Wanderschuhe: Qualität hat ihren Preis

K-Tipp 13/2008 vom | aktualisiert am

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Sechs von zehn Paar Wanderschuhen bestanden den K-Tipp-Test mit der Note «gut». Allerdings sind sie nicht günstig, dafür wasserdicht.


Walking, Trekking, Hiking, Backpacking. Wozu sich ein Wanderschuh eignet – dafür kreiert jeder Hersteller seine eigenen Kategorien. Die Grenzen sind fliessend und meist verwirrend. Entsprechend viel Zeit sollte man sich beim Schuhkauf nehmen (siehe «Kauftipps»).

Der K-Tipp liess zehn der meistverkauften Herren-Wanderschuhe vom Prüf- und Forschungsinstitut in Pirmasens (D) testen. Die meisten Modelle gibt es auch für Frauen (ausser Karbo, Hightrail 1.0 und Chameleon).

Gute Wanderschuhe haben ihren Preis. Das ist ein Fazit des Tests. Sechs Paare schnitten gut ab, kosten aber zwischen 220 und 299 Franken. Die günstigen Eigenmarken von SportXX und Athleticum schafften immerhin ein «genügend». Einzig das Ochsner-Sport-Modell fiel durch (siehe Tabelle im pdf-Artikel).

Die Wanderschuhe hatten neun Prüfungen zu bestehen, zum Beispiel: Sind sie wasserdicht, leiten sie den Schweiss nach aussen? Die Dämpfung der Innensohle sollte gut, die Sohle rutschfest sein. Zudem darf sich das Futter nicht zu schnell abnutzen (siehe «So wurde getestet»).

Keine Probleme hatten die Wanderschuhe beim Dämpfen von Stössen, beim Abrieb der Sohle und beim Scheuertest. Bei der Rutschhemmung aber fielen alle Paare durch. Hanwag, Merrell und Lowa wollen Nachfolgemodelle mit verbesserter Sohle bestücken. Salomon und SportXX versprechen einen guten Halt, nachdem die Sohle eingelaufen ist. Raichle liefert einen eigenen Test mit genügenden Werten. Meindl und Lowa kritisieren die Testmethode.


Mehrzahl der Schuhe trocknen lausig

Negativ: Die Mehrheit der Wanderschuhe waren nach sechs Tagen noch immer feucht. Für den K-Tipp sind fünf Tage das Maximum. So kommt der Wanderfreund an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden mit trockenen Füssen in die Berge.

Zwei Modelle sind nicht wasserdicht: Die Big-Bear-Schuhe waren nach einer Stunde nass. Ochsner Sport schreibt, das verwendete Material sei schmutz- und wasserabweisend. Aber: «Es ist nicht wasserdicht und auch nicht so angepriesen.» Beim K-Tec-Modell blieb nur der linke Schuh trocken.

Der Big-Bear-Schuh versagt beim Dauerbiegetest und bei der Wasserdampfdurchlässigkeit. Das bedeutet, dass die Sohle nach einer leichten Beschädigung schnell unbrauchbar wird. Und dass der Schuh zu wenig Schweiss austreten lässt. Ochsner Sport will diesen Schuh nun selber testen.

Beim Dauertest waren Karbo, Hightrail und Chameleon «ungenügend». Nach 100 000 simulierten Schritten war der Schuhunterbau zu stark verformt. SportXX (Karbo) und Merrell (Chameleon) wollen diesen Punkt beim Nachfolgemodell besonders beachten. Athleticum äusserte sich nicht zum Test.


So wurde getestet

  • Wasserdichtigkeit: Der Gehsimulator bewegt den Schuh drei Stunden lang im Wasserbad. Eine Sonde signalisiert den Wassereintritt.
  • Rücktrocknung: Wie lange dauert es, bis der feuchte Schuh wieder trocken ist?
  • Wasserdampfdurchlässigkeit: Das Labor misst, wie viel Wasserdampf vom Schuhinnenraum nach aussen geleitet wird.
  • Scheuerversuch: Das Futter im Fersenbereich wird rund 50 000-mal getrocknet und 12 000-mal nass gescheuert. Das Material muss dies unbeschädigt überstehen.
  • Dauerbiegen der Sohle: Ein Apparat biegt die Laufsohle 30 000-mal. Danach misst das Labor das Wachstum eines vorher angebrachten Schnitts.
  • Abrieb der Sohle: Die Sohle wird mit Druck auf einer rauhen Unterlage gerieben und der Verschleiss millimetergenau gemessen.
  • Rutschhemmung: Der Schuh wird auf einen Boden gestellt und belastet. Der Boden bewegt sich horizontal.
  • Dämpfungsverhalten: Auf den Fersenbereich im Schuh wird ein Gewicht fallen gelassen. Damit simuliert das Labor einen Aufprall etwa nach einem Sprung.
  • Dauerbelastung: Ein Stempel belastet den Unterbau im Fersenbereich 100 000- mal. Bleibt nach einem Tag eine Verformung von über 15 Prozent, ist der Unterbau ungenügend.


Kauftipps: Beim Anprobieren bergab gehen

Anprobe

Viel Zeit für den Kauf eines Wanderschuhs einplanen. Das Angebot ist reichhaltig, und die Füsse unterscheiden sich anatomisch stark. Probieren Sie links und rechts verschiedene Schuhe. So spüren Sie den Unterschied, falls Sie nicht unterschiedlich grosse Füsse haben. Achtung: Am Nachmittag sind die Füsse grösser als am Morgen.

Behalten Sie beide Schuhe längere Zeit an. Gehen Sie damit bergab – etwa über eine Rampe. Die Zehen dürfen dabei vorne am Schuh nicht anstossen. Auch eine Treppe eignet sich für diesen Test: Absatz an der Stufe einhängen, Füsse nach unten drücken.

Wanderschuhe sind eher eng geschnitten. Versuchen Sie auch grössere Nummern als die gewohnte. Die Zehen sollten etwas Bewegungsfreiheit haben, Ferse und Mittelfuss müssen gut fixiert sein. Druckstellen dürfen nicht vorkommen. Das Fussbett soll passen.

Probieren Sie die Schuhe mit den Socken, die Sie auch beim Wandern tragen. Diese sollten an Ferse, Zehen und Rist verstärkt sein. Die Nähte dürfen nicht auftragen.

Innenausstattung

Die Innensohle sollte herausnehmbar sein. So trocknen die Schuhe schneller. In den Schuh gestopftes Zeitungspapier unterstützt das Trocknen. Schuhe nie an die Heizung stellen. Fragen Sie nach wasserdichten und atmungsaktiven Schuhen (Sympathex, Gore-Tex).

Sohle

Die Sohle sollte nicht zu stark dämpfen. Wer schwer ist oder schwere Lasten trägt, ermüdet sonst schneller.

Zunge

Die Zunge muss gepolstert sein. Je weiter oben die Zunge mit dem Schuh vernäht ist, desto besser schützt der Schuh gegen Wasser.

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