Wer beim Kochen Fett spart, braucht nicht zu hungern - Greifen Sie nicht zu tief ins Fettnäpfchen

Haus & Garten 1/2000 vom

Viel Fett im Essen kann fett machen. Aber wer ganz darauf verzichtet, gefährdet die Gesundheit. Beim Kochen haben wir es in der Hand, wie viel Fett wir unserem Körper einverleiben wollen.

Fette sind für den Menschen unentbehrlich, denn ohne genügende Fettzufuhr funktioniert der Körper nicht. «Pflanzliche Nahrung liefert essenzielle Fettsäuren, die der Körper selbst nicht herstellen kann», erklärt Sabine Clever, Ernährungsberaterin in Frick AG.

Fette sind Träger der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Und: Erst durch Fett wird unser tägliches Essen ein richtiger Genuss, weil es den Speisen eine angenehm schmelzende Konsistenz gibt, Duft und Geschmacksstoffe enthält und nicht zuletzt Energie erzeugt.

Fett braucht der Mensch wie ein Auto das Schmieröl. Fett macht Haut und Muskeln elastisch und «schmiert» die Gelenke. Doch allzu fettreiches Essen birgt mancherlei Gefahren. Sabine Clever: «Überschüssiges Fett wird im Gewebe abgelagert und führt so mit der Zeit zu Übergewicht. Die berühmten Pölsterli an Bauch und Hüften machen sich bemerkbar.»

65 bis 80 Gramm sichtbare oder versteckte Fette täglich gelten als maximale Richtgrösse. Wer mehr zu sich nimmt, beeinträchtigt nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern riskiert auch ernsthafte Gesundheitsprobleme - vor allem für das Herz-Kreislauf-System sowie den Bewegungsapparat.

Zu viel Fett bedeutet auch: Unausgewogene Ernährung, die Versorgung mit anderen lebenswichtigen Nährstoffen kommt dabei zu kurz.


Gesunde Ernährung schliesst Genuss nicht aus

Eine gesunde Ernährung besteht nicht nur aus Verboten, sie schliesst Abwechslung und Genuss nicht aus:

- Alle Nahrungsmittelgruppen: Wer täglich alle Nahrungsmittelgruppen berücksichtigt, deckt den notwendigen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. Gesundes Essen ist kohlenhydrat- und faserreich. Daher sollte mindestens die Hälfte der täglichen Nahrungszufuhr aus Vollkornbrot, Teigwaren, Getreide, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Gemüse und Früchten bestehen. Eiweisshaltige Produkte (Milch, Käse, Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier und Fette) ergänzen den Menüplan.

- Öl statt Butter: Für eine figurfreundliche Ernährung ist es ratsam, beim Kochen nicht Butter, sondern Öl mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (wie beim Rapsöl) zu verwenden, für die kalte Küche (Salate) jedoch Öl mit hohem Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren (Distelöl).

Sabine Clever: «Es genügt nicht, wenn Sie beim Fleisch oder beim Schinken das sichtbare Fett entfernen. Besonders heikel sind die versteckten Fette. Sie kommen in grösseren Mengen in Aufläufen, Fritiertem, in Snacks, Saucen, Süssigkeiten, Backwaren, Fertig- und Fast-Food-Gerichten sowie in überfetteten Wurst- und Käsewaren vor».

So können Sie den Fettkonsum reduzieren: Bereiten Sie zu Hause das Essen schonend zu. Wählen Sie fettarme Kochmethoden (Kochen im Wasser, Grillieren, Garen im Saft oder in der Mikrowelle) und verzichten Sie auf mastige Saucen.

Wenn Sie auswärts essen, dürfen Sie vor allem bei kohlenhydratreichen Beilagen zugreifen. Essen Sie fetthaltige Speisen mit Mass.

Auch so genannte «Low-fat»- oder Light-Produkte sind nicht das Gelbe vom Ei. Sie sind nur dann sinnvoll, wenn Zuckerkalorien durch künstliche Süssstoffe ersetzt werden (Süssgetränke, Bonbons etc.).

Für Ihre Gesundheit tun Sie mehr, wenn Sie vollwertige Grundnahrungsmittel verwenden. Wenn den Lebensmitteln die Fette künstlich entzogen werden, gehen immer auch Vitamine und wichtige Fettsäuren verloren.

Grundsätzlich gilt: Lieber gesund mit ein, zwei Kilo zu viel als krank mit «Idealgewicht».

Marko Müller



Wussten Sie ...

... dass die Schweizer Bevölkerung insgesamt 5000 Tonnen Fettreserven, sprich Übergewicht, mit sich herumschleppt?

«Zu viel, zu fett, zu süss, zu viel Alkohol» lautet denn auch das Fazit des Schweizerischen Ernährungsberichtes von 1998. Demnach bringen 30 Prozent der Eidgenossen - also mehr als 2 Millionen - zu viele Kilo auf die Waage. Eine schwere Hypothek auch für die Volkswirtschaft: Denn die Kosten, die aufgrund «falscher» Ernährung entstehen, belaufen sich laut der Schweizerischen Vereinigung für Ernährung heute jährlich auf rund 5,5 Milliarden Franken - das sind rund 15 Prozent der gesamten Ausgaben für das Gesundheitswesen. Es wird geschätzt, dass Ernährung in der Entstehung von 35 Prozent der Krebs-Erkrankungen eine Rolle spielt.

So liegt es auf der Hand, dass die Schlankheitsindustrie auch in der Schweiz dick im Geschäft ist. Insgesamt dürften in der Schweiz die Konsumenten jährlich bis 2 Milliarden Franken für die schlanke Linie respektive für den Kampf gegen das «Dicksal» auf den Tisch legen.
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