E-Bikes: Pannen trüben den Fahrspass

saldo 08/2013 vom

von

Im Alltag zeigen schnelle E-Bikes Schwächen: Sie sind anfällig für Pannen. Bei einigen fallen hohe Wartungs­kosten an. Das Modell Flyer hat im Langzeittest das beste Ergebnis erreicht.

Ob für den Arbeitsweg oder für Wochenendtouren: E-Bikes sind beliebt, von Jahr zu Jahr steigen die Verkaufszahlen. 2012 wurden in der Schweiz 53 000 Elektrovelos verkauft. Der Touring Club Schweiz TCS hat im vergangenen Jahr fünf schnelle E-Bikes mit Tretunterstützung bis 45 km/h getestet (siehe Tabelle «Testergebnis Neuzustand»). In der Zwischenzeit haben die Tester mit jedem Velo über 2000 Kilometer zurückgelegt.

Die fünf Modelle mussten ihre Qualität in der Stadt, auf dem Arbeitsweg, mit einem Anhänger und auf unbefestigten Strassen unter Beweis stellen. Das Fazit von TCS-Testleiter Bernhard Schwab: «Nach über 10 000 gefahrenen Kilometern ist klar, dass es bei dieser Fahrzeugkategorie punkto Zuverlässigkeit ein grosses Verbesserungspotenzial gibt.»

Bei allen Velos waren nach 2000 Kilometern Unterhaltsarbeiten fällig. Dazu gehören Justieren der Schaltung, Reifen pumpen und Beleuchtung reparieren. Die Wartungskosten waren mit je 13,5 Rappen pro Kilometer bei Stromer und Wheeler am höchsten. Mit nur 5 Rappen pro Kilometer ist Flyer deutlich günstiger im Unterhalt.


Schäden: Velobesitzer müssen mit langer Reparaturzeit rechnen

Ärgerlich sind Pannen, die eine Weiterfahrt verunmöglichen. Einzig das Raleigh-Bike blieb von einer grösseren Panne verschont. Alle andern Velos mussten mit kaputten Leerlaufeinstellungen und defekten Tretlagern oder wegen Störungen beim Antrieb oder gar Komplettausfällen in die Werkstatt. Diese Schäden reparierten die Hersteller zwar unter Garantie. Aber ein Ärger bleibt: Oft muss man das E-Bike für die Reparatur mehrere Wochen beim Händler lassen. 

Wie weit man mit einem vollen Akku fahren kann, ist von vielen Faktoren abhängig: der Steigung, den Windverhältnissen, dem Gewicht des Fahrers und dem gewählten Unterstützungsgrad. Mit den fünf Bikes im Test kommt man bei maximaler Unterstützung 29 (Stromer) bis 55 (Dolphin) Kilometer weit. Auf die Herstellerangaben zur Reichweite ist leider kein Verlass: Sie sind oft zu ungenau oder gelten nur bei Idealbedingungen. Deshalb sollte man sich vor dem Kauf genau überlegen, für welchen Zweck man das E-Bike einsetzen möchte. Bei einer Probefahrt kann man sich selber davon überzeugen, ob das Velo geeignet ist.


Akku: Raleigh-Bike hat den geringsten Kapazitätsverlust

Die Kapazität des Akkus nimmt je nach Einsatz und Pflege von Jahr zu Jahr ab. Die Experten massen beim Stromer-Akku 9 Prozent Verlust. Flyer und Wheeler verbuchten 4 Prozent weniger Kapazität, Dolphin 3 Prozent und Raleigh 1 Prozent. Wenn ein Akku nur noch 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität hat, empfinden das die meisten Fahrer als störend. Bei durchschnittlich 5 Prozent Verlust pro Jahr müsste ein Akku nach vier Jahren ausgetauscht werden.

Wenn der Akku unterwegs mal ausfällt, wird das Fahren bei einigen Modellen zur Qual. Bei einem normalen City-Bike muss man etwa 15 Watt Leistung aufbringen, um das Rad vorwärts zu bewegen. Auch beim Dolphin und beim Flyer funktioniert das mit weniger als 20 Watt. Mühsam wirds allerdings bei Stromer und Wheeler: Rund 50 Watt sind nötig, um die Bikes in Fahrt zu bringen. 


Einsteiger-Modelle: Testsieger noch erhältlich

Der «K-Tipp» hat letztes Jahr (Ausgabe 9/12) zehn E-Bikes der Einsteigerklasse bis 25 km/h getestet. Die Velos wurden nicht nach subjektiven Eindrücken von Testpersonen beurteilt, sondern anhand von aufwendigen mechanischen Belastungsprüfungen im Speziallabor. Der Test zeigte, dass bei den meisten Bikes Bauteile wie Lenker und Gabel den Belastungen auf die Dauer nicht standhielten. Drei Modelle hatten zudem zu schwache Bremsen.


Nur zwei der Velos schnitten mit einem guten Gesamturteil ab, sie sind weiterhin erhältlich:

  • Sachs Basix (Fr. 1290.–, Coop Bau + Hobby)
  • Hercules Roberta 7 (Fr. 2599.–, Ochsner Sport, baugleich mit dem getesteten Roberta 125).

Der «K-Tipp»-Test hat auch gezeigt, dass man vom Preis nicht auf die Qualität schliessen kann: Das Sachs Basix kostet nur halb so viel wie das Hercules Roberta, schnitt insgesamt aber gleich gut ab.


So wurde getestet

Der Touring Club Schweiz (TCS) hat fünf schnelle Elektrovelos einem Langzeit-Belastungstest unterzogen. Mit jedem der Fahrräder spulten die Testpersonen über 2000 Kilometer unter Alltagsbedingungen ab. Hinzu kamen diverse Messungen an Bremsen, Antrieb, Akku und Lichtanlage.


Praxistauglichkeit
:

  • Wie schwer und sperrig sind die Bikes? Lassen sie sich in einen Kombi verladen oder auf einen Dachträger hieven?
  • Wie viel Kraft braucht es, um das Bike ohne Motorunterstützung zu fahren?
  • Wie häufig und schwerwiegend sind Pannen?
  • Verringert sich die Reichweite nach einem Jahr im Praxisbetrieb?
  • Wie fällt das subjektive Gesamturteil der Testpersonen aus?



Sicherheit
:

  • Wie zuverlässig sind die Bremsen? Halten sie auch bei längeren Abfahrten?
  • Wie gut ist die Licht­anlage? Welche Beleuchtungsstärke wird in 15 Meter Distanz noch erreicht?



Betriebskosten
:

  • Wie hoch sind die Wartungskosten für Service und Reparaturen in einem Jahr?
  • Wie viel muss man nach einem Jahr Betrieb und nach 2000 Kilometer Fahrt pro Kilometer abschreiben?
  • Wie hoch ist der Energieverbrauch pro gefahrenem Kilometer?

Testergebnis Neuzustand: Gemessen und bewertet wurden Akku- und Bremsleistung sowie das Gewicht von Fahrrad und Akku. Acht Testfahrer bewerteten zudem Antrieb, Schaltung, Fahrverhalten, Bremsen, Ergonomie, Beleuchtung und Akku-Handling. Zudem wurde die Reichweite unter praxisnahen Bedingungen ermittelt. Diese Testergebnisse hat der TCS bereits letztes Jahr publiziert: www.tcs.ch/de/test-sicherheit/testberichte/auf-zwei-raedern.php.

0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Schweiz in Zahlen: E-Bikes boomen

Test: Mit Gewalt lässt sich jedes Veloschloss knacken

E-Bikes: Der beste Motor schafft 200 Kilometer