«Wir haben ein Robin-Hood-Gen»

K-Tipp 09/2012 vom

Denner gewinnt den Prix K-Tip 2012: Der Discounter wehrte sich zur Freude der Konsumenten erfolgreich gegen überhöhte Preise beim Kapselkaffee von Nespresso.

Discounter Denner verkauft günstigen Kapselkaffee, der auch mit der Nespresso-Maschine funktioniert. Das hat Nespresso-Besitzer Nestlé nicht goutiert. Deshalb versuchte der Grosskonzern immer wieder, den Verkauf von Denner-Kapseln auf gerichtlichem Weg zu ­unterbinden. Peter Salvisberg, Geschäftsleitungsmitglied des K-Tipp, sprach mit Denner-Chef Mario Irminger.


Denner hat Nespresso erfolgreich die Stirn geboten. Wird Denner wieder kämpferischer?

Mario Irminger: Denner hat ein Robin-Hood-Gen. Es geht uns aber nicht
um eine Schlacht um der Schlacht Willen. Wir sehen hier eine Möglichkeit, tiefere Preise durchsetzen – zum Wohl der Konsumentinnen und Konsumenten.


Stichwort Hochpreis-Insel Schweiz: Warum haben Sie keine Artikel aus dem Sortiment gestrichen wie der Detailhändler Coop?

Unsere Strategie ist eine andere: Wir importieren wo immer möglich parallel, kaufen also gewisse Markenprodukte direkt in Europa und holen so die Preise herunter. Das ist aufwendig – und es braucht Beziehungen, um die Ware im Ausland zu beschaffen.


Wie viele Artikel sind parallel importiert?

Maximal sind es jeweils rund 50 Artikel. Oft macht man eine beschränkte Aktion, erhöht so den Druck auf den Schweizer Vertreter, damit er den Preis senkt. Bei Pampers zum Beispiel ­waren wir sehr erfolgreich und sind jetzt auf dem Preisniveau Deutschlands.


Welche Artikel im Denner-Sortiment sind Ihnen noch viel zu teuer?

Nivea-Produkte! Beiersdorf ist ein harter Brocken, aber wir arbeiten daran. Es ist für die Konsumenten unverständlich, dass wir so viel mehr bezahlen sollen als in anderen Ländern – die Produktionskosten sind ja dieselben.


Sie verstehen also jene Kon­sumenten, die im grenz­nahen Ausland einkaufen?

Ich kann das bei gewissen Produkten nachvollziehen. Extrem sind die grossen Preisunterschiede, zum Beispiel bei Modeartikeln. Wir spüren die Frankenstärke bei Hygiene­artikeln und Frischwaren, hin­gegen nicht beim Wein – da will der Kunde einfach seine bekannten Tropfen. Einen Fendant oder Tessiner Merlot finden Sie ennet der Grenze nicht.


Zurück zu Kaffee und Tee. Wann gibt es bei Denner bald auch Tee in Kapseln?

Wir prüfen dies und wollen bis im Herbst entscheiden. Aufgrund der Nachfrage prüfen wir, auch unser Internet-Angebot zu ­erweitern. Bisher verkaufen wir erfolgreich Wein im Online-Shop, möglicherweise kommen weitere Warengruppen dazu – wie eben Kaffeekapseln. Aber es muss sich rechnen. Frischware werden wir siher nicht online ver­kaufen.


Es gibt Anfragen aus dem Ausland für Ihre Kapseln. Steigen Sie ins Exportgeschäft ein?

Nein, wir konzentrieren uns auf die Schweiz.


Sie erhalten heute den Prix K-Tipp für Ihren Kampf rund um die Kaffeekapseln. Einen Öko­logie-Preis können wir Ihnen nicht verleihen – im Gegenteil: Zwölf Kapseln stecken in einer Schachtel so gross wie zwei Milchbeutel.

Wir arbeiten mit dem Hersteller bereits an einer verbesserten Verpackung.


Das Abstimmungsresultat


Denner war mit 682 erhaltenen Stimmen der klare ­Sieger bei der ­Publikumswahl. Die weiteren Ränge:

  • Tankstellen Rudi Rüssel: 328 Stimmen. No­miniert, weil sich der Tank­stellenbetreiber nicht an die Preisabsprachen der Ölmultis hält und so für Wettbewerb sorgt.   
  • Toppreise.ch: 320 Stimmen. Dank des Preis­vergleichportals finden Kunden schnell den günstigsten Versandhändler.
  • Publibike: 121 Stimmen. Mit dem Angebot von Post, SBB und Rent a Bike kann man zurzeit an neun Bahnhöfen rund um die Uhr Velos mieten.
  • Telecom Liechtenstein: 54 Stimmen. Dank Telecom Liechtenstein können auch Schweizer mit ihrem Handy im Ausland von günstigeren EU-Roaming-Tarifen profitieren.



Diese Leser haben gewonnen



Unter den Einsendungen für den Prix K-Tipp wurden fünf Gewinner ausgelost:


1. Preis

Agnes Stöckli, Maur ZH
Frau Stöckli gewinnt eine Übernachtung auf dem Pilatus für zwei Personen im historischen Hotel Pilatus-Kulm – inklusive 4-Sterne-Abendmenü.


2. Preis

Ursula Schneider, Münsingen BE
Zehn Tageskarten für den Betelberg, Lenk.


3. Preis

Hansueli Zolliker, Neerach ZH
Vier Tageskarten ­erster Klasse für den Vierwaldstättersee.


4. Preis

Doris Wiss, Däniken SO
Fünf Tageskarten für den Betelberg, Lenk.


5. Preis

Herrn Otto Gerber, Wädenswil ZH
Zwei Tageskarten ­für den Vierwaldstättersee.

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