Prämienzahler müssen Spital-Gewinne finanzieren

K-Tipp 08/2016 vom

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Die Spitäler machen immer höhere Gewinne. Für die Kliniken hat sich der Umstieg auf ­Fallpauschalen ausbezahlt. Patienten und ­Prämienzahler sind die Dummen.

Als die Kantons- und Universitätsspitäler die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 vorlegten, stach eine Klinik heraus: Das Kantonsspital Luzern erwirtschaftete einen Gewinn von über 52 Millionen Franken – ein Jahr zuvor waren es 49 Millionen. Der finanziell klamme Kanton Luzern zwackte davon über 14 Millionen in die eigene Kasse ab.

Auch das Kantonsspital Graubünden schrieb einen Gewinn von 36 Millionen, das Universitätsspital Zürich einen solchen von 28,5 Millionen und das Inselspital Bern erzielte 25 Millionen Franken Jahresgewinn (siehe PDF).

Unter den privaten Spitälern konnte sich die Klinikgruppe Hirslanden mit 16 Spitälern in 11 Kantonen über einen Konzerngewinn von 122 Millionen Franken freuen. Unter dem Strich: 290 Spitäler in der Schweiz erzielten einen Gewinn von insgesamt 307,8 Millionen. 

«Fallpauschale setzt perverse Anreize»

Diese Gewinne sind das Ergebnis der Entwicklung, die vor gut vier Jahren mit der Einführung der neuen Fallkostenpauschalen einsetzte. Der Ökonom Mathias Binswanger sprach von Anfang an von ­«falschen Anreizen für die Spitäler» und warnte: «Die Fallpauschale setzt perverse Anreize, indem sie versucht, möglichst viel Geld aus den Patienten herauszuholen. Früher waren Spitäler primär dazu da, Kranke zu heilen – und danach schaute man, dass die Kosten nicht aus dem ­Ruder laufen. Heute ist das Hauptziel, finanziell möglichst gut abzuschneiden.»

Service public, also gute Dienstleistungen zu günstigen Tarifen, geht anders: Das sieht auch Holger Baumann so, Leiter des Universitätsspitals Bern. Er kritisierte jüngst in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» das politisch verordnete Gewinnstreben der Spitäler: «Eigentlich darf es nur um eines gehen: die Qualität. Sprich: die beste medizinische Versorgung. Stimmt diese, kommt der ökonomische Erfolg automatisch.»

Santésuisse: Kantone nicht querfinanzieren

Die Gewinne der Spitäler zahlen die Patienten und Prämienzahler. Die Krankenkassen haben damit ­offenbar kein Problem. Santésuisse, der Verband der Krankenversicherer, gesteht den Spitälern die hohen Gewinne zu – wenn auch unter gewissen Voraussetzungen: Ein Spital könne Gewinne machen, indem es vergleichsweise geringe Kosten verursache. Das sei beim Luzerner Kantonsspital aber nicht der Fall. 

Eine Querfinanzierung kantonaler Haushalte sollte laut Santésuisse aber vermieden werden: «Es ist nicht vom System gewollt, dass die Kantone etwas abschöpfen. Da würde er sich ja über die Krankenkassenprämien finanzieren.»

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