge Aluminium - mit dem Wasser, mit Kartoffeln, Getränken aus Aludosen oder mit dem Apfelmus aus der Alupfanne. Das ist schlecht für die Gesundheit. Unter anderem kann es womöglich Alzheimer fördern. Das berichtete der Pulstipp im Januar.

Jetzt zeigt eine Studie: Alu gelangt nicht nur über das Essen in den Körper. Weit grössere Mengen schlucken Menschen, die regelmässig Medikamente gegen Sodbrennen brauchen. Denn viele der so genannten Antazida enthalten eine Aluminiumverbindung als Hauptwirkstoff. Je nach Pille schluckt man so bis zu zwei Gramm Alu pro Tag - wenn man sich an die Höchstdosis hält. Zum Vergleich: Über das Essen nimmt man höchstens 100 Milligramm pro Tag auf.
Deshalb warnen die Pharmazeuten Claudia M. Reinke und Hans Leuenberger von der Universität Basel vor einer unkontrollierten, langfristigen Einnahme von aluminiumhaltigen Antazida. Reinke: «Wir nehmen im Alltag schon weit mehr Aluminium auf, als für unsere Gesundheit gut ist.»


Deutschland: Antazida mit Alu für Schwangere verboten

Reinke und Leuenberger haben in einer grossen Untersuchung alle bis heute vorliegenden Studien über aluminiumhaltige Medikamente geprüft. Das Fazit:
- Wer über längere Zeit Antazida schluckt, speichert Alu in den Knochen und im Hirngewebe. Das kann unter anderem zu Phosphatmangel und Knochenerweichung führen.
- Wenn man neben den Antazida säurehaltige Getränke wie Fruchtsaft, Wein oder Kaffee konsumiert, speichert der Körper bedeutend mehr Aluminium.
- In Tierexperimenten hat man festgestellt, dass Aluminium in die Gebärmutter eindringt und sich im Körper des Fötus anreichert.
- In der Muttermilch von Stillenden, die Antazida nehmen, ist das Aluminium nachweisbar.

Das deutsche Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte nimmt solche Erkenntnisse ernst. Deshalb hat es vor zwei Jahren verordnet, dass die Hersteller auf dem Beipackzettel von aluhaltigen Antazida vor einer gleichzeitigen Einnahme von säurehaltigen Getränken warnen müssen. Zudem sind diese Medikamente in Deutschland für Schwangere und Stillende nicht zugelassen.

Anders in der Schweiz: Hier sind aluhaltige Antazida für Schwangere und Stillende noch immer zugelassen.


Swissmedic sieht noch keinen Grund für ein Verbot

Zudem fehlt ein Hinweis auf die Wechselwirkung mit säurehaltigen Getränken. Claudia Reinke: «Auch in der Schweiz sollten die Patienteninformationen diese Hinweise enthalten. Und die Behörden sollten überdenken, ob sie die Medikamente für Schwangere weiterhin zulassen wollen.»

Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic sieht allerdings bis heute keinen Grund, «Sofortmassnahmen» zu ergreifen. Es lägen keine Anträge von Fachpersonen vor, die dazu Anlass gäben. Sprecherin Monique Helfer: «Die Überprüfung der registrierten Medikamente ist im Gange.» Swissmedic verfolge die Situation weiterhin sehr sorgfältig und werde bei Vorliegen neuer Erkenntnisse entsprechende Massnahmen umsetzen, verspricht Helfer.



Diese Wirkstoffe enthalten Aluminium

Aluminiumhaltige Antazida enthalten einen der folgenden Wirkstoffe. Sie finden die Wirkstoffzusammensetzung auf dem Beipackzettel des Medikaments:
- Aluminiumoxid
- Aluminiumhydroxid (Algedrat)
- Dihydroxyaluminium sodium carbonate
- Magaldrat
- Hydrotalcit
- Almagat

14. April 2004 | Sonja Marti - smarti@pulstipp.ch


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