Schüler als Verkäufer missbraucht

K-Tipp 05/2014 vom

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Ein Metallstift soll angeblich Benzin «energetisieren» und so den Verbrauch reduzieren. Wissenschafter schütteln den Kopf. Der Verkauf durch Schüler wurde jetzt gestoppt.

Er kostet 99 Franken für kleine Autos und 249 Franken für Mittelklassewagen: der wenige Zentimeter lange Metallstift namens BE-Fuelsaver der Zürcher Firma Ambition. Er wird im Tank befestigt und soll den Benzinverbrauch gemäss Ambition um bis zu 20 Prozent reduzieren. Laut Prospekt verändert der Metallstift «die molekulare Struktur der Treibstoffe und optimiert damit den Verbrennungsprozess». 

Das klingt wissenschaftlich. Doch Jürg Hutter, Professor für physikalische Chemie an der Universität Zürich, sagt: «Die Erklärung zur Wirkungsweise widerspricht unserem Wissen zur chemischen Bindung.» Ein Test der Technischen Universität Wien hat denn auch ergeben, dass der Metallstift keine Wirkung auf den Treibstoffverbrauch hat.

Umso erstaunlicher, dass dieses Produkt in Langenthal BE von Schülerinnen und Schülern einer öffentlichen Schule im Rahmen eines Schulprojekts verkauft wird. Dem K-Tipp liegt ein Faltprospekt der Firma Ambition vor, auf dem ein Stempel die «Vertriebspartnerschaft» mit ­einer Klasse der Schule Elzmatte belegt.

Finanzierung der Abschlussreise

Gregor Drabich von Ambition bestätigt die Zusammenarbeit: Die Lehrerin der Klasse habe ihn kontaktiert. Er habe sein Produkt daraufhin der Klasse vorgestellt und die Jugendlichen überzeugen können. 

Auch Martin Imober­steg, Leiter der Schule Elzmatte, bestätigt die Zusammenarbeit der Schulklasse mit der Firma Ambition. Die Jugendlichen hätten mit dem Vertrieb des Produkts ihre Abschlussreise finanzieren wollen. Eine Gruppe von Knaben habe das Produkt selbst an einem Mofa und einem Traktor getestet. «Zu ihrem Erstaunen mussten sie feststellen, dass das Gerät Benzin spart», so Imobersteg. «Getragen von den selbst erarbeiteten Resultaten ist die Klasse zum Verkaufspartner des Produzenten geworden.» 

Martin Imobersteg ist der Meinung, dass das Projekt aus didaktischer Sicht eine sehr gute und lehrreiche Versuchsanlage sei, um den Jugendlichen die Abläufe der Wirtschaft näherzubringen.

Seltsam nur, dass der Schulleiter nach der Anfrage des K-Tipp den Verkauf des Metallstifts durch die Schüler «aus rechtlichen Gründen» sistiert hat.

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