Outdoor-Kleider: In den Gift- statt in den Kleiderschrank

K-Tipp 05/2013 vom

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Tests zeigen: Viele Hersteller ­verwenden einen ­Chemie-Cocktail, damit Outdoor-Textilien ­wasserdicht und atmungsaktiv sind. Die Schadstoffe gelangen in die Umwelt und von dort ins Blut von Mensch und Tier.

Outdoor-Kleider sind «aussergewöhnlich atmungsaktiv», «extrem wasserdicht», «winddicht», «dauerhaft robust» und gleichzeitig «klein verpackbar». Damit der Wanderer «singend durch den Regen stapfen» kann.

Das versprechen die Hersteller von wetterfester Kleidung in der Werbung. Allerdings: Um diese Anforderungen zu erfüllen, setzen viele bei der ­Fabrikation auf ­einen ­Chemie-Cocktail. Das zeigen Tests des deutschen Um­welt­bundes­amtes und der Umwelt­organisation Green­peace.

Jüngstes Beispiel: Greenpeace fand im Februar 2013 in einer Kinderregenjacke der Migros-Eigenmarke Trevolution grosse Mengen PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien). Die Migros nahm die Jacke umgehend aus dem Sortiment.

PFC kommen wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in der Aussen- und in der atmungsaktiven Schicht der Kleider zur Anwendung. Bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung der Textilien landen sie in der Umwelt und werden dort nicht mehr abgebaut. Über Luft, Haus­staub, Nahrung und Trinkwasser gelangen PFC in den Körper. Sie lassen sich im Blut und in der Muttermilch von Menschen und Tieren weltweit nachweisen. Laut Studien können diese Stoffe unter anderem unfruchtbar machen und das Tumorwachstum fördern.


«Beim Tragen ­unbedenklich»

Die Migros ist längst nicht die einzige Herstellerin, die PFC verwendet. Bei ­einem früheren Test im Oktober 2012 hatte Greenpeace in allen 14 ­untersuchten Regenjacken und -hosen die schädlichen Stoffe gefunden. Sogar in der Jacke von Greenpeace selber. Deshalb verkauft die Organisation vorläufig keine Textilien mehr. Auch das deutsche Umweltbundesamt war im letzten Oktober in einem Test bei fast allen Outdoor-Kleidern auf PFC ­gestossen (siehe Kasten).

Der K-Tipp hat die ­Textil-Firmen um eine Stellungnahme gebeten. Tenor: PFC ­seien beim Tragen unbedenklich und Grenz­werte würden nicht verletzt. Die Hersteller beteuern, sie würden daran arbeiten, weniger schäd­liche Chemikalien einzusetzen. 


Jacken und Hosen mit Schadstoffen

In folgenden Textilien fanden Labors per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Sie sind in der Schweiz nach wie vor erhältlich:

  • Adidas Terrex Feather, Jacket Women (Fr. 560.–)
  • Bergans Glittertind, Jacke (Fr. 519.–)
  • Campagnolo Softshell Hood Junior, Jacke (Fr. 65.–)
  • Fjällräven Eco-Trail, Jacket Women (Fr. 439.–)
  • Jack Wolfskin Cloud Stream, Jacke für Kinder/Boys (Richtpreis: Fr. 169.–)
  • Jack Wolfskin Topaz, Jacke (Fr. 239.–)
  • Jack Wolfskin ­Reso­lution, Jacke (Fr. 350.–)
  • Kaikkialla Annuka, Frauenjacke (Fr. 489.–)
  • Mammut Fujiyama, Jacket Women (Fr. 600.–)
  • Marmot Boy’s Torrey, Hose (Fr. 74.–)
  • Mountain Equipment Firefox, Jacke (Fr. 359.–)
  • Mountain Equipment WMNS Firefox, Jacke (Fr. 359.–)
  • Patagonia Piolet, Jacke Lady Black, Modell 2012 (Fr. 439.–)
  • Patagonia Men’s Solar, Windjacke (Fr. 319.–)
  • Patagonia Torrentshell Men’s, Jacke (Fr. 159.–)
  • The North Face ­Sutherland, Frauen-Jacke (Fr. 359.–)
  • Tschibo Herren-­Skijacke (Fr. 119.–)
  • Vaude Escape Bike- Jacke III (Fr. 170.–)
  • Vaude Kids Escape, Jacke (Fr. 110.–)
  • Vaude Mischabel, Jacke (Fr. 329.–)
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