Weisse Fliegen, graue Mäuse, braune Flecken

Haus & Garten 1/2007 vom

Kurt Meister von der Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen BE beantwortet Fragen von Leserinnen und Lesern. Dieses Mal: Tipps zu schattigen Rasenflächen, Schädlingen und Krankheiten.

Wir kämpfen schon länger gegen die Weissen Fliegen. Sie plagen unsere Tomaten, Peperoncini, den Basilikum usw. Wir versuchten schon Unmengen handelsüblicher Mittel - ohne Erfolg. Was hilft?
René Peter, Kilchberg


Meister: Die Weissen Fliegen gehören zur Gruppe der Schildläuse. Im Freien befallen sie vor allem Kohlgewächse, Tomaten, Gurken usw. Die Insekten sind schwierig zu bekämpfen: In ihrem sehr kurzen Lebenszyklus sitzen sie auf den Blattunterseiten und werden schnell resistent gegen die Spritzmittel.

Die Weisse Fliege ist 1 bis 2 Millimeter gross. Ein Weibchen legt, ebenfalls auf den Blattunterseiten, rund 100 bis 500 winzige weisse Eier ab. Je nach Witterung dauert die Entwicklung zum Vollinsekt 2 bis 4 Wochen. Dann beginnt sofort die Fortpflanzung mit bis zu zehn Generationen pro Jahr.

Natürliche Feinde der Weissen Fliege sind Schlupfwespen. Kaufen Sie deshalb nützlingsschonende Insektizide - zum Beispiel das biologische «Neem Azal T/S». Bespritzen Sie die Blattunterseiten gut. Nach 8 bis 10 Tagen wiederholen.

Schmierseife eignet sich ebenfalls bestens: Auf 1 Liter Wasser nimmt man 20 Gramm. Auch die Blattunterseiten gut benetzen, denn die Schmierseife umhüllt die Larve und lässt das Insekt ersticken. Hängen Sie im befallenen Bestand gelbe Klebfallen auf (erhältlich in Gartencentern): Gelb lockt die Weisse Fliege an.


20 Meter westlich von unserem Haus beginnt der Wald. Ab etwa 16.30 Uhr verschwindet die Sonne hinter den hohen Buchen. Unseren Rasen dünge und vertikutiere ich im Frühling und Herbst. Verlangt die spezielle Lage, den Vorgang mehrmals zu wiederholen? Wir wollen jedoch keinen englischen Rasen.
Werner Felix, Rottenschwil


Meister: Dünger ist für den Rasenwuchs sehr wichtig - speziell an schattigen Lagen. Verwenden Sie einen Langzeitdünger, der mindestens 6 Monate wirkt? Dann genügt eine einmalige Gabe. Ansonsten müssen Sie mindestens zweimal pro Jahr düngen: das erste Mal im April, das zweite Mal im August. Die Dosierung richtet sich nach dem verwendeten Produkt. Beachten Sie die Anleitung auf der Packung.
Was können wir tun gegen die vielen Mäuse im Garten, ohne dass unsere beiden Katzen an allfälligem Rattengift oder Ähnlichem Schaden nehmen?
Daniel Walther, Hinterforst


Meister: In unseren Parkanlagen der Gartenbauschule setzen wir kein Mäusegift ein. Vielmehr versuchen wir, die Population mit Fallen in den Griff zu bekommen. Eine der besten ist die Topcat-Mausefalle: Sie schnappt schnell zu und ist sofort tödlich. Der Zeitaufwand fürs Fallenstellen ist im Vergleich zu anderen Geräten gering.

Die Falle ist robust, aus rostfreiem Stahl und ihr Fangmechanismus simpel: Ein von zwei Seiten zugängliches Rohr stellt man in den Mausgang. Kriecht eine Maus (auch kleine und junge) durch das Rohr, löst die Falle den Fangmechanismus aus. Sie funktioniert ohne Beigabe von Gift oder Gas und ist daher umweltschonend. (Erhältlich bei Topcat GmbH, Breitenhof 153, 4451 Wintersingen)


Unser Zwetschgenbaum trägt regelmässig Früchte. Doch jedes Jahr leidet er stärker unter Schrotschuss, mit entsprechend geringerem Ernteertrag. Ich verwende im Frühjahr Pflanzenschutzmittel - und zwar Rondo oder Flint. Laut Anleitung muss man beide Mittel dreimal verabreichen. Meines Wissens enthalten die zwei Produkte nicht denselben Wirkstoff. Kann ich für eine Intensiv-Behandlung beide je dreimal benützen?
Christoph Rothenberger, Bonstetten

Meister: Rondo und Flint haben tatsächlich verschiedene Wirkstoffe. Drei bis vier Behandlungen zwischen März und Juni sollten aber genügen. Eine Alternative ist Cupromaag auf Kupfer-Basis.

Schrotschuss befällt Blätter, Früchte und Holz von Stein-obst-Arten, besonders in niederschlagsreichen Jahren und Regionen. Oft folgen empfindliche Ertragseinbussen. Bald nach dem Austrieb (bis Juni) erscheinen auf den Blättern rötliche Flecken von 1 bis 3 Millimeter Durchmesser. Krankes Blattgewebe wird braun, trocknet ein und fällt aus dem Zellverband heraus - typische «Schrotschuss»-Löcher. Man verwechselt sie häufig mit Frasslöchern von Schädlingen. Schrotschuss befällt die unteren Kronenpartien stärker und führt zu vorzeitigem Blattfall.

Auf jungen Früchten entstehen runde, eingesunkene, dunkelbraune, oft rot umrandete Flecken. Die Früchte fallen vorzeitig ab oder verkrüppeln und vertrocknen. Sie sind Infektionsherde, weil der Pilz in diesen Früchten überwintert. Seine Sporen werden im Frühling von Regen und Wind auf die jungen Blätter getragen. Dies verursacht Krankheitssymptome und Infektionen. Räumen Sie deshalb im Herbst alte Blätter und Früchte weg - und schneiden Sie befallene Triebe mit Harzfluss-Stellen zurück.


Meine rund 10-jährigen Holunderbüsche blühten letztes Jahr prächtig und trugen Beeren. Im Sommer aber begannen beide zu serbeln, die Beeren vertrockneten. Bereits im September waren die Sträucher kahl. Was fehlte ihnen?

Ausserdem: Warum produzieren meine selbst gezogenen Kürbisse wochenlang nur männliche Blüten, bevor weibliche spriessen und Früchte entwickeln? Und dann waren die Butternut-Kürbisse erst noch winzig.
Eva Frei, Spiez

Meister: Das letzte Jahr war schwierig: Kälte und Schnee bis April, Mai und Juni auch eher kühl und nass, der Juli heiss und sehr trocken, danach ein zu nasser und kalter August. Das Verhalten der Holundersträucher führe ich auf diese Wetterkapriolen zurück. Beobachten Sie deshalb den Austrieb im Frühling.

Kürbisse haben geschlechtsgetrennte Blüten - männliche und weibliche auf demselben Gewächs. Das sind sogenannte einhäusige Pflanzen. Um Selbstbestäubung und Inzucht zu verhindern, blühen beim Kürbis zuerst die männlichen und erst danach die weiblichen Blüten. Je nach Witterungsverlauf blühen die weiblichen relativ spät und entwickeln deshalb nur kleine Früchte.

In der Pflanzenwelt sind im Normalfall in der gleichen Blüte die männlichen und weiblichen Organe vorhanden. Einige Gewächse sind nur weiblich oder nur männlich: zweihäusige Pflanzen wie Kiwi, Ginkgo-Baum und Stechpalme.



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