«Nie in meinem Leben so schlechte Qualität gehört»

K-Tipp 07/2010 vom

von

Von schrill bis dumpf: Fünf von zwölf Digitalradios schnitten im Praxistest ungenügend ab – eines erhielt gar die Note «schlecht». Auch die Bedienungsfreundlichkeit lässt oft zu wünschen übrig.

Musikwelle, DRS4-News, Jugendradio Virus, Radio Swiss Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic: Wer all diese Schweizer Sender nicht via Internet oder Kabel empfangen kann oder will, braucht ein Digitalradio (Digital Audio Broadcasting, DAB). Doch welche Digitalradios tönen auch gut? Und wie einfach ist deren Bedienung?

Der K-Tipp hat zwölf der meistverkauften DAB-Radios unter 200 Franken in einem Praxistest unter die Lupe genommen. Dazu haben drei Tonmeister, vier Tonmeisterstudenten sowie ein Branchenkenner die Geräte auf Tonqualität und Bedienungsfreundlichkeit untersucht (siehe unten «So wurde getestet»).


Klangbrei und dumpfe, unverständliche Töne

Die Resultate sind fast durchwegs niederschmetternd: Sechs von zwölf Radios haben ungenügende oder gar schlechte Noten erhalten. «Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich eine so schlechte Tonqualität gehört», urteilte Andreas Werner, Tonmeister und Klassik-Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste, beim Test des Microspot-Radio «MIC317».

Der Grund: Beim Ländler ist der Kontrabass überhaupt nicht zu hören, beim feinen Klassikstück verschwimmt das Orchester zum Klangbrei, bei der Nachrichtensendung tönt der Sprecher dumpf und unverständlich. Die Pressesprecherin von Interdiscount, Andrea Bergmann, rechtfertigt sich: «Das Gerät wird demnächst durch ein verbessertes Modell ersetzt.»


Nur ein Kleiner mit gutem Klang

Dass es auch anders geht, zeigt Testsieger DR314 von Albrecht: Dank Stereo-Ton und einem speziellen Bass-Lautsprecher gab das Radio alle Musikstücke klar und deutlich wieder. Einzig beim Klassik-Titel bemängelten die Experten einen etwas grellen Klang.

Obwohl One Mini von Pure nur halb so gross ist wie der Testsieger, konnte das Gerät bei der Klangqualität erstaunlich gut mithalten. Das Fazit von Tonmeister Patrick Müller: «Kleines, gut klingendes Gerät. Würde ich kaufen.» Doch gerade das Beispiel des One mini zeigt: Es nützt nichts, dass der Popsong bei Virus auf dem Radio super tönt – wenn man den Sender nicht ½ndet oder ihn nicht auf einer eigenen Taste abspeichern kann.

Ein weiterer häufiger Kritikpunkt bei der Bedienung der meisten Geräte: Das Einstell-Menü war für die ziemlich kleinen Bildschirme oft zu kompliziert. Zudem waren viele Knöpfe schlecht beschriftet. Immerhin: Beim Einschalten suchten alle Radios selbständig nach den vorhandenen Sendern. Das mühsame Einstellen der Frequenz entfällt.


So wurde getestet

Ein Testsender strahlte auf allen zwölf DAB-Radios vier verschiedene, klanglich anspruchsvolle Musikstücke aus den Bereichen Klassik, Rock/Pop, Ländler sowie eine Nachrichtensendung aus. Anhand von Referenzlautsprechern bewerteten dann drei diplomierte Tonmeister, vier Tonmeisterstudenten der Zürcher Hochschule der Künste sowie ein Branchenexperte die Wiedergabe der einzelnen Musikstücke anhand von Fragebogen mit Schulnoten.

Im Fokus stand dabei eine möglichst präzise und natürliche Tonwiedergabe. Bei der Bedienung wurde auf eine möglichst einfache Benutzerführung geachtet. Komplizierte, verschachtelte Menüs, unlogisch angeordnete oder fummelige Knöpfe und unverständliche oder zu kleine Beschriftungen führten zu Abzügen. Alle Geräte wurden in den Grundeinstellungen getestet. Bei einigen Modellen kann die Tonqualität über das Menü noch speziell korrigiert werden.

0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Digitalradios: Die meisten taugen nur als Küchenradio

Links

Klangkünstler im Miniformat