Prüfgerät: Gesundheitsrisiko Foodsniffer

saldo 12/2016 vom | aktualisiert am

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Laut Werbung soll der Foodsniffer erkennen können, wann Fleisch oder Fisch verdorben sind. Im saldo-Praxistest versagte das Gerät. Händler er­statten Käufern das Geld zurück.

Foodsniffer BIld: CAN)

Foodsniffer BIld: CAN)

Der Foodsniffer sieht aus wie ein etwas zu dick geratener elektronischer Fiebermesser. Sensoren sollen bei Fisch und Fleisch anzeigen, ob diese noch essbar sind. Die «Coop-Zeitung» lobte das Gerät im April als «elektronische Spürnase für die Handtasche». Der Schnüffler spüre resistente Keime auf, die von blossem Auge nicht sichtbar seien. Die «Berner Zeitung» freute sich, dass man dank dem Foodsniffer die geprüfte Mortadella «gefahrlos essen» kann. Der «Tages-Anzeiger» schrieb, das Gerät habe bei einer abgelaufenen Wurst «zuverlässig angeschlagen». 

Schimmliges Fleisch taxiert das Gerät als «frisch»

saldo schaute ge­nauer hin: zum Beispiel bei einem Rindsentrecôte und bei Lachs. Vier Tage lagen Fleisch und Fisch an der Sonne. Danach gab der Foodsniffer beim Lachs an, er sei «verdorben», und beim Fleisch, es müsse gut gekocht werden. Einen Tag später war das Entrecôte laut dem Prüfgerät wieder «frisch». Dabei war es verschimmelt und roch übel. Fazit: Wer dem Gerät vertraut, riskiert seine Gesundheit. 

Coop räumt auf Anfrage ein, dass der Text in der «Coop-Zeitung» «unrichtige Informationen» enthielt. Zum Beispiel, dass der Foodsniffer «resistente Keime erkenne». Aufgrund der geringen Verkaufszahlen habe man auf eine Berichtigung verzichtet.

Coop liess den Foodsniffer bereits im Fe­bruar und März im Labor testen. Die Resultate waren laut Coop-Sprecher Ramon Gander «nicht überzeugend». Trotzdem verkauften die Coop-Töchter Nettoshop und Microspot den Foodsniffer für rund 110 Franken bis zur Anfrage von saldo Ende Mai weiter. Gander: «Das lief nicht ideal.» Käufer des Geräts könnten ihr Geld zurückverlangen.

Laut dem Generalimporteur Doc Station in Volketswil ZH sind über tausend Stück verkauft worden. Bei eigenen Tests habe man «99 Prozent positive Ergebnisse erzielt». Falsche Resultate könnten unter anderem durch «Fehler in der Software» entstehen.

Zwei Internethändler nehmen das Gerät aus dem Sortiment 

Auch die Migros-Tochter Galaxus und der Onlinehändler Steg verkauften den Foodsniffer. Steg-Marketingleiter Tom Schneider sagt: «Bei 250 000 Produkten im Sortiment können wir die Produkte nicht selber testen und müssen den Angaben der Hersteller vertrauen.» Nach der saldo-Anfrage strichen beide Internetshops den Foodsniffer aus dem Sortiment. Media-Markt nahm nicht Stellung. Auf der Website stand bis vor kurzem: «Das intelligente Gerät schützt dich und deine Familie vor gefährlichen Krankheiten.»

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