Rückvergütungen: Tipps für abgeblitzte Anleger

K-Geld 01/2013 vom

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Das Bundesgerichtsurteil ist klar: Banken und Vermögensverwalter müssen den Kunden verdeckt erhaltene Provisionen offenlegen und auszahlen. Doch viele Finanzinstitute lassen ihre Kunden ins Leere laufen.

Rudolf Franzen (Name ge­ändert) aus Oberwil-Lieli AG gehört zu den mehreren Dutzend ­K-Geld-Lesern, die bisher vergeblich auf das ihnen zustehende Geld warten. Hintergrund: Ende Oktober 2012 hat das Bundesgericht in einem vom «K-Tipp» unterstützten Musterprozess entschieden: Banken müssen ihren Vermögensverwaltungskunden Rückvergütungen weitergeben, die sie für Anlagen der Kunden kassiert haben. Solche Provisionen fliessen z. B. von einem Fonds an jene Bank, die einem Kunden Fondsanteile verkauft hat.

K-Geld hat für Anleger einen Musterbrief zur Rückforderung verdeckter Provisionen erstellt (www.kgeld.ch). Franzen hat damit von der Raiff­eisenbank in Männedorf ZH seine Fonds-Rückvergütungen verlangt. Ohne Erfolg. Laut dem Antwortschreiben der Raiffeisen sei er ein «Anlagekunde». Das Bundesgerichtsurteil betreffe einzig Kunden mit Vermögensverwaltungsmandat. Er erhalte daher kein Geld zurück.

Richtig ist: Die Bundesrichter urteilten im Fall eines Bankkunden, der die Bank mit der Verwaltung des Vermögens beauftragt hatte. Streng genommen ist deshalb noch offen, wie das Gericht bei einem Anlageberatungsvertrag entscheiden würde. Das nützt nicht nur die Raiffeisenbank Männedorf aus: Dutzende K-Geld vorliegende Antwortbriefe von Banken wie Credit Suisse, Migros-Bank und UBS  lassen ihre Anlageberatungskunden leer ausgehen.
Tatsache ist: Die Argumenta­tion des Bundesgerichts passt auch für Anlageberatungskunden. Diverse Rechtsexperten wie die Berner Professorin Susan Emmenegger sind der Überzeugung, dass auch bei Anlageberatungsverträgen Kickbacks den Kunden gehören. Solche Verträge werden aber häufig nur mündlich abgeschlossen. Deshalb sind sie schwer beweisbar. Franzen: «Ich habe immerhin die Anlage­vorschläge meines Bankberaters als Beweismittel.»


Anlageberatung: Jedes Mal ein Protokoll verlangen

Wie aber stellen Anleger sicher, dass ihnen Vergütungen in Zukunft zufliessen? Dazu folgende Tipps:

  • Wählen Sie nur Geldverwalter und Berater, die Vertriebsentschädigungen transparent und unaufgefordert im Vertrag oder bei einzelnen Geschäften offenlegen und Ihnen zurückvergüten.
  • Lassen Sie sich vor Abschluss eines Mandats oder beim Kauf ­eines Finanzprodukts schriftlich aufzeigen, wie hoch allfällige Retrozessionen ausfallen. Vermögensverwaltungs- und Anlageberatungskunden haben ­einen gesetzlichen Anspruch auf Auskünfte über den Umfang geflossener Retrozessionen.
  • Einige Banken schreiben in ihre Verträge, dass der Kunde auf solche Rückvergütungen verzichte. Streichen Sie diese Passagen und senden Sie den Vertrag unterschrieben zurück. Besteht die Bank auf dem Verzicht, sollten Sie zu
  • einem Institut ohne Verzichtsklauseln wechseln. Diese sind übrigens ungültig, wenn nicht gleichzeitig im Vertrag steht, auf wie viel Geld Sie verzichten. Auch das hat das Bundes­gericht entschieden.
  • Verzichten Sie auf «kosten­lose» Anlageberatungen, die eine Bank oder ein Vermögensverwalter im Hintergrund mit Provisionen finanzieren. Eine seriöse Beratung hat ihren Preis (vorgängig Stundenhonorar vereinbaren). Verlangen Sie auch bei Beratung auf Honorarbasis Transparenz. Nur so können Sie abschätzen, ob Interessenkonflikte bestehen.
  • Anlagekunden: Lassen Sie sich Kaufempfehlungen nie nur ­telefonisch geben. Der Finanzberater soll alle Vorschläge schriftlich machen. Bewahren Sie diese mindestens 10 Jahre auf.
  • Fordern Sie nach jeder persönlichen Anlageberatung ein Protokoll. Im Protokoll sollten Ihr ­Risikoprofil, alle gewünschten Produkte, Anlagerisiken und Empfehlungen festgehalten sein. Lassen Sie es vom Bankberater unterschreiben.
  • Verlangen Sie von Ihrem Vermögensverwalter regelmässig Abrechnungen über erhaltene Retrozessionen und laufende Kosten.
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