Schluss mit umstrittener Werbung für Turnschuhe

saldo 01/2012 vom

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Easytone-Schuhe von Reebok sollen die Muskeln stärken und den Po straffen. Nachgewiesen ist das nicht. In den USA wird die Firma jetzt zurückgepfiffen. Auch Schweizer Fachleute bezweifeln, dass solche Schuhe fit machen.

Die Kamera fixiert einen straffen Po  in knappen Shorts. So beginnt ein Werbefilm für die Easytone-Schuhe der Adidas-Tochter Reebok. Die Werbung flimmerte bis vor kurzem weltweit über die TV-Bildschirme. Die Botschaft: Easytone-Schuhe «straffen nachweislich deine Oberschenkel und Waden bis zu 11 Prozent und deinen Po bis zu 28 Prozent mehr als herkömmliche Freizeitschuhe». Ausschlaggebend seien die Luftpolster in den Sohlen, die für eine «leichte Instabilität» und damit mehr «Muskelaktivität» sorgen sollen.


Studien von Reebok sind laut US-Behörden praktisch wertlos

Doch jetzt gibt es für den Hersteller in den USA scharfe Kritik. Die Handels- und Verbraucherschutzbehörde FTC bemängelt, dass es keinerlei Belege dafür gebe, dass Easytone-Schuhe einen Nutzen für Fitness und Gesundheit haben. Reebok dürfe deshalb nicht mehr mit diesen Versprechungen werben. Die von der Firma angeführten Studien seien praktisch wertlos, so die Behörde. In den USA können Kunden jetzt ihr Geld für die Turnschuhe zurückfordern. Der Konzern muss dafür 25 Millionen Dollar bereitstellen. Das haben Firma und Behörde in einem Vergleich abgemacht.

In der Schweiz wirbt Reebok nach wie vor kräftig für Easytone-Schuhe sowie die vergleichbaren Produkte Traintone und Runtone. Etwa in der Sportabteilung von Jelmoli in Zürich. Dort prangt eine Werbetafel mit der Aufschrift: «Strafft Beine und Po bei jedem Schritt.» Daneben preisen Broschüren den vermeintlichen Nutzen der Schuhe an. Auch bei den Sportartikelhändlern Athleticum und Ochsner Sport heisst es im Internetshop noch immer, dass die Reebok-Schuhe Muskeln  gezielt aktivieren würden.


Auch andere Hersteller bewerben Schuhe mit «verbesserter Fitness»

Reebok ist allerdings nicht der einzige Hersteller, der seinen Sportschuhen eine wundersame Wirkung auf Fitness und Gesundheit zuschreibt (saldo 16/11). Es gibt bereits eine ganze Reihe von sogenannten Toning-Schuhen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie durch eine spezielle Konstruktion der Sohle den Gang leicht wacklig machen – nicht nur durch Luftpolster wie bei Reebok, sondern auch durch weiche Einlagen oder durch eine abgerundete Sohle. Weil der Körper die fehlende Stabilität ausgleichen müsse, würden die Muskeln stärker gefordert, behaupten die Hersteller.

Darauf beruft sich zum Beispiel auch Puma mit seinen Bodytrain-Schuhen, die dank ihrer gekrümmten Sohlen ebenfalls «straffe Beine und einen knackigen Po» machen sollen. So heisst es in einem Werbeartikel in der Gratiszeitung «20 Minuten». «Stundenlanges Schwitzen im Fitnesscenter» sei nicht mehr nötig. Auch Schuhe der Marke «Fitflop» sollen die Muskeln in Gesäss und Oberschenkeln verstärkt aktivieren. Die zitierten Studien sind aber lediglich mit wenigen Versuchspersonen gemacht und erst noch vom Hersteller bezahlt. Die Werbung für Shape-ups-Schuhe des US-Herstellers Skechers behauptet sogar, dass diese «dauerhaft schlank» machen und die «Kalorienverbrennung verbessern».

Doch auch hierfür gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Das zeigte ein Bericht im «Gesundheitstipp» (4/10). Laut dem österreichischen Sportwissenschafter Wieland Kinz seien die vom Hersteller angeführten Studien «nicht ernst zu nehmen». Die Zürcher Sportmedizinerin Susanna Bischoff von der Sportclinic Puls 5 bezeichnete die Anpreisung von Shape-ups als Schlankmacher gar als «Bauernfängerei». Gegenüber saldo bestätigt die Fachfrau: Toning-Schuhe mit abgerundeter Sohle wie Shape-ups würden bloss die Gelenke im Innern des Fusses ruhigstellen, da man den Fuss über die runde Sohle abrolle. Toning-Schuhe mit Luftpolstern wie diejenigen von Reebok würden lediglich zu «einem etwas beschwingteren Gang» führen. Allenfalls könne man mit solchen instabilen Schuhen die Koordination etwas trainieren.

Eine der wenigen unabhängigen Studien zu Toning-Schuhen weist darauf hin, dass diese gegenüber normalen Sportschuhen keine Vorteile haben. Die Forscher der La-Crosse-Universität in Wisconsin (USA) untersuchten Schuhe der Marken Skechers, Reebok Easytone und MBT.


Mehrbelastung einzelner Muskeln kann Nachteile haben

Auch Xaver Kaelin ist bei Toning-Schuhen skeptisch. Kaelin ist Leiter der Biomechanik in der sportmedizinischen Rennbahnklinik in Basel. Er sagt: «Ich halte es für unseriös, wenn Hersteller behaupten, dass ihre Schuhe die Fitness fördern oder sogar schlank machen.» Aufgrund der instabilen Sohle könne man zwar annehmen, dass Toning-Schuhe gewisse Muskeln mehr beanspruchen und trainieren. Dies könne aber auch negative Folgen haben, so der Fachmann: «Bei zu starker Beanspruchung können solche Schuhe Sehnen, Muskeln und Gelenke auch überlasten.»

Reebok hat bis Redaktionsschluss auf Fragen von saldo trotz mehrmaligen Nachfragens nicht geantwortet. Fitflop sagt, dass ihre Schuhe nicht mit anderen vergleichbar seien. Der Effekt beruhe nicht auf einer Wackelsohle, sondern auf der unterschiedlichen Dichte des Materials innerhalb der Sohle. Fitflops seien zusammen mit «führenden und unabhängigen Experten» entwickelt worden und in «qualifizierten Labors» getestet. Puma und Skechers wollten nicht Stellung nehmen.


Training: So starten Sie fit ins neue Jahr

  • Trainieren Sie zwei- bis dreimal pro Woche.
  • Wechseln Sie ab zwischen Ausdauer (Joggen, Velofahren), Kraft und Beweglichkeit (Stretching, Gymnastik). Weitere Anregungen finden Sie unter www.lauftipps.ch.
  • Bewegen Sie sich im Alltag: Gehen Sie wenn möglich zu Fuss oder mit dem Velo zur Arbeit und zum Einkaufen, steigen Sie beim Tram ein, zwei Haltestellen früher aus, meiden Sie Lift und Rolltreppe.
  • Wenn Sie lange keinen Sport gemacht haben, fangen Sie langsam an, zum Beispiel mit zügigen Spaziergängen.
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