Reiswaffeln: Schlechter als ihr Image

K-Tipp 02/2014 vom | aktualisiert am

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Die K-Tipp-Testergebnisse sind bedenklich: Die meisten der 20 untersuchten Reiswaffeln enthalten gleich mehrere ungesunde Stoffe – etwa Acrylamid, Arsen und Pestizide.

Reiswaffeln essen viele  Leute gegen den kleinen Hunger zwischendurch. Eltern geben die Snacks ihren Kindern auch als Pausenverpflegung mit. Die Waffeln gelten als bekömmlich und gesund. Denn sie enthalten leicht verdauliche Kohlenhyd­rate, ein bisschen Protein und wenig Fett. Zudem sind Reiswaffeln praktisch portioniert, und es gibt sie in den verschiedensten Varianten: glutenfrei, nature, gesalzen, gewürzt oder mit einer dünnen Schicht Schokolade. 

Das Münchner Lebensmittellabor Graner & Partner untersuchte für den  K-Tipp 20 Produkte auf krebserregendes Acryl­amid, auf Arsen, Rückstände von Unkraut- und Insekten­vernichtungsmitteln sowie auf Schimmelpilzgifte.

Ergebnis: Bei vielen Waffeln ist die Schadstoffbelastung überraschend hoch. Nur drei Produkte erhielten das Gesamturteil «sehr gut»: Majestic «Reiswaffeln mit Schokoladengeschmack», «Joghurt Reiswaffeln» von Spar und «Schoko Disk» von Byodo. Bei allen drei Produkten hält das Labor fest:  kaum Acrylamid, keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Schimmelpilzgiften und nur kleinste Mengen Arsen. 

Gut schnitten die ­«Paprika Flavour»-Waffeln von Coop und die Leib-und-gut-«Vollreis-Waffeln» aus dem Volg ab. 

Teils mehr Acrylamid als in Pommes frites

Bei der Bewertung war der K-Tipp streng. Die Überlegung: Als gesund geltende Lebensmittel, die oft auch von Kindern gegessen werden, sollten keine Schadstoffe enthalten. 

Die Herstellung von Reiswaffeln ist einfach: Druck und Hitze führen dazu, dass sich die Reis­körner ausdehnen und schliesslich platzen. Die austretende Stärke verklebt die Körner zu handlichen Scheiben. Die Hitze sollte im Herstellungs­prozess so gesteuert sein, dass möglichst wenig Acryl­amid gebildet wird.

Gesetzliche Grenzwerte für Acrylamid gibt es zwar nicht. Denn beim heutigen Wissensstand lässt sich nicht sagen, ab welchem Wert ein Gesundheitsrisiko ausgeschlossen werden kann. Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung sagt jedoch: Es ist sinnvoll, so wenig Acrylamid wie möglich zu sich zu nehmen. Am meisten dieses Stoffs erwartet man in frittierten Kartoffelprodukten wie Pommes frites. Die Zeitschrift «Saldo» hatte vor vier Jahren in einem Pommes-frites-Test in ­einer Burger-King-Filiale einen Höchstwert von 420 Mikrogramm Acryl­amid pro Kilogramm gemessen (Ausgabe 10/2010).

Umso erstaun­licher: Im aktuellen Test fand das Labor in fünf Reiswaffeln nun deutlich höhere Werte. Am meisten Acrylamid enthielten die «Schokoladen-Reiswaffeln» von Spar: 702 Mikrogramm pro Kilo. Fast alle EU-Richtwerte für Gebäck werden damit deutlich überschritten. Die Spannweite ist gross: Getreidebeikost für Klein­kinder sollte nicht mehr als 50 Mikrogramm Acrylamid pro Kilo enthalten. Die Richtwerte für Biskuits, Waffeln und ähnliche Produkte liegen bei 200 bis 500 Mikrogramm. Der K-Tipp hat sich am Durchschnitt orientiert. Der Wert beträgt 250 Mikrogramm pro Kilo. 

Arsen: Werte teils «besorgniserregend»

In Reiswaffeln steckt auch Arsen. Dieser Stoff erhöht laut Toxikologen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. Zudem kann er Krebs auslösen, vor allem Haut- und Leberkrebs.

Das Labor fand bei den Reiswaffeln 60 bis 220 Mikrogramm Arsen pro Kilo. Dabei handelt es sich um den besonders giftigen anorganischen Arsenanteil. Das Arsen wird vom Reis beim Überfluten der Felder aufgenommen. Chemie-Professor Kevin Francesconi von der öster­reichischen Uni Graz bezeichnet Werte über 200 Mikrogramm als «besorgniserregend». Nur in China gibt es bereits einen Grenzwert für anor­ganisches Arsen in Reis. Dieser liegt bei 150 Mikrogramm. In der EU wird erst über einen Grenzwert diskutiert.

Für Trinkwasser hat die Schweiz hingegen einen strengen Grenzwert beim Arsengehalt: Bis Ende letzten Jahres waren maximal 50 Mikrogramm Arsen pro Liter erlaubt. Nun sind es nur noch 10 Mikrogramm, weil neuere Stu­dien aus dem Jahr 2010 das Gesundheitsrisiko von ­Arsen höher einschätzen.

Weit über die Hälfte der getesteten Reiswaffeln enthielten auch Rückstände von Pestiziden, Insekti­ziden oder Schimmelpilzgiften. Die Wirkung solcher Giftrückstände im menschlichen Körper ist noch wenig erforscht. Allein das Pestizid Carbendazim trägt aber laut Recherchen des «Gesundheitstipp» (Ausgabe 2/2013) 13 Warnhinweise auf der ­Verpackung. Carbendazim kann das Erbgut verändern und die Fortpflanzung ­gefährden. Der K-Tipp hat im Test für jeden fest­gestellten Schadstoff eine halbe Note abgezogen.

Keine unmittelbare Gefahr für Gesundheit

Fazit: Wer auf Reis­waffeln schwört, muss trotz der teils bedenklichen Test­ergebnisse nicht darauf verzichten. Eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit besteht nicht, da eine einzelne Reiswaffel nur wenige Gramm schwer ist. Trotzdem sollte man auf eine ausgewogene Mischkost achten. Die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA rät schwangeren Frauen und Kindern, Alternativen zu Reiswaffeln in Betracht zu ziehen.

Die Reaktionen der Hersteller fallen unterschiedlich aus: Aldi, Migros und Coop sagen, dass es sich «um toxikologisch nicht auffällige Werte» handle und alle Produkte dem Gesetzt entspräche.

Gemäss Aldi und Spar stammt das Arsen im Reis aus den Böden des Anbaugebietes in Italien und aus dem verwendeten Wasser aus den Alpen. Man könne den ­natürlichen Arsengehalt nicht regulieren, werde aber weiterhin regelmässig Kontrollen durchführen.

Coop und Migros geben an, für Acrylamid den EU-Richtwert für Biskuits zu verwenden, da es sich nicht um ein spezielles Produkt für Kleinkinder handle. Dieser liegt bei 500 Mikrogramm pro Kilo. 

Hersteller Hug hingegen zeigt sich besorgt über den relativ hohen Acrylamid-Gehalt. Beim Erhitzen stärkehaltiger Lebensmittel müsse man zwar damit rechnen, dass Acrylamid entstehe. Mit den im K-Tipp-Test gemessenen Werten in den Reiswaffeln wolle man sich aber nicht abfinden. Deshalb ver­suche man jetzt, «den Acryl­amidwert auf unter 100 Mikrogramm pro ­Kilogramm zu senken». 

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