Die günstigste Augencreme ist die beste

saldo 05/2012 vom 13. März 2012

von Gertrud Rall, Redaktion K-Tipp/saldo

Augencremes sollen die Haut um die Augenpartie pflegen. Der Test zeigt: Nicht alle Cremes versorgen die Haut optimal mit Feuchtigkeit. Heikle Stoffe enthält nur ein Produkt.

Die Haut um die Augen herum ist dünn und empfindlich. Um sie möglichst frei von Falten und Augenringen zu halten, bieten beinahe alle Kosmetikfirmen spezielle Cremes an. Produkte in unterschiedlichen Preisklassen versprechen, die Haut weniger altern zu lassen.

saldo schickte zwölf Augencremes mit Preisen zwischen 5 und 75 Franken ins Testlabor. Darunter die meistverkauften Produkte bekannter Marken, Eigenmarken der Detailhändler sowie zwei Öko- und ein Apotheken-Produkt.

Die Experten massen, wie gut die Augencremes die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Ausserdem überprüften sie, ob die Produkte kritische Substanzen wie Duftstoffe mit hohem Allergiepotenzial, Formaldehyd und Parabene als Konservierungsstoffe enthalten (siehe Kasten «Kriterien»). Die gute Nachricht vorweg: Nur ein Produkt enthält einen kritischen Inhaltsstoff.


Eluage: Empfohlener Wert für Parabene massiv überschritten

Im Apotheken-Produkt Eluage von Avène fanden die Tester den Konservierungsstoff Propylparaben. Brisant: Der Anteil von 0,19 Prozent, den das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung als Höchstmenge empfiehlt, war deutlich überschritten. Die Konzentration betrug 0,36 Prozent. Das gab eine halbe Note Abzug.

Das Problem von Parabenen: Einige werden durch die Haut aufgenommen und können sich auf das Hormonsystem auswirken. Zwar fand das Labor auch in den anderen Augencremes Parabene, jedoch in unbedenklichen Mengen.

saldo konfrontierte die Eluage-Herstellerin Pierre Fabre in Allschwil BL mit dem erhöhten Propylparaben-Wert. Sprecherin Stefanie Häfele sagt, dass der Höchstwert gemäss Bundesinstitut für Risikobewertung selbst für sensible Kinderhaut als risikolos gelte. Da Eluage für Erwachsene gedacht sei, gebe es keine Grundlage, sich auf den empfohlenen Richtwert zu stützen.


Qualität und Preis einmal mehr in keinem Zusammenhang

Das Labor fand in den Cremes weder erhöhte Mengen an Formaldehyd noch  stark allergene Duftstoffe der Kategorien A und B. Allerdings enthielt Ombia von Aldi sechs Duftstoffe und Weleda einen Duftstoff der Kategorien C und D. Diese weisen nur ein schwach allergenes Potenzial auf. Deshalb gab es in der saldo-Bewertung keinen Abzug.

Die getesteten Produkte unterscheiden sich neben dem Preis vor allem durch ihre Fähigkeit, der Haut Feuchtigkeit zu spenden.  Eines der zwei günstigsten Produkte erzielte die besten Werte und landete auf dem ersten Platz. Iseree von Lidl für Fr. 3.33 pro 10 Milliliter erreichte nach 2 Stunden 112 Prozent und selbst nach 8 Stunden noch 84 Prozent Feuchtigkeit im Vergleich zur unbehandelten Hautzone. Auch die anderen sehr guten Cremes konnten hier mit hohen Werten glänzen.

Am anderen Ende der Skala ist die mit rund 26 Franken pro 10 Milliliter fast achtmal so teure Eluage. Diese Creme erzielte im Test nach 2 Stunden 27 Prozent und nach 8 Stunden noch einen Wert von 11 Prozent Feuchtigkeit im Vergleich zur unbehandelten Stelle. Um die Haut mit dieser Creme halbwegs feucht zu halten, müssten Benutzerinnen permanent nachcremen. Dafür gab es die Note «ungenügend».

Stefanie Häfele vom Hersteller Pierre Fabre ist jedoch durchaus zufrieden. 27 Prozent stelle einen sehr guten Feuchtigkeitswert in der obersten Hautschicht dar. Und weiter: «Eluage Augenkonturen hat eine feuchtigkeitspendende Wirkung in tieferen Hautschichten, die nicht berücksichtigt wurde.» Die durchgeführte Analyse sei nicht aussagekräftig, da sie sich nur auf die oberste Hautschicht bezieht. Ein gesetzlich vorgeschriebenes Messverfahren gibt es bei solchen Untersuchungen nicht. Das von saldo beauftragte Labor wandte eine international anerkannte Methode an.

Aldi-Mediensprecher Sven Bradke betont, dass die Augencreme Ombia mit dem Ziel entwickelt wurde, «festigend und straffend» zu wirken. «Diese Eigenschaften wurden im saldo-Test leider nicht geprüft.»


Sonnenschutz beugt am besten gegen Falten vor

Joachim Kresken, Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Dermopharmazie, weiss, was wirkt: «Gute Feuchtigkeitswerte sind ein Hinweis, dass die Creme gegen Zeichen der Hautalterung helfen kann.» Dermatologin Bettina Rümmelein vom Universitätsspital Zürich ergänzt: «Kosmetisch beeinflussen lassen sich von Augencremes in erster Linie die Trockenheitsfalten.» Mimische Falten dagegen hätten ihre Ursachen in tieferen Hautschichten, wo die Cremes nicht hinkämen.

Wie verhindert man Falten am besten? 80 Prozent der Falten im Gesicht seien durch UV-Strahlen bedingt, sagt Rümmelein. Sie empfiehlt deshalb einen ganzjährigen Schutz mit Sonnencreme. Und bei starker Sonneneinstrahlung eine Sonnenbrille.   


Kriterien

Das Labor Eurofins Consumer Product Testing in Hamburg (D) untersuchte folgende Produkteigenschaften und heikle Inhaltsstoffe:

  • Hautbefeuchtung:
    Das Labor beurteilte bei zehn Probandinnen, wie gut die Cremes die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Die Experten massen die Hautfeuchtigkeit mit einem Corneometer – und zwar kurz vor sowie 2, 4, 6 und 8 Stunden nach der Anwendung. Je höher der Feuchtigkeitswert der eingecremten Haut im Vergleich zur unbehandelten Haut, desto besser.
  • Allergene Duftstoffe:
  • 26 Duftstoffe mit erhöhtem Allergiepotenzial müssen ab einer Menge von 10 mg/kg auf der Verpackung deklariert sein, wenn sie auf der Haut bleiben. Stark allergen sind die Duftstoffe der Kategorien A und B.
  • Formaldehyd:
    Formaldehyd ist ein Konservierungsstoff, der die Atemwege angreift und Krebs auslösen kann. Zudem ist er stark allergen. Dennoch ist er in Kosmetika bis zu einer Konzentration von 0,2 Prozent (2000 mg/kg) erlaubt.
  • Parabene:
    Laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung können diese Konservierungsstoffe das Hor­monsystem beeinflussen. Das Institut hat für Methyl-, Ethyl-, Butyl- und Propylparaben Höchstkonzentrationen veröffentlicht, die nicht überschritten werden sollten. Auf Isobutyl-, Isopropyl-, Pentyl- und Phenylparaben ist gemäss dem Institut ganz zu verzichten, bis eine gesundheitliche Bewertung der Stoffe vorliegt.
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