Zuckerbomben zum Frühstück

K-Tipp 03/2014 vom

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Mit zusätzlichen Vitaminen bewerben die Hersteller ihre Kakaopulver. Doch gesund sind die Produkte nicht: Sie bestehen zu einem grossen Teil aus Zucker.

Kakaopulver sollen ­Kindern die Milch schmackhaft machen. ­Einige Produkte werden von den Herstellern als «Kakaogetränk», andere als «Trinkschoko­lade» bezeichnet. Letztere Pulver müssen laut Gesetz mindestens 25 Prozent Kakao enthalten. Das gilt aber nicht für Kakaopulver auf der Basis von Malz – wie etwa «Ovomaltine» und ­«Eimalzin». Für sie wie auch für «kakaohaltige Getränkepulver» wie Nesquik und Suchard Express gibt es keine gesetzlichen Mindestanforderungen punkto Kakao­gehalt.

Viel mehr Zucker als Kakao

Der K-Tipp wollte – un­abhängig von dieser gesetzlichen Kategorisierung – wissen, wie gesund diese Pulver sind. 16 der meistverkauften Produkte wurden deshalb im Labor auf ihren Kakao-, Zucker-, Protein- und Kalorien­gehalt analysiert. 

Die wichtigsten Ergebnisse: Die meisten Getränken enthalten viel mehr Zucker als Kakao. Nur gerade drei Produkte enthielten eine passable Mischung aus Kakao und ­Zucker und schnitten insgesamt «gut» ab. Mit immerhin 37 Prozent Kakao und 61 Prozent Zucker erreichte die Bio-Trinkschokolade von Rapunzel den ersten Platz. Deutlich ­weniger Kakao, aber auch weniger Zucker enthielten die zwei Malzgetränke ­«Eimalzin» und «Ovomaltine». Die gemessenen 40 und 45 Prozent Zucker stammen bei ihnen aus den Milchbestandteilen und dem Malz. 

Alle anderen Pulver enthielten lediglich 12 bis 22 Prozent Kakao, dafür umso mehr Zucker. 

Dabei ist Kakao nicht nur wegen seines Aromas, sondern auch wegen seines gesundheitlichen Nutzens begehrt. So soll Kakao den Blutdruck senken und vor Diabetes, Herzinfarkt und Krebs schützen. 

Viel billiger Trauben- und Haushaltszucker

Doch statt hochwertigen Kakao verwenden die Hersteller der Pulver hauptsächlich billigen Haushalts- und ­Traubenzucker. Am meisten Zucker hatte es im «M-Budget-Kakaogetränk»: ganze 83 Prozent. 

Der hohe Zuckergehalt ist umso störender, als Er-nährungsexperten seit Jahren vor zu hohem Zuckerkonsum warnen: «Bereits Kinder werden auf Süsses getrimmt», kritisiert Kaspar Berneis vom Universitätsspital Zürich. Das hat negative Folgen. Denn Zucker sind Kohlenhydrate, die nur aus einem oder zwei Bausteinen bestehen. Sie liefern dem Körper zwar schnell verfügbare Energie. Doch genauso rasch verpufft die Energie wieder – und der Körper verlangt Nachschub. Dadurch regt Zucker den übermässigen Konsum an und fördert so längerfristig das Auftreten von Über­gewicht, Diabetes und ­Karies. 

Die Weltgesundheits­organisation (WHO) empfiehlt deshalb, dass höchstens 10 Prozent des täglichen Energiebedarfs durch zugesetzten Zucker gedeckt werden sollen. Bei ­einer Frau mit einem Energie­bedarf von 2000 Kilokalorien pro Tag wären das 50 Gramm Zucker. Bei einem 6-jährigen Mädchen, das täglich 1400 Kilokalorien benötigt, wären es 35 Gramm Zucker. 

Eine Tasse Kakao zum Frühstück – hergestellt beispielsweise mit zwei bis drei Kaffeelöffeln «Nesquik» oder «Califora au chocolat» – deckt diese Menge bereits zu einem Drittel ab. Schnell kommt im Verlauf eines Tages aber weiterer Zucker hinzu. Denn auch in vermeintlich gesunden Lebensmitteln wie Fruchtsäften und Frühstücksmüesli steckt sehr viel Zucker. 

Der Zuckererkonsum ist heute zu hoch

«Der gegenwärtige Zuckerverbrauch liegt mit rund 16 Prozent der Tages­kalorien deutlich über der Empfehlung der WHO», stellten denn auch die ­Experten der Eidgenössischen Ernährungskommission im «Kohlenhydrat­bericht» fest. 

Die Hersteller der Schokoladengetränke be­rufen sich auf die Eigenver­antwortung der Kon­sumenten. Die Firma ­Suchard sagt zum Beispiel: «Es ist unserer Meinung nach bekannt, dass das Produkt Zucker enthält – und ist auch auf der Verpackung deklariert.» Die ­Migros schreibt, weniger gezuckerte Kakaogetränke seien «wenig beliebt» gewesen. Und auch bei Denner heisst es: «Die Menge an Zucker entscheidet, ob das Produkt in Verbindung mit Milch angenehm schmeckt».

Vitaminzugabe ist unnötig

Umstritten sind auch die Vitaminzusätze. Sie verleihen den Produkten einen «gesunden» Eindruck – sind aber unnötig. Kaspar Berneis kritisiert: «Die Hersteller verkaufen den ungesunden Zucker mit den gesunden Vitaminen.» Bei einer ausgewogenen Ernährung wie heute in der Schweiz üblich seien gesunde Kinder und Erwachsene ausreichend mit Vitaminen versorgt. Trotzdem schreibt die Firma Wander: «Die Vitaminisierung der Produkte trägt zur Abdeckung des täglichen Bedarfs bei.» Andere Hersteller weisen darauf hin, dass der Kunde die Wahl hat zwischen ­Produkten mit und ohne Vitamin-Zugaben. Einzig Suchard gibt zu: «Die Notwendigkeit von Vitamin-zusätzen in Lebensmitteln ist heute umstritten.» Man werde deshalb die Rezeptur von «Suchard Express» überprüfen.

Fünf Zuckerwürfel in 2,5 dl Fertiggetränk

Hersteller müssen auf der Verpackung einen Hinweis zur Zubereitung angeben. Nur: Wie sie ihn gestalten, ist im Gesetz nicht näher definiert. 

So erstaunt es nicht, dass sich trotz fast gleicher Zusammensetzung der Produkte die Empfehlungen stark unterscheiden. 

Am meisten Pulver empfiehlt Aldi auf der Verpackung seines «Choco-Drinks»: fünf Kaffeelöffel Pulver für 2,5 dl Milch. Mit einer einzigen Tasse Kakao nimmt man in diesem Fall also 20 Gramm Zucker zu sich. Dies entspricht fünf Zuckerwürfeln. Aldi recht­fertigt sich: «Es hat sich gezeigt, dass durch die Zubereitung mit fünf Kaffeelöffeln ein kräftiger und runder Geschmack erreicht wird.»

So wurde getestet

Das Labor Wessling in Lyss BE untersuchte bei den Getränkepulvern den Kakao-, Kalorien-, Protein- und Zuckergehalt. Der Zuckergehalt wurde berechnet aus der Summe an Glukose, Saccharose, Maltose, Laktose und Fruktose.

Je mehr Zucker und Kalorien ein Produkt enthielt, desto schlechter wurde es bewertet. Der gemessene Kaloriengehalt lag zwischen 380 bis 410 Kilokalorien pro 100 Gramm. Bei den Proteinen war der Unterschied grösser. Er variierte zwischen 5 und 12 Gramm pro 100 Gramm. 

Beim Kakao- und Proteingehalt war es umgekehrt: Je höher, desto besser.

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