Zwei Schlafsäcke wärmen ungenügend

K-Tipp 11/2007 vom | aktualisiert am

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Daunen oder Kunstfaser? Günstig oder teuer? Ein Schlafsack mit Daunenfüllung sticht alle aus. Aber auch günstige Schlafsäcke mit Kunstfasern isolieren «gut».

Ein wichtiger Punkt für einen guten Schlaf ist die Temperatur. Beim Campieren möchte man sich deshalb darauf verlassen können, dass man im Schlafsack nicht friert.

K-Tipp und Kassensturz haben zwölf Drei-Saison-Schlafsäcke untersuchen lassen, also solche, die im Frühling, Sommer und Herbst bei mässig tiefen Temperaturen zum Einsatz kommen. Drei-Saison-Modelle sind auch die am meisten verkauften. Der untere deklarierte Temperaturbereich («Limit», siehe Tipps auf Seite 18) der 12 getesteten Modelle musste zwischen +2 und -2 °C liegen.


Trotz fünfmalige- Waschens schön warm

Die Empa St. Gallen hat die Wärme-Isolation im unteren Bereich getestet - im Neuzustand und nach fünfmaligem Waschen. Weiter beurteilte die Empa das Gewicht und das Packvolumen. Die Preise der 12 Modelle reichen von 39 bis 369 Franken. Drei Viertel der Schlafsäcke sind mit Kunstfasern gefüllt, die restlichen mit Daunen.

Das Resultat: Unter den «guten» Schlafsäcken ?nden sich zwei günstige.
- Ins Auge sticht vor allem Trevolution Summer Dream aus der Migros für 39 Franken. Die Isolationswerte sind gleich gut wie bei den meisten Konkurrenten. Und auch nach fünfmal waschen bleibt es im Schlafsack so warm wie zuvor. Nachteil: Gewicht und Packvolumen überzeugen nicht. Wer also längere Wanderungen plant, kauft besser einen leichteren, kleineren Schlafsack.
- Ähnliche Werte erreicht Black Bear Colorado: Die Isolation verschlechtert sich durch Waschen nur wenig. Der Schlafsack lässt sich kleiner schnüren als Summer Dream und bietet für 108 Franken ein überzeugendes Preis-LeistungsVerhältnis.

Mammut Ajungilak Kompakt, das beste Kunstfaser-Produkt, muss sich vor den guten Daunen-Modellen nicht verstecken, kostet aber 239 Franken.

Der teuerste Daunenschlafsack belegt Platz zwei: Exped isoliert gut und hat nach dem Waschen den für Daunenfüllungen typischen, wenn auch geringen Isolationsverlust. Das Packvolumen ist aber etwas gross.


Leichtgewicht als Testsieger

Klar am besten schneidet Testsieger Highlight Tropicana ab. Mit diesem Daunen-Schlafsack gibts keine kalten Füsse. Er ist mit 670 Gramm am leichtesten und braucht nur wenig Stauraum. Das Gesamturteil «sehr gut» hat er bloss knapp verpasst. Sein einziger Schwachpunkt: Auch Tropicana ist vor Isolationsverlust nach dem Waschen nicht gefeit.

Das dritte Daunen-Modell fällt jedoch ab: Mammut Ajungilak Taiga isoliert nach dem Waschen deutlich schlechter. Mammut kann sich das nicht erklären.

Wie auch immer: Den Taiga sollte man besser nicht waschen. Dasselbe gilt für die Schlusslichter im Test, Schlafsäcke der Marken High Peak und Vaude.

Die drei Modelle von Salewa, Vaude und High Peak (Coop) sind «ungenügend». Ungewaschen ist die Wärmedämmung des High-Peak-Schlafsacks Pak 1600 knapp akzeptabel, jene von Salewa Snowfox Light und Vaude Snow Cloud Light schon zu Beginn schlecht.

Vaude zum Testresultat: Messungen in einem anerkannten spanischen Labor sowie Praxistests hätten bessere Resultate ergeben, die zudem mit der Deklaration übereinstimmten. Die festgestellte Verschlechterung der Wärme-Isolation sei «nicht nachvollziehbar».

Coop schreibt, es sei normal, dass der Isolationswert beim Waschen abnehme. Zudem seien Grösse und Gewicht «für Anwender dieses Produkttyps nicht sehr relevant». Die Migros argumentiert umgekehrt: Bei Salewa Snowfox Light stehe «nicht der Isolationswert im Mittelpunkt, sondern das kompakte Packmass und das geringe Gewicht».


Kauf- und Pflegetipps

Damit Sie mit Ihrem Schlafsack lange zufrieden sind, sollten Sie einige Punkte beachten:
- Campieren Sie mit dem Schlafsack im Sommer am Mittelmeer oder übernachten Sie in einer ungeheizten Berghütte? Wer weiss, was er braucht, umgeht einen Fehlkauf.
- Angeboten werden Winter-, Sommer- und 3-Saison-Schlafsäcke. Lesehilfe für Angaben: «Komfort» steht für die Aussentemperatur, bei der eine 60-kg-Frau im Schlafsack nicht friert, «Limit» für die gleiche Aussage bei einem 70-kg-Mann, «Extrem» für die Temperatur, bei der man im Schlafsack nicht erfriert.
- Richtige Länge wählen: Ist der Schlafsack zu gross, friert man, weil man den Hohlraum an den Füssen nicht aufheizen kann, in einem zu kleinen, weil der Oberkörper rausrutscht.
- Die Kapuzengrösse sollte verstellbar sein, damit man nicht an den Kopf friert.
- Mumienschlafsäcke sind gut gegen kalte Füsse. Nachteil: Häu?g ist der Reissverschluss an der Seite. Ist - wie bei vielen rechteckigen Modellen - ein zweiter Reissverschluss am Fussende, kann man dort Wärme entweichen lassen.
- Immer eine Isoliermatte mitnehmen: Wird die Füllung durch das Körpergewicht zusammengedrückt, kann der Schlafsack an der Stelle kaum mehr isolieren.
- Wird der Schlafsack voraussichtlich öfter feucht, ziehen Sie Kunstfasern vor. Nasse Daunen isolieren schlechter.
- Nylon oder Polyester als Aussenstoff lassen Feuchtigkeit entweichen. Teure Modelle gibts auch aus Spezialstoffen (atmungsaktiv und winddicht).
- Nylon als Innenstoff: Es ist leicht, schmutzabweisend und trocknet schnell. Ein dünner Seiden- oder Baumwollschlafsack als Einlage schützt den Schlafsack gegen Schmutz und ist angenehmer auf der Haut.
- Reissverschlüsse müssen von innen bedienbar sein. Eine Wulst als Abdeckung verhindert, dass Wärme austritt.
- Die Nähte dürfen nicht durchgesteppt sein. Sonst entweicht dort die Wärme praktisch ohne Isolation.
- Fahren Sie stets per Auto zum Camping, sind Schlafsackgewicht und Packvolumen unwichtig.
- Daunen-Modelle sind meist kleiner und leichter.
- Schlafsäcke möglichst wenig waschen. Auch für Kunstfaser-Modelle ein «rückfettendes» Daunen-Waschmittel verwenden.
- Schlafsack nicht an der Sonne trocknen. Daunen-Schlafsäcke während des Trocknens immer wieder schütteln.
- Trocknen von Daunen-Schlafsäcken im Tumbler: einen Tennisball dazulegen.
- Schlafsack zum Lagern aufhängen.



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