Übernachten mit Nebenwirkungen

K-Tipp 15/2013 vom

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Der K-Tipp hat die Wasserqualität in 40 Schweizer Hotels auf Erreger der Legionärskrankheit untersucht. Fazit: Von 5 Hotels ist abzuraten, ein paar weitere liegen im heiklen Bereich.

Die Legionärskrankheit ist alles andere als harmlos: Sie kann zu einer Lungenentzündung und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Pro Jahr erkranken in der Schweiz laut Bundesamt für Gesundheit gegen 250 Per­sonen daran – für 6 bis 11 Prozent verläuft die Krankheit tödlich. 

Übertragen wird die Krankheit durch das Ein­atmen feiner Wasserpartikel, die Legionellen enthalten. Besonders gefährlich ist das für ältere und kranke Menschen. Nicht mehr gefährdet als gesunde Erwachsene sind Kleinkinder. Nebst Duschen stellen auch Klimaanlagen, Luftbefeuchter und Sprudel­bäder ein Risiko dar. 

Der K-Tipp hat das Warmwasser von 40 Deutschschweizer Hotels von einem Labor auf den besonders heiklen Le­gionellen-Typ Legionella pneu­mophila untersuchen lassen. Die Wasserproben wurden in den öffentlich zugäng­lichen WC-Lavabos der Hotels genommen. Da ­Legionellen vor allem im Boilerwasser vorkommen, ist das ganze Leitungs­system betroffen.


Mit der Anzahl Keime steigt das Risiko

Die Resultate: In der Wasserprobe des 4-Sterne-Hotels Flora in Luzern fand das Labor 73 000 keim­bildende Einheiten (KBE) pro Liter. Zum Vergleich: Pierre Studer vom Bundesamt für Gesundheit spricht ab 10 000 KBE von einer «hochgradigen Kontamination». Solches Wasser ist gesundheitsgefährdend (siehe Kasten). 

Hoteldirektorin Jessica Ternes sagt: «Wir können uns das Ergebnis nicht erklären.» Das Hotel bekämpfe die Legionellen, indem das Wasser nachts während zwei­einhalb Stunden auf über 60 Grad erhitzt werde und ständig zirkuliere. Ternes hat umgehend ein Institut beauftragt, das gesamte Hotel «ausserplanmässig zu überprüfen». 


Miserables Wasser in fünf geprüften Hotels

Alarmierende Werte fand das Labor auch im ­Warmwasser der Hotels St. Georges in Zürich, «Ambassador» und «Backpackerhotel Glocke» in Bern – sowie im Hotel Heiden in Heiden AR. Dieses Hotel wirbt mit Gesundheit und Wellness. «Das Resultat überrascht mich», so Hoteldirektor Caspar Lips. Die Wasserqualität werde regelmässig überprüft. «Wir lassen sofort die Wasserauf­bereitung kontrollieren.» 

Alle fünf Hotels mit ­einem gefährlich hohen Wert kündigten gegenüber dem K-Tipp an, unverzüglich Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität einzuleiten. 


Tipps: So verhindert man Legionellen

  • Legionellen fühlen sich in Wasser zwischen 25 und 

55 Grad besonders wohl. Daher gilt: Temperatur des Warmwassers im Boiler nie unter 60 Grad fallen, Kalt­wasser nicht über 20 Grad erwärmen lassen. 

  • Nach längerer Abwesenheit die Leitungen mehrere ­Minuten durchspülen. Dabei die Wohnung verlassen.
  • Hat es im Wasser nicht mehr als 1000 keimbildende Einheiten (KBE) pro Liter, besteht laut Bundsamt für ­Gesundheit ein geringes Gesundheitsrisiko. Wasser mit 1000 bis 10000 KBE gilt bereits als kontaminiert. Das heisst: Es sollten Schutzmassnahmen eingeleitet werden – zum Beispiel eine Desinfektion des Leitungs­systems. 

«In der Regel sind die Menschen sehr resistent gegen die Legionärskrankheit», sagt Pierre Studer. Aber: Ab 10 000 KBE steige das Risiko einer Ansteckung. Symptome sind ­Fieber, Husten, Durchfall, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Lungenentzündung.

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt: Wo Werte ab 10 000 KBE vorhanden sind, sollte man das Leitungs­system unbedingt desinfizieren.  

Eine Checkliste für den Umgang mit dem Legionellenrisiko gibts unter www.bag.admin.ch/Themen/Krankheiten und Medizin/Infektionskrankheiten A–Z/Legionellose/Modul 16, «Spezialfall Hotels und andere vor­übergehende Übernachtungsorte».

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