Mit Volldampf durch die Faltentäler

K-Tipp 3/2005 vom

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Bügelstationen sind im Trend. Und sie haben ihren Preis. Ihre Vorzüge gegenüber gewöhnlichen Dampfbügeleisen sind aber eher bescheiden.

Gegen 400 000 Bügeleisen gehen in der Schweiz jährlich über den Ladentisch - Bügeln scheint eine Art Volkssport zu sein.

Ob dabei aber erfolgreicher ist, wer eine Bügelstation mit Dampfdruckerzeuger sein Eigen nennt, ist fraglich. Die deutsche Stiftung Warentest (Stiwa) hat vor Jahresfrist eine Reihe solcher Geräte getestet. Befund: Diese bügeln insgesamt weder besser noch schlechter als herkömmliche Dampfbügeleisen.

Die grössere Dampfleistung der Stationen ist laut Stiwa hauptsächlich beim Aufdampfen hängender und mehrlagiger Textilien von Vorteil. Zudem haben Stationen meist einen grösseren Wassertank als gewöhnliche Bügeleisen. Das ist angenehm, wenn viel Wäsche zu bügeln ist. Allerdings benötigen Stationen relativ viel Platz. Und sie sind mit Preisen zwischen 300 und 500 Franken nicht eben billig.

Gewöhnliche Dampfbügeleisen kosten selten mehr als 200 Franken; günstige Modelle gibts schon ab 40 Franken. Erfreulich ist zudem, dass gute Geräte nicht zwingend sehr teuer sein müssen. Das hat ein Test des K-Tipp ergeben, aus dem ein Dampfbügeleisen für 120 Franken als Sieger hervorging (siehe K-Tipp 15/03).

Ein Feind jedes Dampfbügeleisens ist der Kalk. Deshalb empfiehlt es sich, bei hartem Wasser (ab 25 französischen Härtegraden) dem Tank destilliertes Wasser beizugeben - aber nur zu zwei Dritteln. Sonst wird die Dampfleistung beeinträchtigt, sagt Karin Lüscher vom Fachgeschäft Elite-Center in Zürich-Seebach. Den Wasserhärtegrad kann man beim Wasserwerk der Gemeinde in Erfahrung bringen.


Entkalkungsmittel sind tabu

Auf keinen Fall sollte man Entkalkungsmittel ins Wasser geben, wie die Stiwa festhält: Solche Mittel könnten - ebenso wie Duftzusätze - «die verschlungenen Wege im Innern zerstören, Düsen verstopfen oder sich als braune Flecken auf der Wäsche wiederfinden». Tabu ist deshalb laut Lüscher auch Wasser aus Enthärtungsanlagen auf Salzbasis. Es gibt mittlerweile diverse Bügeleisen, die mit Filter, Patronen oder anderen Vorrichtungen gegen Kalk ausgestattet sind.

Von der Wattzahl her präsentieren sich die Geräte recht unterschiedlich. Ein Modell mit mehr als 2000 Watt bügelt aber nicht unbedingt besser als eines mit 1200 Watt, es heizt lediglich schneller auf. «In Altbauwohnungen mit einer Absicherung von nur 6 Ampère sind Bügeleisen mit mehr als 1400 Watt indes problematisch, weil rasch einmal die Sicherung durchbrennt», warnt Karin Lüscher.
Übrigens, auch beim Bügeln lässt sich Strom sparen: Keine zu feuchte Wäsche bügeln, das Bügeleisen in Arbeitspausen immer ausschalten und nach dem Ausschalten - ähnlich wie bei Herdplatten - die Nachwärme nutzen. Laut der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E. entfallen in einem vierköpfigen Haushalt pro Jahr etwa 50 Kilowattstunden oder knapp 1,5 Prozent des Gesamtstromverbrauchs aufs Bügeln.



Wassertank
- Der Tank gewöhnlicher Dampfbügeleisen fasst meist zwischen 2,5 und 3,5 Deziliter Wasser. Bei Dampfstationen mit abnehmbarem Tank sinds oft 7 bis 8 Deziliter, bei solchen mit integriertem Tank 1 bis 1,5 Liter.
- Ist der Tank in den Druckerzeuger integriert, kann er in der Regel nur nachgefüllt werden, wenn der Druck genügend gesunken ist. Dieses «zeitraubende» Problem gibt es bei den meisten Stationen mit abnehmbarem Tank und bei gewöhnlichen Dampfbügeleisen nicht. Deshalb ist das Tankvolumen dieser Geräte nicht ganz so gross.
- In Modellen mit transparentem Tankgehäuse lässt sich der Wasserstand auf den ersten Blick ablesen. Einige Geräte piepsen oder lassen ein Lämpchen aufleuchten, wenn der Tank leer ist.


Handhabung
- Das Bügeleisen muss gut in der Hand liegen. Deshalb gilt: Im Laden ausprobieren.
So erkennt man zudem, ob das Gewicht «stimmt». Vorsicht: Leichte Geräte mögen zunächst als angenehm empfunden werden - beim Bügeln brauchts aber mehr Druck, was mit der Zeit ermüdet und zu Verspannungen führen kann.
- Ein mindestens 1,8 bis 2 Meter langes Kabel schafft genügend Bewegungsfreiheit und verhindert, dass man das Wäschestück dauernd neu zurechtrücken muss.


Dampfsystem
- Bügeleisen mit einer Dampfleistung von weniger als 20 Gramm/Minute haben mit starken Falten Mühe. Bei den meisten Stationen mit Druckerzeuger beträgt die Leistung 60 Gramm/Minute und mehr. Deshalb sind solche Geräte besser geeignet, auch hängende Kleidungsstücke aufzudampfen.
- Bei diversen Modellen lässt sich die Dampfleistung variieren. Das kann je nach Faltentiefe und Stoffqualität nützlich sein. Flexibilität ermöglichen auch Bügeleisen, die den Dampf wahlweise an der Sohlenfläche oder bloss an der Sohlenspitze austreten lassen.
- Verfügt das Gerät über eine Turbo-Taste, mit der sich ein kurzer, kräftiger Dampfstoss auslösen lässt, sind starke Falten leichter herauszubügeln.


Schutzfunktionen
- Aus Sicherheitsgründen sind Geräte empfehlenswert, die sich automatisch abschalten, wenn sie eine Zeit lang nicht bewegt worden sind.
- Bügelstationen, deren Tank im Druckerzeuger integriert ist, haben einen Sicherheitsverschluss, damit der Tank unter Druck nicht geöffnet werden kann.


Bügelsohle
- Die meisten Bügeleisen verfügen über eine Aluminium- oder Chromstahlsohle. Kratzer lassen sich in der Regel wegschleifen bzw. herauspolieren. Bei gewissen Modellen weist die Bügelsohle eine Spezialbeschichtung zum Beispiel aus Saphirstaub oder Perlmutt auf, um Gleitfähigkeit und Kratzfestigkeit zu vergrössern.
- Praktisch ist, wenn es zum Gerät eine aufsetzbare Teflonsohle gibt, mit der sich heikle Stücke wie bedruckte T-Shirts, dunkle Hosen und Seidenblusen schonend bügeln lassen.
- Modelle mit schmaler Bügelsohle und langer Spitze eignen sich besonders gut, um Hemden und Blusen zu bügeln.


Temperatur
- Auf dem Temperaturregler vieler Bügeleisen ist angegeben, welche Position für welche Textilien einzustellen ist. Bei einigen Reglern sind die Positionen nur durch Punkte gekennzeichnet: Ein Punkt (mässig heiss) steht für Chemiefasern, zwei Punkte (heiss) stehen für Seide und Wolle, drei Punkte (sehr heiss) für Baumwolle und Leinen.
- Nützlich ist, wenn ein Kontrolllämpchen anzeigt, wann die gewünschte Temperatur erreicht ist.
- Beim Bügeln sollte man stets mit jenen Textilien beginnen, die die niedrigste Bügeltemperatur erfordern.
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