Wie man sich bettet, so liegt man

Haus & Garten 02/2011 vom

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Schaumstoff, Latex oder Federkern? Haus & Garten sagt, wie Sie die Matratze finden, die wirklich zu Ihnen passt. Und worauf beim Lattenrost zu achten ist.

Vor jedem Matratzenkauf sollte man sich zuerst überlegen: Warum brauche ich eine neue Matratze? Weil die alte ersetzt werden muss? Oder liegen Sie auf der  aktuellen Matratze unbequem? Haben Sie am Morgen häufig Rückenschmerzen oder schwitzen Sie stark im Schlaf?

Jeder Mensch braucht eine Matratze, die seinem Gewicht und seinen Schlafgewohnheiten entspricht:

  • Seitenschläfer: Wer auf der Seite schläft, sollte darauf achten, dass die Schultern gut einsinken können und der Lendenbereich gestützt wird.
  • Bauchschläfer: Damit die Wirbelsäule nicht durchhängt, braucht der Bauchschläfer eine eher feste Matratze.
  • Rückenschläfer: Wenn Sie auf dem Rücken liegen, sollten ­keine Hohlstellen im Lenden­wirbelbereich ent­stehen. Ein­facher Test: Wenn Sie im Liegen die flache Hand bei der Taille problemlos unter dem Körper durchschieben können, ist die Matratze zu hart.


Tipps:

  • Zu weich ist die Matratze, wenn der Rücken durchhängt wie in einer Hängematte. Zu hart ist die Unterlage dagegen, wenn Schulter und Becken nach oben gedrückt werden.
  • Schwere Personen brauchen grundsätzlich eine festere Matratze als Leichtgewichte.
  • Bei einem Doppelbett ist es besser, wenn jeder Partner eine eigene Matratze und einen ­eigenen Einlegerahmen hat, die zu seinem Gewicht und seinen Schlafgewohnheiten passen.


Grundsätzlich gilt: Ob man auf einer Matratze gut schläft, merkt man erst, wenn man sie längere Zeit benutzt. Deshalb sollten Sie eine Matratze nur in Möbelhäusern kaufen, bei denen sie umgetauscht werden kann, wenn sie damit nicht zufrieden sind.

Die Fristen dazu sind unterschiedlich: Bei Micasa, Toptip, Fly und Interio hat man einen Monat Zeit, bei Ikea drei Monate und bei Pfister ein ­halbes Jahr.


Der Kern

Entscheidend für den Liegekomfort ist der Kern der Matratze. Dabei unterscheidet man drei Typen:

Schaumstoff

Bei einem Teil der Matratzen wird Standardschaum eingesetzt. Bei anderen wird sogenannter Kaltschaum oder Komfortschaum verwendet. Dieser wird meist ohne Treibmittel hergestellt.

Er ist ­daher elastischer als Standardschaum und kehrt auch nach dauerhafter Belastung gut in seine Ausgangsposition zurück. Durch die vielen Poren ist Kalt- oder Komfortschaum zudem leicht und atmungsaktiv.

Für unterschiedliche Körperzonen werden verschiedene  Arten von Schaumstoff eingesetzt, oder der Schaum wird an den entsprechenden Stellen eingeschnitten.

  • Vorteile: Kalt- oder Komfortschaum stützt den Körper gut, ist atmungsaktiv und dämpft Körperbewegungen ab.
  • Nachteil: Standardschaum ist zwar preisgünstig, aber qualitativ meist nicht so hochwertig wie Komfortschaum.


Eine Besonderheit ist der visco­elastische Schaum – bekannt durch die Marke Tempur. Dieser Schaumstoff reagiert auf Druck und Wärme und passt sich der Körperform an. Man sinkt darin leicht ein, und wenn man sich dreht, bleibt der Körperabdruck noch einige Sekunden erhalten.

  • Vorteil: Durch die hohe Druckentlastung wird die Skelettmuskulatur entspannt, Rückenprobleme können gemildert werden.
  • Nachteil: Hohe Wärmeentwicklung, die zu schwitzen führen kann. Menschen, die sich im Schlaf viel drehen, können sich durch die sich bildende Mulde eingeengt fühlen.



Latex

Erhältlich sind Matratzen mit Latex aus natürlichem Kautschuk (Naturlatex) oder aus synthetischen Rohstoffen. Die Eigenschaften sind die gleichen: Latexmatratzen bieten eine ­ausgezeichnete Punktelastizität. Das heisst, sie geben nur an den Stellen nach, an denen sie belastet werden. Je höher der Latexkern, desto komfortabler ist die Matratze.

  • Vorteile: Manche Benutzer sagen, man müsse sich auf diesem Matratzentyp weniger drehen. Unter Belastung leistet das Material wachsenden Widerstand, es stützt punktgenau, dämpft Körperbewegungen ab und isoliert gut.
  • Nachteile: Latexmatratzen sind schwerer als andere Matratzentypen. Die Feuchtigkeitsaufnahme ist nicht sehr gut. Deshalb sollten Latexmatratzen nach dem Aufstehen gut gelüftet werden.



Federkern

Dieser Matratzentyp ist ein echter Klassiker. Im Innern der Matratze befinden sich Federn, die sich einzeln bewegen lassen. Umgeben sind sie von einem Polstermaterial. Diese Matratzenart wird als «aktiv» empfunden, da sie dem Schlafenden einen Druck ent­gegensetzt, während Schaumstoff- oder Latexmatratzen eher passiv stützen. Je mehr Federn eine Matratze enthält, desto besser die Qualität.

Besonders hochwertig sind Taschenfederkerne: Hier sind die einzelnen Federn in Stoffsäckchen eingenäht. Dadurch geben nur die belasteten Federn nach, während die anderen gespannt bleiben. Es gibt Federn aus Metall, aber auch solche aus Kunststoff oder Fiberglas.

  • Vorteile: Federn sind elastisch in mehrere Richtungen. Alle Körperpartien werden mit Gegendruck gestützt. Die Federn sorgen zudem für eine gute Belüftung der Matratze. Matratzen mit Taschenfederkern sind für schwere Personen besonders geeignet.
  • Nachteile: Kunststofffedern sind oft zu wenig stabil für Personen mit hohem Gewicht.



Die Auflage

Der Mensch verliert im Schlaf drei bis fünf Deziliter Wasser. Diese Feuchtigkeit wird teils in die Luft und teils in die Matratze abgegeben. Entscheidend für das Schlafklima ist die Art der Auflage. Häufig werden Naturmaterialien verwendet:

  • Schafwolle: Wärmend, kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, eher straff und hart.
  • Kamelhaar: Isoliert und bindet die Feuchtigkeit noch mehr als Schafwolle.
  • Seide: Ist temperaturausgleichend, aber teuer.


Tipps:

  • Je besser die Matratze belüftet ist, desto weniger Naturhaar braucht es in der Auflage.
  • Der Matratzenbezug sollte abnehmbar sein. Naturmaterialien müssen meist chemisch gereinigt werden. Synthetische Bezüge kann man in der Waschmaschine waschen.
  • Allergiker sollten eine synthetische Auflage kaufen.



Die passende Unterfederung: Einlegerahmen

Lattenrost und Matratze bilden zusammen eine Einheit. Die wichtigsten Einkaufstipps. Die beste Matratze nützt nichts, wenn sie auf einer schlechten Unterfederung liegt. Daher kauft man die Matratze idealerweise zusammen mit dem Einlegerahmen – wie der Lattenrost neu genannt wird.

Dieser soll unterstützen und flexibel genug sein, um die Bewegungen des Schlafenden mitzumachen. Es gibt Rahmen aus Holz, Aluminium und der Kohlenfaser Karbon. Letztere sind stabiler und leichter, aber auch teurer als jene aus Holz.


Federholzrahmen

Sie bestehen aus einem Holzrahmen und einer Vielzahl leicht nach oben gewölbter, mehrfach verleimter Holzleisten. Rahmen aus Hartholz wie Buche und Esche sind stabiler als solche aus weichem Holz. Je höher die Anzahl Leisten, desto besser der Liegekomfort.

Die einzelnen Leisten können fest montiert sein. Besser ist es allerdings, wenn sie in flexiblen Endkappen stecken, damit sie sich an die Körperbewegungen anpassen. Achten Sie darauf, dass die Leisten bis über den Rahmenrand reichen. So vermeiden Sie, dass bei einem Doppelbett zwischen zwei Rahmen eine harte Stelle entsteht.


Tellerrahmen

Bei diesem Typ wurden die Holzlatten durch Teller aus Kunststoff ersetzt. Sie sind noch flexibler als Latten und lassen sich in fast alle Richtungen bewegen. Häufig ist nicht der ganze Rahmen damit ausgestattet, sondern nur der Schulter- und Beckenbereich.

Tellerrahmen eignen sich besonders für Schaum- oder Latexmatratzen. Bei Federkernmatratzen reicht in der Regel eine einfachere Unterfederung.

Ein guter Rahmen gibt im Schulterbereich nach und stützt im Lendenbereich. Beim Federholzrahmen sollten daher die Latten im Schulterbereich weicher sein und die Härte der Latten im Beckenbereich mit einem Riegel verstellt werden können.

Bei Tellerrahmen gibt es Modelle mit härteren und weicheren Tellern oder solche, bei denen sich die Härte individuell einstellen lässt. Verstellbare Rahmen: Es gibt starre Einlegerahmen, solche, bei denen nur der Kopfteil verstellbar ist, bei denen Kopf- und Fussteil eingestellt werden können sowie Rahmen, die sich in Sitzposition bringen lassen.

Die meisten Rahmen werden von Hand in der richtigen Position eingerastet. Einige Rahmen können auch pneumatisch oder mit Motor verstellt werden. Tipps für Motorrahmen: Achten Sie darauf, dass die Matratze in Sitzposition nicht unter das Niveau des Rahmens fährt. Sonst kann es Probleme mit Querverstrebungen im Bettgestell geben.

Motorrahmen sind nur für Schaum-, Latex- und Taschen­federkern-Matratzen geeignet. Bei anderen Federkern-Matratzen besteht die Gefahr, dass die Federn durch das Biegen beschädigt werden. Daher sollte man die Eignung vor dem Kauf abklären.

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