Menu Surprise - Erdbeer-Aroma aus Sägespänen

Gesundheitstipp 1/2000 vom

Verbrauchertäuschung ist in der Schweiz verboten. Einerseits. Andererseits gibt es gewisse Sachzwänge. Bei den Erdbeeren zum Beispiel.

Die ganze Welt-Erdbeerernte würde gerade mal für fünf Prozent des amerikanischen Bedarfs reichen, für Joghurt, Eis und Milch-Drinks.

Sägespäne hingegen gibt es reichlich. Die «kocht man ein wenig», sagt ein Angestellter einer Aroma-Fabrik, gibt einige geheime Mittelchen dazu, und fertig ist der Geschmacksersatz. Auf dem Etikett darf sogar «natürliches Aroma» stehen - Holz ist schliesslich auch Natur.

Die reine Natur ist leider teuer und daher korrekturbedürftig. So müssen für eine Tüte Knorr Hühnersuppe zwei Gramm «Trockenhuhn» reichen. Das entspricht sieben Gramm «Nasshuhn» - für vier Teller recht wenig.

Ein Gramm Aroma aus dem Labor gleicht das Geschmacksdefizit aus - und führt den Körper in die Irre. Weil der nicht kriegt, was der Geschmack verspricht, entwickelt er fortgesetzten Kohldampf. Übergewicht ist die logische Folge. Das räumt sogar der deutsche Verband der Aroma-Hersteller ein.

In der Tiermast ist dieser Effekt sehr erwünscht: Ferkel legen jeden Tag fast zehn Prozent mehr an Gewicht zu, wenn ihr Futter Aroma enthält. Am wirksamsten reagieren sie auf Aroma von Erdbeeren und Schlagrahm.

Bei Tieren hat Aroma noch andere Aufgaben: Es soll, wie Aroma-Experten sagen, «Problemfuttermittel» besser «maskieren», jene artwidrigen Zusätze wie Tiermehl, Fettbeigaben oder Antibiotika. Beliebt sind dafür Aromen, die das Tier an seine natürlichen Geschmacksvorlieben erinnern. Beim Rind etwa das Aroma vom Typ «Kräuterwiese», bei Katzen «Maus», für Hühner «Regenwurm».

Das, immerhin, bleibt uns Menschen erspart. Einerseits. Andererseits gehen die Folgen auch uns an: BSE, Dioxin, Antibiotikaresistenzen sind Folgen der Geschmacks-Verirrung.
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