Schlaffe Schläuche: Die Luft ist schnell raus

K-Tipp 14/2001 vom

Veloschläuche für City-Bikes 5 von 11 schnitten im Test «ungenügend» ab

Einmal im Monat neu pumpen: Das blüht all jenen, die mit schlechten Veloschläuchen fahren. Das beste Produkt im K-Tipp-Test braucht erst nach 53 Tagen neue Luft.

Rolf Muntwyler rom@ktipp.ch

Sich schnell aufs Velo schwingen und zum Kiosk um die Ecke fahren - daraus wird oft nichts, weil der Reifen platt ist. Nicht ein gemeiner Sabotageakt ist schuld daran - und auch kein Nagel. Auch ohne Einwirkung von aussen entweicht Luft aus dem Schlauch. Je schlechter der Schlauch, desto häufiger ist Nachpumpen angesagt.

Echte Sportler mag das nicht weiter stören, weil sie die Reifen ihrer Bikes sowieso vor jeder Fahrt auf den Idealdruck pumpen. Für Alltags- und Gelegenheitsfahrer ist ein «Plattfuss» jedoch ein Ärgernis.

Wer dem vorbeugen will, muss beim Veloschlauch auf Qualität achten. Deshalb hat der K-Tipp bei Grossverteilern, Versandhändlern und im Fachhandel Schläuche mit Autoventil gekauft und sie beim Labor Engineering Communication in Bertschikon ZH testen lassen. Es handelte sich dabei um Schläuche für 28-Zoll-Felgen, Dimension 700 x 35, wie sie für gängige City-Bikes verwendet werden.


Kein Veloschlauch im Test hielt 60 Tage dicht

Das Labor wollte herausfinden, wie viel Luft ein Schlauch in zwei Monaten verliert. Von jedem Modell montierten die Tester zwei Schläuche mit Pneus auf Felgen, pumpten die Reifen mit 4 bar Luftdruck und hängten sie während 60 Tagen auf. Nach Ablauf der 60 Tage massen sie bei jedem Schlauch den Luftdruck. Ergebnis: Die Schläuche schnitten im Test sehr unterschiedlich ab. Nach 60 Tagen wiesen sie noch einen Luftdruck zwischen 1,3 und 2,3 bar auf. Für die Bewertung zählte immer das schlechtere Resultat der beiden getesteten Schläuche. Ergebnisse bis 2 bar hat der K-Tipp noch mit «genügend» bewertet, unter diesem Wert heisst das Urteil «ungenügend».

Bei etwa 2,5 bar muss ein Schlauch wieder gepumpt werden, damit ein Velo fahrtauglich ist. Das bedeutet, dass alle Reifen schon vor Ablauf der 60 Tage hätten gepumpt werden müssen. Den Testsieger Continental Hermetic S muss man nach zirka 53 Tagen nachpumpen. Die beiden schlechtesten Produkte im Test Profex Fahrradschlauch und Bel Pneu brauchen bereits nach 33 Tagen neue Luft.

Zum schlechten Abschneiden des Profex-Schlauches schreibt Peter Stefani von Jumbo, er verlange von seinem Lieferanten eine Qualitätsverbesserung, andernfalls werde Jumbo aufgrund dieser Resultate «in Erwägung ziehen, den Lieferanten zu wechseln».

Auch die Firma Ritchey International reagierte auf das ungenügende Resultat ihres Produkts. Wegen zu grosser Luftverluste des Ritchey Butyl Tube habe Ritchey die Produktion dieses Schlauches schon vor zwei Jahren eingestellt, liess Ritchey den K-Tipp wissen. Dennoch war dieses Produkt noch Anfang Juni dieses Jahres im Fachhandel erhältlich.

Mit 17 Franken war der Kenda Thorn Resistant Tube mit Abstand das teuerste Produkt im Test. Dieser Schlauch habe sehr starke Wände und sei deshalb viel weniger anfällig für Löcher, begründet Rino Bernasconi vom Importeur Belimport den vergleichsweise hohen Preis.


Top-Werte für ein neues Produkt

Ausgezeichnet schnitt im Test ein neu entwickeltes Produkt ab, das aber ausser Konkurrenz geprüft wurde: der Michelin Air Plus. Nach 60 Tagen wies der Veloschlauch noch immer 3,2 bar Luftdruck auf. Er hält also die Luft doppelt so gut zurück wie der Testsieger Continental Hermetic S. Eine Luftauffrischung ist beim Michelin Air Plus erst nach 113 Tagen angezeigt.

Diese Werte hätten für 100 Punkte und die Bestnote «sehr gut» gereicht. Doch der Schlauch ist in der Schweiz noch nicht erhältlich. Er wurde von der Herstellerin direkt ans Testlabor geliefert. Weil der K-Tipp seine Prüflinge aus Prinzip immer selber im Laden einkauft, hat ihn das Labor ausser Konkurrenz mitgetestet.

Laut Bruno Schnider, Produkt-Manager bei Michelin Schweiz, soll der inoffizielle Sieger noch vor Ende September bei Vitelli Velobedarf in Basel für 15 Franken zu beziehen sein.

Übrigens: Wer auf Tempo aus ist, fährt auch gut mit Latex-Schläuchen. Sie sind elastischer und haben einen geringeren Rollwiderstand. Allerdings verlieren sie die Luft deutlich schneller als die Gummihülle aus Butyl - und sie sind teurer.

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Den «Platten» selber beheben

Veloschläuche sind empfindlich. Wer den Schlauch eigenhändig wechseln oder flicken will, sollte dabei einige Dinge beachten:

- Im Pneu dürfen keine Fremdkörper vorhanden sein. Sie können den Schlauch beim Fahren beschädigen.

- Der Schlauch darf an keiner Stelle verdreht sein.

- Klemmen Sie den Schlauch nicht zwischen Felge und Pneu ein.

- Montieren Sie Schlauch und Reifen nach Möglichkeit von Hand. Wenn Sie Reifenhebel benützen, dann solche aus Plastik. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass Sie den Pneuwulst nicht beschädigen.

- Talkum, ein weisses Puder, ist vor allem beim Montieren hilfreich. Einige Schläuche sind beim Kauf bereits getalkt.

- Wichtig: Pumpen Sie den Pneu nach dem Montieren hart auf, so kann sich der Reifen richtig an die Felge pressen. Lassen Sie danach so viel Luft entweichen, bis der Reifen die gewünschte Härte hat. Gibt er nur noch wenig nach, wenn man ihn mit der Hand zusammendrückt, ist der Luftdruck ideal für den Alltagsgebrauch des Velos.



Ventile - Das passende Ventil

Für Veloschläuche gibt es drei unterschiedliche Ventiltypen. Jedes Ventil hat Vor- und Nachteile.

- Sclaverand/französisches Ventil: Ist schmal und passt deshalb in jede Felge. Weil es einen geringen Pumpwiderstand hat, ist es gut für Handpumpen geeignet.

- Autoventil/SchraderVentil: Schläuche mit Schrader-Ventil kann man mit dem Kompressor an jeder Tankstelle aufpumpen. Achtung: Das Autoventil kann für das Ventilloch in der Felge zu gross sein.

- Dunlop-Ventil: Wird heute nicht mehr so häufig verwendet. Das Dunlop-Ventil passt nicht in dünne Ventillöcher. Wer auf doppelwandigen Felgen (Hochschulter-Felgen) radelt, der sollte beim Kauf darauf achten, dass das Ventil lang genug ist. Im Test hat sich gezeigt, dass die Ventile von Continental, Cheng Shin, Vredestein und Schwalbe für doppelwandige Felgen sehr knapp bemessen sind.
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