Haarreduktion: Effizient und schmerzarm – aber teuer

saldo 10/2012 vom

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Haarentfernung mittels Lichtenergie ist wirksam, die meisten Geräte sind gut. Das ergab ein Test von saldo und Kassensturz. Epilierer, welche die Haare samt Wurzel ausrupfen, sind zwar in der Anwendung schneller und billiger, aber schmerzhafter.

Behaarte Frauenbeine oder Achseln entsprechen nicht dem gängigen Schönheitsideal. Und immer mehr Frauen und zum Teil auch Männer wollen sie am liebsten für immer verschwinden lassen. Haarentfernungsmethoden gibt es viele. Einige lösen das Problem nur für eine gewisse Zeit, andere Methoden sind – gemäss Herstellern – dauerhaft, weil sie die Haarwurzel zerstören (siehe Kasten «Enthaarung», rechts).

Eine dieser «permanenten» Enthaarungsmethoden arbeitet mit Lichtenergie. Immer mehr Hersteller haben entsprechende Geräte für den Privatgebrauch im  Sortiment. Dies besonders seit Einführung der sogenannten IPL-Technik (Intense Pulsed Light). Ähnlich wie bei der Haarentfernung durch Laser zerstören energiereiche Lichtimpulse aus einer Blitzlampe die Haarwurzeln. Die IPL-Methode funktioniert am besten bei dunklen Haaren und heller Haut. Sie soll laut Hersteller besonders schonend und effizient sein (siehe Kasten «Funktionsweise» auf Seite 21).


Testerinnen schätzen angenehme Behandlung

Doch wie wirksam, handlich und hautschonend sind die IPL-Geräte tatsächlich? saldo hat zusammen mit der Sendung «Kassensturz» fünf aktuelle IPL-Enthaarungsgeräte zwischen 500 und 700 Franken und zum Vergleich einen klassischen Epilierer für rund 170 Franken im Labor testen lassen. In einem Praxistest mussten ausserdem 20 Versuchspersonen gemeinsam mit einer Expertin Handhabung, Hautreaktionen und Schmerzen der Behandlung bewerten. Das Labor ermittelte, wie stark der Haarwuchs nach zehn Wochen zurückgegangen war (siehe Kasten «So wurde getestet» auf Seite 20).

Resultat: Vier IPL-Geräte schnitten mit der Note «gut» ab, eines mit «genügend». Testsieger wurde der Sensepil HL 100 von Beurer. Besonders bemerkenswert: die Haarreduktion. Rund 80 Prozent der Haare verschwanden.

Bei diesem Gerät kritisierten die Anwenderinnen das laute Betriebsgeräusch. Andrea Maiolo von Rotel, der Schweizer Vertriebsfirma von Beurer, stellt dies nicht in Abrede. Es stamme von einem Ventilator, der das Gerät beim Laden des Blitzes kühlt.

Bei der Haarentfernung mittels Sensepil bemerkten die Testerinnen weder Hautreizungen noch Schmerzen. Sie vergaben dem Gerät hier die Teilnote «sehr gut». In dieser Disziplin erreichten erfreulicherweise alle IPL-Geräte gute Noten.

Dies im Gegensatz zum klassischen Epilierer Silk-épil 7 wet & dry von Braun, der die Haare mit der Wurzel auszupft. 12 von 20 Testerinnen stellten nach der Anwendung Rötungen oder Juckreiz fest. Auch die Entfernung der Haare war mit rund 65 Prozent deutlich weniger effizient. Das Labor führte die Behandlung allerdings bei trockener Haut durch. Unter warmem Wasser soll die Epilation mit diesem Gerät laut Hersteller weniger schmerzhaft und auch wirksamer sein.


Vorteile des Epilierers: Schnell und preisgünstig

Unschlagbar ist der Silk-épil 7 in Sachen Geschwindigkeit und Preis. Er schaffte eine vorab definierte Beinfläche in weniger als einem Drittel der Zeit des IPHR von Rio – und ist dabei im Preis viermal günstiger. Beim Rio, dem langsamsten Gerät im Test, werden die Blitze nicht schnell genug hintereinander ausgelöst. Mit nur zwölf Blitzen pro Minute und einer Auflagefläche von gerade mal 5 Quadratzentimetern kann die Behandlung eines Unterschenkels schnell eine Stunde dauern.

Gerätepreis im Vergleich zur Behandlung im Kosmetikstudio günstig

Das Rio-Gerät liess auch bei der Handhabung zu wünschen übrig. Die Probandinnen störten sich an seiner komplizierten Bedienung: Das Gerät lässt sich nur mittels Tastenkombination und Schlüssel aktivieren. Es wechselt erst in eine höhere Stufe, nachdem mindestens ein Lichtblitz ausgelöst wurde. Für Anwenderinnen, die ihr individuelles Niveau bereits kennen, kann dies nervend und zeitraubend sein.

Fazit des Tests: IPL-Geräte erzielen eine sichtbare dauerhafte Reduktion der unerwünschten Körperhaare. Sie lassen sich auch ohne professionelle Hilfe zu Hause benutzen. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft. Mit Preisen bis zu 700 Franken sind die Geräte zwar nicht billig. Bedenkt man allerdings, dass allein die IPL-Behandlung der Unterschenkel in einem Kosmetikstudio pro Behandlungsserie 3000 bis 5000 Franken kostet, so zahlt sich die Investition aus.


Enthaarung: Die verschiedenen Methoden

  • Pinzette: schmerzhaft, Haut kann sich entzünden.
  • Rasieren: Haarschnitt an Hautoberfläche; hält 2 bis 5 Tage.
  • Enthaarungscremes: Chemischer Stoff zerstört sichtbaren Haarteil; hält ca. eine Woche; Hautreizungen möglich («K-Tipp» 11/10).
  • Wachs: Kalt- oder Warmwachs umschliesst die Haare, beim Abziehen werden sie ausgerissen; hält ca. vier Wochen. Schmerzhaft.
  • Epilieren: Geräte zupfen die Haare samt Wurzel aus; hält ca. einen Monat; zuerst schmerzhaft («K-Tipp» 7/09).
  • Nadelepilation (auch Elektroepilation): Hauchdünne Nadel wird in den Haarkanal eingeführt und kurz unter Strom gesetzt. Dies soll die Haarwurzel für immer zerstören. Kann Haare dauerhaft entfernen. Zeitaufwendig, Rötungen oder Schwellungen möglich.
  • Laser-Epilation: Geht schneller als mit der Nadel. Meist nur leichte Rötungen und Schwellungen.
  • Wachstumshemmende Creme: Soll Haarwachstum (vor allem im Gesicht) innert zwei Monaten reduzieren. Rezeptpflichtig und teuer (rund 150 Franken).



So wurde getestet


Das Stuttgarter Ipi-Institut für Produkt-Markt-Forschung hat im Auftrag von saldo sechs Haarentferner getestet: fünf IPL-Geräte und zum Vergleich einen klassischen Epilierer. Zudem führte das Labor einen Anwendungstest durch. Dabei bewerteten 20 dunkelhaarige Probandinnen zwischen 20 und 60 Jahren gemeinsam mit einer Expertin die Geräte fünfmal im Abstand von zwei Wochen.


Die Prüfkriterien im Einzelnen:

  • Haarreduktion: Eine definierte Fläche am Unterschenkel wurde vor und nach fünfmaliger Behandlung über zehn Wochen fotografiert und die Haare per Computer ausgezählt.
  • Handhabung: Die Probandinnen testeten, wie einfach sich der Haarentferner vorbereiten, individuell einstellen und anwenden lässt. Ein Experte ermittelte, wie gut man das Gerät reinigen und verstauen kann, und bewertete, wie nützlich die Bedienungsanleitung ist.
  • Hautreizungen/Schmerzen: Wie unangenehm ist die Behandlung? Kommt es zu einem Ziehen? Brennt, juckt oder rötet sich die Haut?
  • Zeitbedarf: Wie ist der durchschnittliche Zeitbedarf einer Behandlung?
  • Energieverbrauch:Wie viel Strom benötigt das Gerät, wenn es eingeschaltet ist? Wie hoch ist der Verbrauch im Standbybetrieb?



Funktionsweise: IPL-Behandlung: So geht es


Bei dieser Haarentfernungsmethode wird ein Handgerät mit einem Fenster auf der Vorderseite auf die zu enthaarende Haut gesetzt. Durch das wenige Quadratzentimeter grosse Fenster wird ein Lichtblitz einer bestimmten Wellenlänge auf die Haut projiziert. Die so entstehende Energie wird über den Haarfarbstoff Melanin in die Haarwurzel geleitet und verödet diese. Im Gegensatz zum Laser arbeitet die IPL-Methode mit einem Breitbandspektrum an Licht. Je nach Filter lassen sich verschiedene Haar- und Hauttypen behandeln.

Wichtig: Jede Hautpartie muss vor der Behandlung rasiert werden und darf pro Sitzung nur einmal bestrahlt werden, sonst drohen Verbrennungen. Zur besseren Orientierung empfiehlt es sich, einen Raster auf die Haut zu zeichnen – etwa mit einem weissen Kajalstift.

Die IPL-Methode eignet sich für die Reduzierung von Haaren am gesamten Körper. An den Schleimhäuten im Intimbereich sowie im Gesicht ist jedoch Vorsicht geboten. Nur ein IPL-Gerät war vom Hersteller explizit zur Anwendung im Gesicht empfohlen: Philips Lumea SC 2002/00.

Wie bei allen dauerhaften Enthaarungsverfahren wirkt auch die IPL-Methode nur in der Wachstumsphase des Haares. Da sich Haare in drei Phasen entwickeln, ist immer eine mehrmalige Anwendung nötig. Die Hersteller empfehlen einen Abstand von ein bis zwei Wochen. Im Gegensatz zur Laser-Epilation kann bei der IPL-Methode eine grössere Fläche in einem Arbeitsgang behandelt werden.

Das Wachstum der Haare wird durch IPL-Geräte gebremst, aber nicht für alle Zeiten unterbunden. Die Methode funktioniert nur bei dunklen, melaninhaltigen Haaren, nicht bei blonden, roten, grauen oder sehr feinen Haaren. Auf gebräunter Haut drohen Verbrennungen oder Verfärbungen. Nicht angewendet werden sollten IPL-Geräte auf Tätowierungen, Muttermalen, Sommersprossen oder bei Pigmentstörungen.

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