Tauchen trotz Verbot

Gesundheitstipp 12/2002 vom

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Trotz Verbot werden im Kanton Basel-Stadt Babys getaucht. Jetzt wollen die Behörden prüfen, ob sich die Kursanbieter strafbar machen. Diese weisen Vorwürfe von sich: Sie würden die Babys nur kurz untertauchen.

Babyschwimm-Kurse sind beliebt und für Säuglinge meist eine Freude. Nicht immer bleibt es aber beim Planschen. Manchmal werden die Babys von ihren Eltern und den Kursleiterinnen auch getaucht. Die Kleinen sollen sich so «intensiv» ans Wasser gewöhnen und - im Notfall - weniger schnell ertrinken.

Der Bericht in der letzten Ausgabe des Puls-Tipp löste heftige Reaktionen aus. Ärzte und der Schwimmsport-Verband schütteln den Kopf. Diese Tauchpraktiken seien Gewalt am Kind und könnten die Ohren schädigen, kritisieren sie und raten dringend vom Tauchen ab.

Im Kanton Basel-Stadt ist das Tauchen von Babys verboten - seit 20 Jahren schon. Das Sanitätsdepartement verbot am 4. November 1982 Schwimmkurse, bei denen das Untertauchen einen «wesentlichen» Bestandteil bildet. Anlass dafür war der Genfer Schwimmlehrer Jean Fouace, der Babys unzimperlich unter Wasser drückte und seine laut den damaligen Behörden «quälerische» Methode in der ganzen Schweiz propagierte.

Das Basler Sanitätsdepartement legt den Begriff «wesentlich» streng aus. So sei das Tauchen verboten, wenn es «fester Bestandteil» des Kurses sei, erklärt Jurist Urs Höchle vom Sanitätsdepartement. Trotzdem ist das Untertauchen von Babys in Kursen der Schwimmschule beider Basel enthalten: Laut Schulleiter Martin Wolf ist dem Tauchen «ein Teil des Kurses» gewidmet. Wesentlich im Kurs sei die Wassergewöhnung, weshalb das Verbot «nicht anwendbar» sei.

In einem Werbeprospekt der Basler Schwimmschule Knechtli ist sogar eine Mutter mit Taucherbrille abgebildet, die mit ihrem Baby getaucht ist. Daneben heisst es unter anderem: «Der Atemschutzreflex ermöglicht dem Baby das Tauchen und Schwimmen im Wasser.»

In einem Schreiben an den Puls-Tipp räumt die Schwimmschule ein, dass «die Kinder nicht hinuntergedrückt werden». Man «dippe» bloss ihr Gesicht «behutsam» ins Wasser. Beide Kursanbieter halten zudem fest, dass das Tauchen freiwillig sei und das Wohl der Kinder oberste Priorität habe.

Das Basler Sanitätsdepartement will die Kurse vor Ort überprüfen. «Bis dahin bleibt offen, ob die Anbieter gegen das Verbot verstossen oder nicht», erklärt Urs Höchle. In der Schweiz gibt es Dutzende von Babyschwimm-Kursen. Willkür ist an der Tagesordnung. Die einen Kursanbieter behaupten, Tauchen ab drei Monaten sei unbedenklich. Andere raten, frühestens mit neun Monaten überhaupt erst ins Wasser zu gehen. Bei Babyschwimm-Kursen herrsche ein «Dschungel», sagt Hans-Ueli Flückiger, Geschäftsführer von Swimsports Schweiz, dem Dachverband von 22 Schwimmsport-Verbänden.

Kein Bundesamt hat die Kurse je geregelt. «Jeder kann Babyschwimm-Kurse geben, ohne sich seriös ausbilden zu müssen. Das ist äusserst unbefriedigend», ärgert sich der angesehene Schwimminstruktor Felix Sprecher. Er hat vor Jahren aufgehört mit Baby-Tauchen. «Die Babys werden unnötig gefährdet.» Für Sprecher ist klar: «Nur wer eine fundierte Ausbildung hat, sollte Kurse leiten dürfen.»



Baby-Schwimmen

Beachten Sie folgende Punkte bei der Wahl eines Kurses:

- Abzuraten ist von Kursen, in denen man Babys taucht.

- Fragen Sie die Kursleitung nach ihrer Ausbildung. Swimsports bietet die Ausbildung zur Leiterin Wassergewöhnung ESK an.

- Besuchen Sie mit Ihrem Baby eine Probelektion.

- Sinnvoll ist Babybaden ab vier Monaten: Es fördere Motorik, Konzentration und Gleichgewichtssinn - ohne Tauchen.

- Informationen erhalten Sie bei: Swimsports, 8904 Aesch, Internet: www.swimsports.ch, E-Mail: [email protected]
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