Schlechte Noten für Labor-Prints

K-Tipp 12/2001 vom

Papierbilder von Online-Fotodiensten Schnelle Lieferung, unbefriedigende Bildqualität

Fotolabors machen auch Papierabzüge von digitalen Bildern. Der K-Tipp hat acht Online-Fotodienste getestet. Fazit: Die Papierbilder aus dem Labor sind nicht besser als Prints von einem guten Farbdrucker.

Rolf Muntwyler rom@ktipp.ch

Digitale Ferienbilder am PC anzuschauen ist nicht jedermanns Sache. Doch auch wer digital fotografiert, muss nicht auf Papierbilder verzichten. Elektronische Bilddaten bringen sogar Vorteile: Bevor aus Bildschirm-Ansichten Papierbilder werden, kann man die besten Sujets auswählen und fehlerhafte verbessern, zum Beispiel Augen, die vom grellen Blitzlicht rot wurden.

Die elektronisch gespeicherten Bilder schickt man am schnellsten per Internet ins Fotolabor. Wer über die technische Ausrüstung verfügt, kann die Bilder auch auf einem Datenträger speichern und sie in ein Fotogeschäft bringen. Mit einem leistungsfähigen Farbdrucker kann man die Bilder auch zu Hause ausdrucken.


Immer mehr Fotografen ziehen den Computer dem Fotoalbum vor

Die Digitalfotografie erlebt zurzeit einen Boom. Die Zahl der verkauften Digitalkameras verdoppelt sich jährlich. Davon profitieren auch die Anbieter im Internet, seien es die traditionellen Fotolabors oder Fotodienste, die sich auf Digitalfotos spezialisiert haben: Sie verkaufen immer mehr Papierfotos, die Kunden über Internet in Auftrag geben.

Doch es sind nicht nur Besitzer von Digitalkameras, welche die Möglichkeiten der digitalen Speicherung und Übertragung von Bilddaten nutzen. Viele Hobbyfotografen lassen ihre herkömmlichen Filme entwickeln, bestellen aber im Gegensatz zu früher keine Papierabzüge mehr, sondern nur noch eine CD mit den gespeicherten Bilddaten der entwickelten Fotos. Zu Hause am Computer-Bildschirm wählen sie dann aus, welche Fotos sie übers Internet bestellen möchten.

Doch wie gut ist die Qualität der Prints, welche die Kunden von den Online-Anbietern nach Hause geschickt bekommen? Der K-Tipp schickte je 17 Bilder per Internet an acht Fotolabors. Die Bilder wurden mit einer Canon Digital Ixus aufgenommen. Um zu testen, ob und wie die Fotolabors Fehler korrigieren, hat der K-Tipp auch Fotos mit verschiedenen Motiven eingeschickt, die für Hobbyfotografen typische Fehler aufwiesen. Im Detail:

- Innenaufnahmen mit Blitzlicht (2 Fotos)

- Gegenlichtaufnahmen (2)

- Aufnahme mit Graustufen (1)

- Fotos mit Hauttönen (2)

- Kunstlicht- (2) und Mischlicht-Aufnahmen (1)

- überbelichtete (1) und unterbelichtete Bilder (2)

- Panorama-Aufnahme (1).

Drei Foto-Fachleute nahmen die gelieferten Prints unter die Lupe und verteilten (Schul-)Noten: ein Experte für Digitalfotografie, ein Fotograf und ein Fachmann für Labortechnik. Die Testbilder verglichen die Prüfer mit einem Ausdruck von einem Epson-Tintenstrahldrucker. Wichtige Kriterien bei der Bewertung waren Bildschärfe, Kontrast und unerwünschte Farbstiche.

Neben der Qualität der Prints bewertete der K-Tipp auch, wie lange es dauerte, bis die Fotos im Briefkasten lagen, sowie den Komfort beim Bestellen im Internet:

- Erscheint vor der definitiven Bestellung eine Liste der bestellten Bilder mit dem Kostentotal inklusive Versandkosten?

- Kann der Besteller im Internet-Browser oder im Bestellprogramm weisse Ränder abschneiden?

- Erscheint eine Warnung bei einer zu schlechten Auflösung der Bilddateien?

- Erhalten die Kunden eine Bestätigung, dass die Bestellung angekommen ist?

Während die Internetlabors bei der Bewertung des Service allgemein gut abschnitten, versagten die meisten bei der Qualität der Fotos. Bei diesem Kriterium bekamen nur drei eine genügende Note; am besten waren die Bilder von Photocolor Kreuzlingen mit der Note 4,4.


Farbdrucker macht gleich gute Bilder wie der Testsieger

Die Überraschung: Dieselbe Note für die Bildqualität erhielten jene Prints, die wir mit dem Farbdrucker Epson Stylus Photo 870 auf «Premium Photo Papier» ausdruckten. Damit stellte ein relativ günstiger Farbdrucker (Fr. 549.-) sieben der acht Fotolabors in den Schatten. Auf die mässigen bis schlechten Bilder angesprochen, geben die Labors an, sie würden digitale Bilder nicht korrigieren. Das ist auch beim Testsieger nicht anders. «Wir nehmen grundsätzlich keine Änderungen vor», sagt Carsten Peters, Marketing-Leiter bei Photocolor Kreuzlingen. Beim traditionellen Film seien Korrekturen selbstverständlich. Bei digitalen Fotos hingegen könnten Kunden die Bilder selber bearbeiten. «Die hätten gar keine Freude, wenn wir absichtlich veränderte Bilder wieder korrigieren würden.» Und das Fotolabor könne ja nicht wissen, welche Kunden bearbeitete Bilder schickten.

Bei diesem Vorgehen kommen aber all jene Laienfotografen zu kurz, die mit der Digitalkamera wie mit herkömmlichen Filmen Bilder schiessen und von Prints die gleiche Qualität erwarten wie mit dem altbekannten Verfahren.

Hinzu kommt, dass viele Leute zu Hause gar nicht beurteilen können, ob ihre Bilder optimal sind. Denn nur ein Top-Bildschirm mit der richtigen Software kann Farben perfekt darstellen. Müsste der Kunde beim Bestellen nicht wählen können, ob er bei seinen Bildern eine Korrektur möchte? «Unbedingt», sagt Fabrice Lago vom Fotolabo-Club, «das wird mit einer neuen Bestell-Software bei uns möglich.»


Labors akzeptieren die schlechten Noten zähneknirschend

Doch die fehlenden Korrekturen der Anbieter sind nicht die einzige Ursache für die mässige Bildqualität. Das beweisen die mit dem Farbdrucker gedruckten Vergleichsbilder, welche die Experten gleich gut benoteten wie die des Testsiegers Photocolor Kreuzlingen. Diese Bilddateien waren ebenfalls nicht korrigiert. Offensichtlich ist der Vorsprung der professionellen Belichtungsverfahren der Labors auf die gängigen Tintenstrahldrucker nicht sehr gross.

Die Fotolabors reagierten enttäuscht auf die Benotung. Fabrice Lago vom Fotolabo-Club hat die gleichen Fotos noch einmal printen lassen, um die K-Tipp-Resultate nachzuvollziehen. Nach dieser internen Überprüfung ist er mit dem harten K-Tipp-Urteil einverstanden. Nun erhofft sich Lago eine markante Verbesserung, wenn das Fotolabor Ende Juli neue Belichtungsmaschinen in Betrieb nimmt. «Die Bildqualität wird dann unvergleichlich besser sein.»

Colormailer, Weltbild und Fujifilm akzeptieren etwas ernüchtert die K-Tipp-Noten. Nico Lugt von Colormailer verweist auf Tests in Deutschland, bei denen Colormailer gut abgeschnitten habe. Bruno Bättig, der Geschäftsleiter von Dreamworld, findet die Testanlage falsch. «Es müsste der Service viel stärker gewichtet werden.» Doch war Dreamworld nur bei der Lieferfrist am besten.

Dank guter Bewertung des Service konnten die meisten Anbieter ihre Note etwas aufbessern. Bei allen Anbietern ist die Bestellung aber eine Geduldssache. Es dauert Minuten, bis 17 Bilder übermittelt sind - wie lange, hängt auch von der eigenen Ausrüstung ab.

Beim Epson-Drucker haben wir den Service nicht bewerten können. Nur soviel: Auch beim eigenen Drucker können die Bilder anders aussehen als auf dem Bildschirm. Ein grosses Handicap ist hier die Lichtbeständigkeit der Farben. Wer Fotos fürs Leben möchte, druckt seine Erinnerungen besser nicht mit dem eigenen Tintenstrahldrucker aus.

Ein Fazit lieferte einer der Test-experten schon vor dem Test: «Die Qualität von Bildern ab Negativ ist unerreicht.» Damit trifft er den Nagel zweifellos auf den Kopf.

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Mit und ohne Internet: So kommen Sie zu Foto-Prints

Für die Bestellung der Bilder gibt es je nach Fotolabor eine andere Methode.

- Bei Photocolor Kreuzlingen, Fotolabo-Club und Colormailer lädt man ein Bestellprogramm auf seinen Computer. Hat man das Programm installiert, muss man sich nur noch mit der «Weiter»-Taste durchklicken und die Bilder laden. Gut: Weisse Ränder lassen sich mit einer Zuschneide-Funktion vermeiden; bei Unterbruch beim Laden der Bilder kann man dort weiterfahren, wo man stecken geblieben ist; ein Passwort ist nicht notwendig. Übrigens lassen sich bei Colormailer Fotos auch direkt im Browser laden.

- Die Fotoservice von Yellow World und Weltbild wickeln Bestellungen über ein ähnliches Programm ab, das man aber nicht herunterladen muss. Es erscheint als zusätzliches Fenster auf dem Bildschirm. Eine gute Lösung, vor allem auch für Leute, die lieber keine Bestell-Software auf ihrem Computer mögen.

- Bei Fotango und bei Fujifilm lädt man die Daten direkt im Browser (Internet-Programm). Das ist wegen dauerndem Klicken und Scrollen unangenehmer - und es dauerte bei den Testbestellungen deutlich länger als mit den anderen Methoden. Fotango ist ein Online-Fotoalbum; zuerst lädt man die Bilder in sein Fotoalbum, dann erst kann man sie bestellen.

- Bei Dreamworld lädt man die Fotos einzeln im Browser und schickt sie einzeln.


MIt den Daten ins Fotogeschäft

Wer keinen Internet-Anschluss hat, kann seine Bilder auch auf einem Speichermedium in ein Fotogeschäft bringen. Da 3,5-Zoll-Disketten zu wenig Speicher haben, sind grössere Datenträger nötig. Dazu benötigt man aber zusätzliche Geräte: zum Beispiel ein Zip-Laufwerk, um die Daten auf eine Zip-Diskette zu kopieren, oder einen CD-Brenner, um die Daten auf CDs zu brennen. Teilweise kann man auch den Speicher der Kamera (Memory Stick) direkt ins Labor bringen.


Sieben Fotogeschäfte im Test

Die Zeitschrift PC-Tip hat in der Februar-Ausgabe 2001 den Digitalservice von sieben Fotogeschäften getestet, die Papier-bilder von digitalen Bilddaten ab Datenträgern anfertigen. Bewertet wurden zu je 25 % Beratungskompetenz, Bildqualität, Schnelligkeit und die Preise.

Die besten Noten erhielten in dieser Reihenfolge Foto Factory (Zürich), Intercolor (Basel), Foto Hobby (Zürich, Winterthur) sowie Foto Optik Schaich (Baden).

Den ausführlichen Test finden Sie im Internet unter: www.pctip.ch/archiv/2001/2.asp
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