Tastaturreiniger: Bei Bakterien versagen viele

saldo 09/2014 vom | aktualisiert am

von

Auf Computer­tastaturen wimmelt es von Bakterien. Deshalb sollte man sie ­regelmässig ­putzen. Doch nicht alle Spezialprodukte sind wirksam. Das zeigt der saldo-Test.

Frühjahrsputz: Vier Mittel bekämpfen Keime ungenügend (Bild: Keystone)

Frühjahrsputz: Vier Mittel bekämpfen Keime ungenügend (Bild: Keystone)

Kaffeeflecken oder Fettspuren auf der Tastatur motivieren zu einer Reinigung. Das englische Konsumentenmagazin «Which» hat aber auch festgestellt, dass andere Verunreinigungen noch unappetitlicher sind: Sie entdeckten auf Tastaturen mehr Keime als auf WC-Sitzen. Einige dieser Bakterien können Hautkrankheiten oder Lungenentzündungen auslösen. 

Wer seine Tastatur reinigen möchte, kann aus vielen unterschiedlichen Produkten auswählen: Reinigungstücher, Flüssigkeiten oder gar einer Reinigungs-Knetmasse, die man auf die Tastatur drückt, einwirken lässt und dann abwischt. 

Nur ein Produkt beseitigte alle getesteten Keimarten

saldo liess acht der meistverkauften Mittel testen. Die Kriterien: Fleckenentfernung und Handhabung. Ein zweites Labor überprüfte, ob die Reiniger krankheitser­regende Keime wie Staphylococcus aureus, Proteus mirabilis und Pseudomonas ­aeruginosa abtöten können. Das Resultat: Drei Produkte erhielten das Gesamturteil gut. Bei der Reduzierung von Keimen schwangen die «desinfizierenden Reinigungstücher» von Roline obenaus. Sie töteten alle drei Keim­arten ab. Auch das zweitgünstigste Produkt im Test, die Fellowes-Reinigungstücher, und die Reinigungsmasse von Cyber Clean erzielten gute Werte in der mikrobiologischen Untersuchung. Beide Produkte reduzierten die Bakterienzahl auf höchstens einen Hundertstel. Zum Vergleich: Die Tester der Jade Hochschule überprüften auch, wie gut reines Leitungswasser und das Flächendesinfektionsmittel Bacillol die Keime abtöten. Sie stellten fest: Leitungswasser hat keine desinfizierende Wirkung. Bacillol hingegen reduzierte die Keimzahl auf einen Zehntausendstel. Solche Werte erreichte keines der Produkte.

Wer Kaffee oder Coca-Cola auf die Tastatur ausschüttet, will die Flecken möglichst rückstandsfrei wieder weghaben. saldo testete, ob die Produkte auch solche hartnäckigen Flecken entfernen. Dabei zeigt sich: Die meisten Reiniger entfernten selbst eingetrocknete Coca-Cola- und Kaffeeflecken bei einer Anwendung mit wenig oder keinen Rückständen. Einzig bei den «PC-Clene»-Reinigungstüchern von AF deutlich sichtbare Flecken zurück. Grund: Die Tücher rissen bei der Anwendung.

Bei der Käseschmiere mussten die meisten Reiniger Forfait geben

Ausserdem wurde die Reinigungsleistung bei Fettflecken getestet. Dazu überzogen die Tester die Kunststofffläche mit einer dünnen Käseschicht. Hier hatten die Reiniger mehr Mühe. Stets blieb eine Fettspur auf der Fläche sichtbar.

Das Unternehmen Kleinmann, Hersteller des «Data-Flash»-Reinigungssets, kritisiert die Testanlage bei der Reinigungsleistung: «Wer Cola oder Käse auf seine ­Tastatur kleckert und diese Verunreinigungen vor der Beseitigung 24 Stunden antrocknen lässt, der überschreitet eindeutig, was zu einer alltäglichen Verschmutzung zählt», sagt Sprecher Gunnar Mitzkat. 

Bei vier Produkten blieben im Test viele Bakterien zurück

Vier Produkte schnitten bei der mikrobiologischen Untersuchung ungenügend ab: die Tücher «PC-Clene» von AF, die «Pronto Multiflächentücher» von SC Johnson, das Tastatur- und Bildschirmreinigungsset von 3M sowie das Reinigungsset von Data Flash. Bei allen vier Produkten blieben nach dem Test noch viele Bakterien zurück. 

Die beiden Unternehmen AF und SC Johnson wollten das Testergebnis nicht kommentieren. Die Herstellerfirma des Reinigungssets Data Flash wiederum hält fest,  dass das Unternehmen für die Desinfektion spezielle Mittel im Sortiment führe: «Bei unregelmässiger Reinigung der Tastatur und bei schwerer Verunreinigung und Kontaminierung muss zu einem Mittel mit stärkerer antibakterieller Wirkung gegriffen werden», rät Sprecher Gunnar Mitzkat.  

Hersteller 3M stellt «als Sofortmassnahme» die Auslieferung ein

Im Set von 3M fanden die Tester sogar neue Keime, die zu den sogenannten gram-negativen Bakterien gehören. Diese können bedingt  krankmachend sein und haben in einem Reinigungsmittel nichts zu suchen. «Es darf nicht sein, dass man eine Tastatur reinigen will und stattdessen noch weitere Bakterien auf die Tastatur sprüht», sagt Detlef Ihnen, Prüfleiter der Jade Hochschule.

Die Firma 3M sagt dazu, sie nehme die Testresultate ernst und überprüfe den zugesandten Laborbericht. Sie könne aber zu diesem Zeitpunkt die Ergebnisse und Schlussfolgerungen nicht bestätigen. Dennoch hat 3M «als Sofortmassnahme die Auslieferung des Produkts eingestellt».

Tipp: So reinigen Sie die Tastatur

  • Tastatur vom Computer entfernen.
  • Bei leichter Verschmutzung reicht es, die Tastatur umzudrehen und leicht auf die Rückseite zu ­klopfen, um Staub aus den ­Zwischenräumen zu ­entfernen.
  • Flecken lassen sich mit Reinigungstüchern, Tastaturreiniger oder einem Mikrofasertuch entfernen.
  • Wenn es viel Staub ­zwischen den Ritzen hat, kann man auch den Staubsauger verwenden. Den Sauger auf die tiefste Saugstufe einstellen.
  • Bei sehr starker Verschmutzung können vor der Reinigung die einzelnen Tasten abgelöst werden. Vorher ein Foto der Tastatur machen, damit man sie wieder richtig zusammensetzen kann. Manche ­Tastaturen lassen sich auch aufschrauben, was die Reinigung erleichtert. 

So wurde getestet: Cola, Staub, Kaffee, Käseschmiere und Bakterien waren zu bewältigen

Das Prüfinstitut PZT in Wilhelmshaven (D) testete die Reinigungsleistung und die Handhabung der Tastatur­reiniger. Die Jade Hochschule Wilhelmshaven überprüfte die Keimreduzierung der Produkte.

  • Reinigungsleistung: Die Tester verschmutzten eine Kunststofffläche mit Coca-Cola und Staub. 24 Stunden später wurden die Reiniger je nach Gebrauchsanleitung direkt oder verdünnt auf ein Tuch gegeben. Dann wurde das Tuch mit einem Gewicht von 500 Gramm über die Fläche gezogen. Ebenso erfolgte der Test mit Kaffee und mit einer Käseschmiere, um die Fettent­fernung zu überprüfen. Drei Personen beurteilten nach jedem Test das Resultat.
  • Keimreduzierung: Das Labor führte einen Andruck- und einen Praxistest durch. Beim Andrucktest trugen die Tester eine Bouillonlösung mit den potenziellen Krankheitserregern Staphylococcus aureus, Proteus mirabilis und Pseudomonas aeruginosa auf ein Plättchen auf, drückten Reiniger dazu und liessen ihn zehn Minuten einwirken. Danach zählten sie aus, wie viele Keime übrig blieben. Beim praxisnahen Test wurden Computertasten mit ­Bouillon und Bakterien verschmutzt. Dann wischten die Tester die ­Tasten mit den Reinigern ab und zählten die restlichen Keime. Beide Tests wiederholte das Labor mit Leitungswasser und Bacillol.
  • Handhabung: Drei Per­sonen beurteilten, ob die Anleitung verständlich ist, ob das Reinigungsprozedere aufwendig ist und ob sie mit den Reinigern auch Räume zwischen den Tasten gut erreichen.
0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Weitere Tests: Tastaturreiniger

Teppichreiniger: Schaumreiniger schnitten schlecht ab

Neues Energielabel für Staubsauger