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Artikel | K-Tipp 17/2003

Falle für Gewerbler

Täglich gehen aggressive Anzeigenverkäufer auf Kleingewerbler los und schwatzen ihnen teure Werbeverträge auf. Viele Opfer klagen, man habe sie reingelegt.

 

Bitte umgehend zurückfaxen», steht - von Hand geschrieben - auf dem Fax, das in den letzten Monaten an Kleinfirmen ging. Wenige Minuten zuvor hatte jeweils eine Mitarbeiterin der Zürcher Firma «Incom Agentur für Stadtmarketing» angerufen: Falls keine Inserateschaltungen mehr erwünscht seien, solle man das Papier rasch unterschreiben und zurückfaxen.



Viele Gewerbler haben das gemacht - zumal eine weitere handschriftliche Bemerkung lautet: «Es erfolgen keine weiteren Anzeigen mehr. Aktion bleibt wie besprochen einmalig. Vorgang ist hiermit abgeschlossen.»



Doch Anruf und Fax waren eine Falle - wegen des Kleingedruckten: Dort steht, dass es sich beim Papier um einen Auftrag handelt - und zwar für ein Firmeninserat in einer nicht näher bezeichneten «Info-Broschüre» von Incom. Zahlreiche Opfer haben das überlesen.



Nun haben etliche Gewerbetreibende eine Rechnung über 800 bis 1200 Franken im Haus - und viele beklagen sich, man habe sie reingelegt. Sie alle hatten das Gefühl, mit der schnellen Unterschrift ein Inserat zu verhindern und Kosten zu vermeiden. Doch sie sind reingefallen, weil sie im Gegenteil - ungewollt - einen Auftrag erteilten.



Die Masche scheint erfolgreich zu sein. Der K-Tipp weiss, dass auf dem Bankkonto der Incom im Schnitt zehn Zahlungen pro Woche eingehen.



Der Incom-Geschäftsinhaber Harun Demirci weist den Vorwurf, seine Verkaufsmethode sei hinterhältig, zurück: «Bei allen Gewerbetreibenden ist vorher ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin von uns vorbeigegangen und hat die Sache besprochen.»



Nur: Keiner der Kleingewerbler, die sich beim K-Tipp über die Incom-Verkaufsmethode beschwert haben, kann sich an einen solchen Besuch erinnern. Zum Beispiel eine Elektrofirma aus dem Thurgau: Am Telefon sagte Incom-Chef Demirci dem K-Tipp, dort sei «eine Frau Heinze» vorbeigegangen. Der Firma selber schrieb Demirci, der «zuständige Mediaberater» habe die Sache «vor Ort» präsentiert. Doch die Inhaber der Elektrofirma bestreiten das.





Irreführende Angaben, falsche Versprechen



Dass ein Besuch stattgefunden hat, verneinen auch der Inneneinrichtungs-Spezialist Markus Moser aus Wohlen AG, der Käser Peter Egger aus Istighofen TG sowie die Karosserie-Inhaberin Marina Jufer aus Murgenthal AG.



Schriftliche Unterlagen über die angeblichen Besuche kann die Incom nicht liefern.



Dafür hat die Firma dem K-Tipp eine Broschüre geschickt, in der Anzeigen von Kleinfirmen abgedruckt sind. Sie heisst «Das Internet» und bietet auf 13 Seiten lapidare Infos über das Internet, die nichts bringen. Die restlichen 19 Seiten sind vollgestopft mit Inseraten von kleinen Betrieben aus dem ganzen schweizerischen Mittelland von Frauenfeld TG über Schiers GR bis Reinach BL.



Einer der Inserenten ist Ralph Spillmann von der Schreinerei Wenger in Reinach BL. «Das Inserat hat mir gar nichts gebracht», sagt er.



Unzufrieden äussern sich auch elf weitere Inserenten, mit denen der K-Tipp gesprochen hat. Sie sagen mehrheitlich, man habe sie hereingelegt - und das Inserat habe ihnen nichts genützt.



Incom-Chef Demirci betont, diese überregionale Broschüre sei in einer Auflage von 30000 Exemplaren gedruckt und zur Gratisverteilung an Post- und Gemeindeschaltern abgegeben worden.



Weiter sagte Demirci am Telefon zum K-Tipp, er überlege sich einen Rückzug aus diesem Geschäft.



Das wäre an sich eine gute Nachricht - doch Firmen, die Gewerbler mit Inseraten in angeblich «werbewirksamen» Publikationen übers Ohr hauen wollen, gibt es noch genug. Die Zahl dürfte irgendwo zwischen 10 und 20 liegen:

- Ähnlich wie Incom operiert der DWD Design Werbedruck Verlag aus dem deutschen Nieder-Wiesen.

- Die Admen Mediaplus AG aus Luzern verlangt rund 2000 Franken für Inserate in der Grösse 5 x 7 cm auf «Regional-Karten». Die Auflage betrage «mindestens 500 Exemplare».



K-Tipp-Leserin Lisa Monica Graf aus Wabern BE sagt, man habe sie mit irreführenden Angaben und falschen Versprechen geködert.

- Die A. C. Medien & Druckgestaltung aus Basel verlangt 1500 Franken für Anzeigen in «Informationskalendern» mit einer Auflage von «einhundert Stück».

- Praktisch wortgleich wie bei A. C. sind Verträge der Senator Marketing aus Baden AG. Hier kosten 6 x 10-cm-Inserate auf «Bereichskarten» 1500 Franken.

 

Zahlen, bevor das Inserat erscheint



- Auch das GMV Druck- und Grafikstudio aus Genf versucht, Kleingewerblern Inserate in «geographischen Plänen» unterzujubeln.

- Community Marketing aus Zug fragt Gewerbler am Telefon, ob ihre Anschrift noch stimme; man solle das per Fax bestätigen. Wer das bestätigt, gibt ungewollt eine Anzeige in Auftrag.



K-Tipp-Leserin Evelyne Herren aus Bremgarten AG berichtet, man habe ihr bewusst den Eindruck vermitteln wollen, sie habe es mit der seriösen Firma Publicitas zu tun. Und es gehe um die offizielle Gemeindebroschüre von Bremgarten - was aber bei Community Marketing nicht der Fall ist. Gerade solche irreführende Hinweise auf offizielle Gemeindebroschüren sind typisch für die Branche.

- Bei den aufgezählten Firmen ist immer Vorauskasse verlangt - Zahltermin ist also noch vor Erscheinen des Inserats. Dies ist auch bei der Proinfo aus Lohn SO der Fall. Über diese Firma hat der K-Tipp schon 1998 berichtet: Ihre Publikationen seien inhaltlich dürftig, Inserenten fühlten sich damals verschaukelt.

- In diesem Zusammenhang noch zu erwähnen ist die Firma Media Swiss (sie hiess früher Afuag), die Einträge in einem Internet-Branchenverzeichnis verkauft. Auch hier beklagten sich Gewerbler, die Verkäufer hätten falsche Angaben gemacht (siehe K-Tipp 10/02 und 10/03).

- In Nummer 20/02 berichtete der K-Tipp über Gewerbler, die sich von der Firma Euronetcity hintergangen fühlten.

- Ein permanentes Ärgernis für Unternehmer sind die so genannten Registerhaie, die Ahnungslosen teure Einträge in nutzlosen Branchenregistern verkaufen wollen.



Die berüchtigsten Registerhaie heissen Printem, NMC-Register «für Handel und Industrie», GHI-Register «für Gewerbe, Handel und Industrie», WSC Handel- und Wirtschaftsinformation, Online-Verlag so-wie IFWP Institut für Wirtschaftspublikationen.







Nicht vorschnell unterschreiben!



Das sind wichtige Tipps für Gewerbler im Umgang mit Inserateverkäufern.



- Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Seriöse Vertragsverhandlungen brauchen Zeit.

- Machen Sie keinen Termin mit Verkäufern ab, sondern lassen Sie sich Unterlagen zuschicken.

- Schliessen Sie keine Verträge per Fax ab. Unterschreiben Sie keine bereits ausgefüllten Formulare.

- Geben Sie keine Inserate in Auftrag, die im Voraus zahlbar sind. So operieren nur unseriöse Firmen. Bei seriösen Firmen ist die Rechnung erst zahlbar, wenn das Inserat erschienen ist und ein Belegexemplar vorliegt.

- Verträge sind einzuhalten. Unter Gewerbetreibenden gibt es kein siebentägiges Rücktrittsrecht, wie das Konsumenten bei Haustürgeschäften haben. Ohne finanzielle Folgen können Sie den Vertrag nur anfechten (innert einem Jahr), falls der Verkäufer Sie absichtlich irregeführt hat. Kommt es dann aber zum Prozess, müssen Sie vor Gericht beweisen können, dass man Ihnen beim Vertragsabschluss etwas vorgetäuscht hat.

15. Oktober 2003 | Ernst Meierhofer - emeierhofer@ktipp.ch


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Falle für Gewerbler
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Kommentare (7)

 
  • rutti18 | 23.04.2010, 09:52

    firmenportal24.ch

    Gestern hat eine Frau von Firmenportal24.ch die gleiche Masche
    versucht. Aufgrund einer kurzen Google-Search "Firmenportal24.ch
    + Kassensturz" sind wir auf diese Seite hier gestossen, womit
    sich unser Verdacht erhärtet hat, dass es sich hier um eine
    Abzocke handelt. Wir haben den Fax entsprechend nicht
    zurückgesandt. Heute hatte dann eine Frau Sabine (oder Simone)
    Bley die Nerven, bei uns nachzuhaken. Als wir dann
    unmissverständlich klar gemacht haben, dass wir uns nicht
    verarschen lassen (wortwörtlich), hat sie sofort aufgelegt...
  • narya | 19.03.2010, 15:26

    firmenportal24.ch

    Heute hat mich eine Frau vom "Onlineverzeichnis"
    Firmenportal24.ch angerufen. Wir hätten dort seit 2008 einen
    Eintrag und müssten nun entscheiden, ob wir diesen Eintrag noch
    länger abonnieren möchten oder nicht. Da ich nicht genau
    wusste, worum es sich handelt, aber ein komisches Gefühl bei der
    Sache hatte, teilte ich ihr mit, dass wir den Eintrag nicht
    länger wünschen. Sie bot mir dann an, entweder selbst eine
    Kündigung zu schreiben oder dies per Formular, das sie mir
    zufaxen würde, zu tun. Ich entschied mich für die Variante
    per Formular. Wie bereits von frenberlin unten beschrieben, war dies
    jedoch keineswegs ein Kündigungs-, sondern ein Anmeldeformular
    mit dem Vermerk "Nach Rücksprache mit dem Kunden läuft
    der Vertrag automatisch aus und wird im Anschluss nicht
    verlängert".

    Als sie mich noch einmal anrief, um nachzufragen, ob alles leserlich
    angekommen sei, fragte ich nach, was denn geschehen würde, wenn
    wir das Formular ignorieren und nicht zurücksenden würden.
    Die Dame erklärte mir, dann "würden uns Kosten
    entstehen". Ich forderte sie danach auf, uns den Vertrag
    zuzusenden, den wir angeblich im Jahr 2008 für diese Anzeige
    abgeschlossen hatten, da wir bisher weder von dieser Firma
    gehört, geschweige denn monatliche Zahlungen für diesen
    "Verzeichnis-Eintrag" geleistet haben.

    Bisher habe ich keine Vertragskopie erhalten, und die Dame war
    äusserst kurz angebunden, nachdem ich auf diese Kopie bestanden
    habe. Warum wohl....

    Dass diese Firmen gutgläubige Menschen hinter's Licht führen
    mit unübersichtlichen, klein bedruckten Vertragsformularen ist
    schon schlimm genug, aber dass man dann auch bei direkter Nachfrage
    noch angelogen wird, finde ich wirklich das Letzte!
  • vorsichtig | 04.12.2009, 11:30

    Achtung auch bei AGENDA

    Der Verlag heisst Linden-Grafik. Die Inserate sind überteuert,
    dabei werden einem Zusatzeinträge versprochen, die nicht
    eingehalten werden können - und es werden einem Lügen
    aufgetischt, das regionale oder örtliche
    Telefonbücher/Informationsbroschüren eingehen werden.....
    Die Agenda ersetze solche bereits bestehende Angebote.
    ACHTUNG
  • frenberlin | 02.09.2009, 11:42

    Kündigung ist Bestellformular

    Ich bin in den vergangenen Tagen auf besonders dreiste Art von der
    Firma IMEDIA AG – International Media Advertising Group angesprochen
    worden, vor der Sie ja auf Ihrer Seite auch schon warnen.

    1. Anruf:
    Ich erhielt das erste Mal vor einigen Wochen einen Anruf, in dem ich
    gefragt wurde, ob ich meinen Eintrag im Branchenbuch verlängern
    wollte. Als ich genauer fragte, um welches es sich handle hatte ich
    bald das Gefühl, dass etwas nicht stimmen kann. Ich sagte der
    Anruferin, dass ich nichts von so einem Eintrag wüsste. Sie
    bestand aber darauf, dass ich, wenn ich keine Verlängerung
    wünschte kündigen müsse. Sie würde mir ein
    Kündigungsformular mailen. Das kam aber nie an.

    2. Anruf: Gestern rief mich eine Frau Bitter von derselben Firma an.
    Sie sagte (übrigens in gebrochenem Deutsch), sie würden
    immer noch auf mein Schreiben warten. Als ich ihr sagte, das
    angekündigte Formular sei nie angekommen schlug sie vor dieses
    per Fax zu schicken.

    3. Anruf: Wenige Minuten später rief sie an, um zu fragen, ob das
    Fax leserlich sei. Ich hatte es aber noch nicht kontrolliert und
    sagte, ich werde mich melden, wenn es ein Problem gäbe. Nur
    wiederwillig gab Sie mir eine Telefonnummer und ihren Namen für
    einen allfälligen Rückruf.

    Als ich unterdessen das Fax genau durchlas, sah ich, dass es sich um
    ein Bestellformular für eine teure Anzeige und mitnichten um ein
    Kündigungsformular handelte. Der Firmensitz ist laut Fax in
    Istanbul.

    4. Anruf: Heute rief die selbe Frau Bitter noch einmal an, um zu
    reklamieren, dass ich das Formular noch nicht geschickt hätte.
    Als ich Sie damit konfrontierte, dass es sich um ein Bestellfax
    handelte behauptete Sie weiterhin steif und fest, dass es eine
    Kündigung sei. Daraufhin bezichtigte ich Ihre Firma des Betruges
    und kündigte an Schritte einzuleiten. Da legte sie auf.

    Von den, als amtlich getarnten, Anzeigenangeboten wurde ich bereits
    vor Jahren gewarnt und so bin ich zum Glück nie auf so etwas
    hereingefallen. Diese Masche ist mir allerdings neu und ich finde sie
    extrem frech.
  • martin1973 | 02.03.2009, 12:26

    Anruf von Frau Glück

    Mich rief im November 2008 eine Frau Glück dieser Firma an. Bla,
    bla, bla auf Hochdeutsch. Sie wollen einem die Ohren vollstopfen und
    sagen, dass die Anzeige schon rund ein halbes Jahr GRATIS laufe. Wolle
    man dies nun bestellen, müsse man dies auf nachfolgendem,
    zugeschicktem Formular unterzeichnen. Wolle man dies NICHT machen,
    müsse man den gekenzeichneten (per Kreuz) Satz unterzeichnen.

    OK, dies wollte ich ja: Keine weitere Inserate und deshalb hätte
    ich laut Frau Glück unterzeichnen müssen (Abschnitt MIT
    Kreuz).

    Ich machte dies und erlebte mein negatives Wunder. Rechnung in
    Höhe von 1500.-. Ich reklamierte, per Telefon war dies nicht
    möglich (sehr überaus nette Stimme verwies mich auf
    später oder bei hinterlassen der Tel.nummer, würde man mich
    zurückrufen). Also schrieb ich eine kurze E-Mail. Dies wurde
    vorerst nicht akzeptiert. Deshalb eine zweite E-Mail, nachdem ich mich
    via Suchmaschine über die Firma INCOM informierte. Ich verwies
    auf einen Kontakt mit der Redaktion des Kassensturzes über
    diesen, meinen Fall und schrieb ganz klar: ich zahle NICHT.

    Heute, 2.3.2009, bekam ich einen Brief, man (INCOM via
    Rechnungssteller DeBi Advice, Berlin), storniere alles mit sofortiger
    Wirkung.

    Eine richtig dreckige Firma, diese INCOM Solutions Ltd. London!!!
    Lasst Euch nicht zur Ruhe und zum Zahlen verdonnern und lasst Euch
    nicht unnötige Angst eintreiben. Wehr Euch, solange Ihr
    könnt.

    Mit freundlichen Grüssen

    Martin Steinmann - mit einem kleinen Heissluftballonbetrieb
  • MimoxAG | 23.01.2009, 11:13

    Anruf von Frau Sutter

    Soeben versuchte diese Firma uns über den Tisch zu ziehen. Eine
    Frau Sutter erklärte mir, dass wir einen laufenden Eintrag in der
    Informationsbroschüre haben. Neuerdings müssten sie aber die
    Kunden darüber informieren, dass bei keiner Kündigung dieser
    Eintrag für ein weiteres Jahr verlängert wird.

    Diese Firma ist nicht einfach unseriös, sondern betreibt echten
    Betrug! Sie leugnen dem Kunden etwas vor, dass er gar nie
    abgeschlossen hatte.

    Eine Klage gegen diese Firma würde wahrscheinlich helfen!

    Dank K-Tipp konnten wir diesen Betrug zum Glück verhindern!
    Vielen Dank!

    MfG

    Mimox AG
  • styropor | 12.08.2008, 13:21

    Again...

    die haben's heute grad wieder versucht. Nummer war beim Anruf
    unterdrückt. Eine Frau Bella hat sich in hochdeutscher Sprache
    gemeldet. Sollten sich was schämen!
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