Lockerer Umgang mit dem Geld der Steuerzahler

saldo 5/2001 vom

Sponsoren springen ab, Budgets werden überzogen, Banken drehen den Geldhahn zu: Die Expo steckt in riesigen Finanznöten. Die Macher stört das nicht: Sie kassieren trotzdem horrende Löhne.

Das Engagement für die Expo.02 kommt den Bund vermutlich auf über 700 Millionen Franken zu stehen. Ursprünglich waren 130 Millionen budgetiert. Auch nachdem der Urner Katastrophenminister Franz Steinegger das Expo-Szepter übernommen hat, kommt die Landesausstellung nicht aus dem Finanzsumpf heraus: Sponsoren springen ab, die Baukosten liegen massiv über dem Budget, und die Banken drehen den Geldhahn zu. Berappen müssen die Misswirtschaft die Steuerzahler. Konkret: Jeder Einwohner subventioniert die Landesausstellung mit 100 Franken.


Finanzloch wächst bis zum Start auf 240 Mio. Franken an

Die Expo benötigt dringend Flüssiges, um die laufenden Lohn-, Bau- und Verwaltungskosten zu begleichen. Bis zum Start hat die Landesausstellung ungedeckte Ausgaben von 240 Millionen Franken. Für die Banken ist diese Summe eigentlich ein Klacks. Doch wie bei jedem Geschäft wollen die Banker für ihre Kredite Sicherheiten. Und da hapert es bei der Expo: Bis zur Eröffnung am 15. Mai 2002 gibt es praktisch keine Einnahmen. Und die Defizitgarantie des Bundes darf laut Bundesratsbeschluss nur zu einem Teil als Pfand eingesetzt werden. Bleiben als Sicherheit einzig die auf 300 Millionen Franken budgetierten Ticketeinnahmen.


Weitere Kredite nur gegen Abtretung der Eintrittsgelder

Der Haken: Nach den schlechten Besucherzahlen der Weltausstellung von Hannover sind die Banken vorsichtig geworden. Erst nach zähen Verhandlungen haben sie sich nach einem ersten Kredit von 40 Millionen Anfang 2001 zu einem weiteren von 150 bis 160 Millionen Franken durchgerungen - gegen Abtretung der Eintrittsgelder. Beim Rest passten sie: Den soll einmal mehr der Bund, sprich die Steuerzahler, übernehmen.

1996 beschloss das Parlament für die Expo eine Bundesbeteiligung von 130 Millionen Franken, davon 20 Millionen als Defizitgarantie. Drei Jahre später sind weitere 250 Millionen Franken bewilligt worden. Zusätzlich eine Defizitgarantie von 338 Millionen. Fazit: Die vom Parlament genehmigten Bundesbeiträge betragen total 718 Millionen.

Das ist nicht alles: Auf 25 bis 30 Millionen Franken wird der Armeeeinsatz für Sicherheits- und Geniearbeiten geschätzt. Das Bundesamt für Landwirtschaft zahlt 12 Millionen Franken ans Projekt des Bauernverbandes. Und das Bundesamt für Gesundheit unterstützt ein Präventionsprojekt mit einer Million. Die Gemeinden engagieren sich mit insgesamt 20 und die Kantone mit 94 Millionen Franken.


Fürstliche Löhne für die Expo-Angestellten

Zwar verspricht die Expo-Führung noch immer, die Defizitgarantie des Bundes von 338 Millionen Franken werde nur im Notfall beansprucht. Doch das glauben die Banken schon längst nicht mehr. Kürzlich meinte ein Vertreter der CS hinter vorgehaltener Hand: "Die Kredite der Banken sind nichts anderes als eine Vorfinanzierung von Bundesbeiträgen."

Der grosse Ärger: Trotz gewaltiger finanzieller Probleme verdienen sich die Expo-Macher eine goldene Nase. Und zwar nicht nur Generaldirektorin Nelly Wenger, die jährlich den stolzen Betrag von 330 000 Franken brutto bezieht. Auch ihre sechs Direktoren lassen es sich mit 250 000 Franken mehr als gut gehen. Und selbst gewöhnliche Projektleiter werden bei der Expo mit 10 000 bis 12 000 Franken im Monat fürstlich entlöhnt. Auch deren Assistenten kommen mit 7000 bis 9000 Franken nicht schlecht weg. Diese Zahlen bestätigte Expo-Sprecher Tony Burgener gegenüber saldo.

Im Verhältnis zu den Bezügen der ehemaligen künstlerischen Leiterin Pipilotti Rist sind die Löhne der jetzigen Expo-Leute freilich immer noch mickrig. Diese liess sich als Direktorin im Monat 24 000 Franken auszahlen. Dazu weitere 16 000 Franken monatlich für Spesen, Umtriebe, Honorare und Entschädigungen.

Max Fischer
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