Strahlende Kochherde

saldo 19/2011 vom

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Induktionsherde strahlen doppelt so stark, wie der Grenzwert erlaubt. Das ergaben Messungen im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit. Besonders betroffen: Schwangere und Kinder.

Gegenüber anderen Elektroherden verbrauchen Induktionskochherde nur halb so viel Strom. Sie sind beliebt, weil man mit ihnen schnell kochen und braten kann: Letztes Jahr war laut Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe jeder sechste neu verkaufte Herd für Privatküchen ein Induktionskochherd – total wurden in der Schweiz im Jahr 2010 rund 28 000 Geräte abgesetzt.

Das Besondere an Induktionskochherden: Sie erzeugen Wärme durch Magnetfelder. Diese dringen in die Pfannenböden ein und verursachen dort elektrische Ströme, welche Pfannen und Kochgut erhitzen. Ein Teil der durch die Magnetfelder entstehenden Strahlung belastet die Umgebung. Je leistungsfähiger der Herd, desto stärker die Strahlung. Und: Je näher jemand an einem Kochherd steht, desto stärker ist die Person den Strahlen ausgesetzt.

Und das ist nicht ohne Risiko: Vor fünf Jahren wies das Bundesamt für Gesundheit erstmals auf mögliche gesundheitliche Gefahren hin. Die Magnetfelder könnten Nerven- und Muskelreizungen auslösen und den Betrieb von Herzschrittmachern stören. Die Internationale Krebsagentur IARC bezeichnet solche Magnetfelder als «möglicherweise krebserregend».


Strahlenbelastung abhängig von Körperbau, Alter und Geschlecht

Dann geschah lange nichts mehr. Erst heute ist man beim Bundesamt einen Schritt weiter. Eine Computersimulation ergab: Der Abstand zum Gerät wurde bisher überschätzt, die effektive Strahlenbelastung unterschätzt. Trotz identischer Strahlendosis des Herdes waren verschiedene Personen unterschiedlich stark bestrahlt worden. Die resultierenden Werte sind unter anderem abhängig von Körperbau, Alter oder Geschlecht. Besonders bedenklich: Bei einer im neunten Monat Schwangeren überschritt die Strahlenbelastung den international gültigen Grenzwert um das Doppelte. Ähnlich hoch war sie bei einem sechsjährigen Knaben (siehe Grafik). Eine verbindliche Vorschrift für besondere Grenzwerte für Risikogruppen wie Schwangere gibt es nicht.

Die Simulation wurde im Auftrag des Bundesamts durch das ETH-nahe Zürcher Forschungsinstitut Itis durchgeführt. Zum Einsatz kamen zwei handelsübliche Einbau-Induktionskochherde für Privatküchen.

Martin Meier von der Abteilung Strahlenschutz des Bundesamtes fordert, dass «die Messmethoden so angepasst werden, dass sie die Verwendung von Induk­tionsherden in privaten Küchen realistisch abbilden». Konkret: Die Strahlenintensität soll nicht mehr gemäss internationaler Norm im Abstand von 30 Zentimetern zum Kochfeld gemessen werden, sondern neu dort, wo die Personen tatsächlich stehen beim Kochen. Also an der Herdkante.


Strahlung von aktuellen Herden ist unklar

Rudolf Bolliger, Geschäftsführer des Fachverbandes für Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe, stellt die Studienresultate des Bundesamtes für Gesundheit in Frage. Es seien «alte Untersuchungen sachlich unrichtig aktualisiert» worden.

Die Leistung der Induktionskochstellen hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Diverse aktuelle Modelle können aber kurzzeitig mit erhöhten Leistungen arbeiten – mit entsprechend stärkerem Magnetfeld. Die Auswirkungen sind unklar.

Bundesamt und Fachverband wollen deshalb neue Messungen durchführen.  


Tipps

  • Passen Sie die Pfannengrösse dem Kochfeld an.
  • Benutzen Sie Pfannen, welche speziell für Induktionskochherde bezeichnet sind. Eine verbindliche Norm existiert jedoch nicht.
  • Stellen Sie Pfannen in die Mitte der Kochzone.
  • Verwenden Sie keine Metallkochlöffel.
  • Wenn Sie sehr nahe am Herd stehen, benutzen Sie am besten die hinteren Kochfelder oder dann die vorderen bei reduzierter Leistung.
  • Personen mit einem Herzschrittmacher oder implantiertem Defibrillator sollten das Risiko durch einen Induktionskochherd mit ihrem Arzt besprechen.
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